Russische Invasion

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Es wachsen die Ängste, dass im Akw Saporischschja in der Ukraine etwas passiert. Die UN sind alarmiert - aber miteinander reden wollen Russen und Ukrainer nicht. Die Entwicklungen im Überblick.
  • Von Deutsche Presse Agentur
  • 08. Aug. 2022 | 16:11 Uhr
  • 08. Aug. 2022
  • Von Deutsche Presse Agentur
  • 08. Aug. 2022 | 16:11 Uhr
  • 08. Aug. 2022
Anzeige

Angesichts neuer gegenseitiger Vorwürfe zwischen Russland und der Ukraine wächst international die Sorge um Europas größtes Atomkraftwerk Saporischschja. UN-Generalsekretär António Guterres warnte am Montag: «Jeder Angriff auf ein Atomkraftwerk ist eine selbstmörderische Angelegenheit.» Das Akw im Süden der Ukraine, das unter russische Kontrolle steht, wurde in den vergangenen Tagen mehrfach mit Raketen beschossen. Die beiden Kriegsparteien geben sich gegenseitig die Schuld.

Nach bald sechs Monaten Krieg deutet weiterhin nichts auf baldige Verhandlungen über eine Friedenslösung hin. Im Osten der Ukraine dauerten die schweren Kämpfe an. Immerhin kam erstmals wieder ein Frachter mit Getreidelieferungen aus der Ukraine in einem Hafen in der Türkei an. Weitere Schiffe sind auf dem Weg. Unterdessen entschied ein SPD-Schiedsgericht in Hannover, dass der sozialdemokratische Altkanzler Gerhard Schröder mit seinem Engagement für russische Staatskonzerne nicht gegen die Parteiordnung verstieß. Der 78-Jährige steht seit Kriegsbeginn noch ärger in der Kritik.

Guterres verlangte, dass Experten der Internationalen Atomenergie-Behörde Zugang zu Saporischschja bekommen. Russland lehnt dies bislang ab. Der Kreml forderte vom Westen, seinen Einfluss auf Kiew geltend zu machen, damit das Akw nicht nochmals beschossen wird. Kremlsprecher Dmitri Peskow warnte vor katastrophalen Folgen für ganz Europa. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wiederum machte Moskau für die Raketenangriffe verantwortlich. Die eigenen Leute sollen die Russen zuvor in Bunkern in Sicherheit gebracht haben. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Mit der Forderung an den Westen, auf Selenskyj einzuwirken, machte der Kreml einmal mehr deutlich, dass es zwischen Moskau und Kiew keinen Draht mehr gibt. In der Provinz Donezk tobten weiter schwere Kämpfe bei den Städten Bachmut und Awdijiwka. Bei der von russischen Truppen besetzten Großstadt Cherson im Süden startete die ukrainische Armee nach eigenen Angaben Gegenangriffe mit Raketen auf die strategisch wichtige, bereits beschädigte Antoniwka-Brücke über den Fluss Dnipro. Damit soll der Nachschub der Russen gestört werden. Vielerorts gab es wieder Luftalarm.

Im russisch besetzten Teil des Gebiets Saporischschja fiel unterdessen der Startschuss für ein Referendum zum Beitritt nach Russland. Der moskautreue Militärgouverneur Jewgeni Balizki unterzeichnet dazu einen Erlass. Einen Termin nannte er nicht. Unklar ist, wie eine solche Abstimmung, die die Ukraine nicht anerkennen würde, organisiert werden sollte. Selenskyj hat bereits gewarnt, dass solche Abstimmungen alle Chancen auf Friedensverhandlungen zunichte machen würden.

Der Präsident deutete an, dass er bald mit weiteren Waffen aus dem Westen rechnet. «Nächste Woche erwarten wir Neuigkeiten von Partnern bezüglich der Hilfspakete. Gute Nachrichten!», sagte Selenskyj am Sonntagabend in einer Videoansprache. Die Waffenlieferungen seien Schlüssel der erfolgreichen Verteidigung. In den USA wird derzeit ein neues Paket für die Ukraine geschnürt. Erwartet wird, dass US-Präsident Joe Biden weitere Waffenlieferungen im Wert von einer Milliarde Dollar (etwa eine Milliarde Euro) ankündigt.

Ungeachtet von bald sechs Monaten Krieg verzichtet der Kreml bislang auf eine offene Mobilisierung für die Armee - in der Provinz hingegen bilden die Behörden regionale Freiwilligenbataillone. «Nach unseren Berechnungen wurden in mindestens 20 Regionen Russlands schon mehr als 40 solcher Einheiten aufgestellt», berichtete die Tageszeitung «Kommersant». Experten sehen darin den Versuch von Gouverneuren, dem Kreml ihre Loyalität zu beweisen. Die Rekrutierung auf regionaler Ebene solle helfen, Personalmangel an der Front zu verringern.

Erstmals seit Abschluss des internationalen Getreideabkommens erreichte ein Frachter aus der Ukraine seinen Zielhafen in der Türkei. Das unter türkischer Flagge fahrende Schiff «Polarnet» kam am Montag mit 12.000 Tonnen Mais in Kocaeli am Marmara-Meer an, wie die die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Insgesamt hat inzwischen etwa ein Dutzend Getreideschiffe ukrainische Häfen verlassen.

Die Agrarexporte übers Schwarze Meer waren wegen des russischen Angriffskriegs seit Ende Februar blockiert. Am 22. Juli wurden unter UN-Vermittlung Abkommen unterzeichnet, um Ausfuhren aus drei ukrainischen Häfen zu ermöglichen. Die Wiederaufnahme der Exporte gilt als wichtig für die Stabilisierung von Lebensmittelpreisen auf dem Weltmarkt. Die Ukraine zählte bislang zu den wichtigsten Getreide-Exporteuren.