Tagelanger Kraftakt

Aus dem Ei an die Oberfläche: So kämpfen sich Meeresschildkröten-Babys durch den Sand

Eine junge Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) am Strand.

Frisch geschlüpfte Meeresschildkröten haben einen langen, harten Weg bis zum Wasser. Wenn die Babys sich aus ihrem tief im Sand steckenden Ei befreit haben, graben sie sich in einem Kraftakt mit schwimmartigen Bewegungen Kopf voran nach oben, wie australische Forschende berichten. Auf dem kräftezehrenden Aufstieg machen die Winzlinge immer wieder kurze und längere Pausen.

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Für das Nest graben Schildkrötenmütter ein großes Loch am Strand, legen ihre Eier hinein und schütten es wieder mit Sand zu. So sind ihre Nachkommen im gewissen Umfang vor Vögeln und anderen Fressfeinden geschützt. Die nicht mal handtellergroßen Meeresschildkröten müssten sich dann oft durch eine 30 bis 80 Zentimeter dicke Sandschicht arbeiten, berichtet das Team um Davey Dor von der University of New South Wales in Sydney mit Verweis auf frühere Studien. Das könne tagelang dauern.

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Schildkröten „schwimmen“ zur Strandoberfläche

Bislang war es schwer, den ersten Teil des Weges der Schildkrötenbabys genau zu beobachten. „Wir haben einen Beschleunigungsmesser direkt an frisch geschlüpften Grünen Meeresschildkröten (Chelonia mydas) angebracht, um die Bewegungen bis zum Auftauchen aus dem Nest aufzuzeichnen“, schreibt das Team in den „Proceedings B“ der britischen Royal Society.

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Die Schildkröten schieben sich dabei nicht nach rechts und links schwankend nach oben, wie zu erwarten gewesen wäre, wenn sie abwechselnd mit beiden rechten und beiden linken Beine graben würden. Vielmehr bewegen sie den Körper senkrecht mit dem Kopf nach oben und schwanken dabei Richtung Bauch und Rücken hin und her, als würden sie „zur Sandoberfläche schwimmen“, berichtet das Forscherteam. Dabei nutzen sie nach Vermutungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Beine beider Seiten gleichzeitig, um sich ähnlich wie beim Brustschwimmen mit dem Kopf voran zu bewegen.

Wahrscheinlich orientierten sie sich an der Erdanziehungskraft, schreibt das Team. Als Energiequelle für die enorme Aufgabe diene vermutlich der Rest des Dotters.

Schildkrötenbabys schlüpfen schneller als gedacht

Den Zeitpunkt, an dem die Schildkröten aus dem Ei kamen, bestimmte das Team mit einem Schlüpfdetektor: Es brachte kleine stromdurchflossene Aluminiumstreifen so über den Eiern an, dass herauskommende Tiere den Stromkreis durchbrachen, was ein Gerät an der Oberfläche anzeigte. Die frisch geschlüpften Mini-Schildkröten wurden ausgegraben, mit einem kleinen Bewegungsmelder auf den Rücken versehen und wieder eingegraben. Dabei achteten die Forscherinnen und Forscher darauf, die Sandschichten in der richtigen Reihenfolge aufzufüllen – von unten nass und dicht bis zu einer lockeren Körnung ganz oben.

Die zehn beobachteten Tiere benötigen 1,5 bis 4 Tage bis zur Oberfläche – und damit etwas kürzer als in früheren Studien angegeben, die von 3 bis 7 Tagen ausgingen. Es könnte sein, dass in der aktuellen Studie genauer gemessen wurde, heißt es in der Studie. Das Ausheben des Sandes und die Wiederaufschüttung in der aktuellen Forschungsarbeit habe möglicherweise aber auch den Sand aufgelockert, was das Graben für die Schildkröten erleichtert habe.

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Die Forschenden untersuchten zehn Baby-Schildkröten am Strand von Heron Island im südlichen Great Barrier Reef. Die Insel ist eine Langzeitüberwachungsstätte für Grüne Meeresschildkröten, die von November bis April auf der Insel nisten.

In den ersten 24 Stunden des Sandschwimmens gebe es keine tageszeitlichen Muster, schreibt das Forscherteam. Aber in den letzten 24 Stunden vor dem Auftauchen seien die Bewegungen während der Nachtstunden intensiver als am Tag. Die Schildkrötenbabys wandern auch zumeist nachts zum Meer – die Strecke ist ein weiterer Kraftakt für die Mini-Schildkröten.

RND/dpa

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