Autor

Tellkamp bezweifelt «Reichsbürger»-Umsturzpläne

Der einst für seinen Erstling «Der Turm» gefeierte Schriftsteller Uwe Tellkamp macht inzwischen vor allem wegen extremer Äußerungen von sich reden. Bei einer Lesung legt er nach.
  • Von Deutsche Presse Agentur
  • 10. Dez. 2022 | 07:19 Uhr
  • 10. Dez. 2022
Der Autor Uwe Tellkamp (l) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bei der Lesung in Berlin.
  • Von Deutsche Presse Agentur
  • 10. Dez. 2022 | 07:19 Uhr
  • 10. Dez. 2022
Anzeige

Der bereits wegen umstrittener Äußerungen in der Kritik stehende Schriftsteller Uwe Tellkamp hat Zweifel an Umsturzplänen in der «Reichsbürger»-Szene geäußert. «Woher wissen Sie, dass das so ist?», fragte der Autor am Donnerstagabend nach einer Lesung aus seinem jüngsten Roman «Der Schlaf in den Uhren». Eingeladen zu der Diskussionsrunde mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte die Vertretung des Landes in Berlin.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch in elf Bundesländern sowie in Italien und Österreich 25 Menschen festnehmen lassen. 22 von ihnen wirft sie vor, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein, die das politische System stürzen wollte. Bei den drei anderen geht es um Unterstützung.

Tellkamp dazu: «Sofort sind alle sich einig: Das kann nur finster sein. Der Abgrund des Terrors. Und alle Härte des Rechtsstaats.» Im Verlauf der Debatte mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) formulierte Tellkamp immer wieder in Frageform. Bei den Ermittlungen gegen die «Reichbürger»-Szene stellten sich «viele Menschen» die Frage: «Was wollen die uns hier für einen Bären aufbinden?»

Der Autor zog einen Vergleich zu Klimaaktivisten, «die öffentlich die Abschaffung des Staatssystems fordern». Die würden nicht in vergleichbarer Weise angegangen, sondern würden «gehätschelt» und in Talkshows eingeladen. Es gebe ein Wohlwollen vieler Medien dieser Bewegung gegenüber. «Und das ist eine Wahrnehmung, die viele Menschen teilen, wo sie sich fragen: Gibt es hier zweierlei Maß im Rechtsstaat? Was ist das Problem?», fragte Tellkamp.

Medien sieht er skeptisch. Wer in Dresden wissen wolle, was los sei, frage etwa Rettungssanitäter, Polizisten, Kriminalisten. «In den Kreisen, in denen ich verkehre», informiere man sich nicht etwa über Zeitungen. «Und das sind Dinge, die in der DDR schon vorkamen.»

Kritik gab es von Tellkamp auch an der Corona-Politik, die für wissenschaftlich gegeben hingenommen werde. «Auch das ist Erinnerung an vergangene Zeiten. Denn mit dieser Methodik, mit dieser Logik haben damals schon die Kommunisten operiert.»

Wissenschaft erscheint dem Schriftsteller nicht ausgewogen. «Zu wissen, was gut ist, das wussten sie in der DDR auch schon. Das ist auch so eine Gemeinsamkeit.» Dennoch setzte er nicht das jetzige System mit der DDR gleich. «Es gibt aber punktuell wiederkehrende Dinge, die manche Menschen an diese Zeit erinnern.»

Kretschmer widersprach Tellkamp an einigen Stellen. «Rechtsextremismus ist die größte Gefahr, da müssen wir vor allen Dingen dranbleiben», sagte der Regierungschef etwa. «Das bedeutet nicht, dass man bei den anderen Themen des Extremismus, Linksextremismus oder religiöser Extremismus, schweigen darf oder sich nicht darum kümmern muss. Aber man muss natürlich das Ganze auch in ein gewissen Verhältnis setzen.»

Auch Medien könnten unausgewogen, menschengemacht und defizitär sein, wären aber mit ihrer Qualitätskultur «um ein Vielfaches besser als soziale Netzwerke».

Der 54-jährige Tellkamp war für seinen Erstling «Der Turm» gefeiert worden, mit einem gleichnamigen Text hatte er 2004 den renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewonnen. Tellkamp ist seit Jahren umstritten wegen als extrem rechts interpretierten Äußerungen. Auch sein neues Buch war wegen solcher Stränge kritisiert worden.