Motorradfahrerin

Sandy Schoder aus Walle ist nicht zu stoppen

Sandy Schoder liebt das Adrenalin auf der Rennstrecke. Mit ihrer Teilnahme an der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft ist für sie ein Traum in Erfüllung gegangen.

  • Von Sebastian Salpius
  • 23. Nov. 2022 | 18:00 Uhr
  • 24. Nov. 2022
  • Von Sebastian Salpius
  • 23. Nov. 2022 | 18:00 Uhr
  • 24. Nov. 2022
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Walle.

Sie ist als „Mädchen vom Dorf“ groß geworden – und rast heute vor Tausenden von Zuschauern über die größten Rennstrecken des Landes. Sandy Schoder erscheint ihre eigene Realität noch immer etwas surreal, seitdem sie an der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) teilnimmt. „Es ist immer wieder atemberaubend, zu den Rennen zu fahren“, schwärmt Schoder. „Man sieht Fans, teilweise 30.000, die auf einen zukommen, Fotos und Autogramme von einem möchten. Für mich ist das auch totales Neuland.“

Aufgewachsen ist Schoder in der Nähe von Gera, seit 2018 lebt sie in Walle im Landkreis Celle. Ihr Rennmotorrad, ein pastellblaues MT07-Modell der Marke Yamaha, parkt in Südwinsen. Gemeinsam mit drei anderen Motorrädern steht es dort in einer geräumigen Garage, die sich in einer Scheune befindet. Werkzeuge und andere Kleinteile liegen auf einer langen Ablagefläche. Von der Decke scheint grelles Weißlicht und es riecht nach Gummireifen. Am windschnittigen Motorrad in der rechten Ecke fällt neben der pastellblauen Farbe ein gelbes Schweißband auf, das am Lenker hängt. „Who stops you?“, steht in schwarzer Schrift darauf.

Video: Deshalb nimmt Sandy Schoder am Twin Cup teil

"Da war ich total fasziniert von den tollen Geräuschen, den schönen Motorrädern und dachte mir: Irgendwann willst du auch mal Rennfahrerin werden.“

Sandy Schoder über ihr erstes Motorradrennen als Zuschauerin

Traum vom eigenen Sport-Motorrad

Stoppen konnte Sandy Schoder auf dem Weg zur Rennfahrerin niemand. Doch einfach war es nicht. Die gebürtige Thüringerin entdeckt ihre Leidenschaft für das Motorradfahren vor 24 Jahren durch ein besonderes Erlebnis. Ihr Vater nimmt sie als Zwölfjährige zum Moto-Grandprix am Sachsenring mit. „Da war ich total fasziniert von den tollen Geräuschen, den schönen Motorrädern und dachte mir: Irgendwann willst du auch mal Rennfahrerin werden“, erinnert sich Schoder.

Zu ihrem Vorbild wird Motorradfahrerin Katja Poensgen. „Sie war die schnellste Frau Europas. Das wollte ich werden“, erinnert sich Schoder mit einem Lächeln. Doch der Traum zerbricht schnell, weil sie kein eigenes Motorrad hat. „Meine Eltern hatten nicht das nötige Kleingeld und keine Affinität zum Motorsport“, sagt die 35-Jährige. Erst als sie im Alter von 23 Jahren für einige Jahre nach Spanien auswandert, kann Schoder ihre ersten Rennen auf kleinen Pitbikes fahren. Und als sie acht Jahre später nach Deutschland zurückkehrt, lässt sich ihr Mann Sascha Schoder ein besonderes Weihnachtsgeschenk einfallen: Ein Motorrad der Marke Suzuki, mit dem seine Frau endlich auch an Rennen auf den großen Strecken teilnehmen kann.

Debütrennen auf Hockenheimring

Ihren ersten Gaststart hat sie 2021 beim sogenannten „Twin Cup“ auf dem bekannten Hockenheimring. „Und weil es so gut gelaufen ist, dachte ich mir: Ich möchte mehr von diesen Rennen.“ Somit fährt Schoder 2022 ihre erste volle Saison im Twin Cup, der von ihrem Mann Sascha organisiert wird. „Das ist eine Einsteigerklasse, in der man sich schnell einfindet, ein sehr familiäres Umfeld“, meint die Motorradfahrerin. Zwölf Rennen auf sechs Strecken standen in der vergangenen Saison auf dem Programm, 2023 sind es 14 Rennen auf sieben Strecken. Frauen und Männer nehmen gemeinsam am Wettkampf teil, Schoder ist eine von nur drei Fahrerinnen. „Es ist ein fairer Kampf bei uns im Cup, und das macht wirklich Spaß. Wir Frauen werden akzeptiert. Und wir geben auch richtig Gas zwischen den Männern.“

„Mir macht es besonders Spaß, während des Rennens gegen meine Konkurrenten zu fighten und das Adrenalin zu spüren.“

Sandy Schoder

Eine Besonderheit des Twin Cups ist, dass nur zwei Motorradmodelle zugelassen sind. Neben der Yamaha MT07 ist das die Kawasaki Z650. Die Regelung soll dazu beitragen, dass zwischen den Fahrerinnen und Fahrern Chancengleichheit herrscht. Schoder: „Das Battle ist wirklich genial. Da kommt es nur auf den Fahrer an und nicht auf das Material.“ Hart umkämpfte Rennen sind das, was Schoder am Twin Cup gefällt: „Mir macht es besonders Spaß, während des Rennens gegen meine Konkurrenten zu fighten und das Adrenalin zu spüren.“

Schoder mit guter Premierensaison

Ihre erste Saison beendete Schoder übrigens auf Platz 14 von 34 Fahrern. Bereits im ersten Rennen auf dem Lausitzrennen erreichte sie ihr Saisonziel, einen Punkt einzufahren – und es sollten noch 24 weitere hinzukommen. „Ich glaube, das ist für meine erste volle Saison mit den ersten Erfahrungen auf diesen Strecken eine gute Leistung“, sagt Schoder, die hinter Jessica Langstädtler auf Platz 12 beste Frau im Wettbewerb war. Für die kommende Saison hat sie sich bereits ein neues Ziel gesetzt: „Ich möchte an den Erfolg aus meiner Premieren-Saison anknüpfen, konstant in den Top 15 zu fahren. Von mir aus sehr gerne unter den Top 10. Und ich möchte dieses Mal beste Frau des Cups werden.“

Bevor am 6. Mai 2023 die neue Cup-Saison auf dem Sachsenring beginnt, absolviert Schoder mit ihrem Mann ein Wintertrainingslager in Spanien. Dort wird sie im Dezember auf drei verschiedenen Rennstrecken trainieren und kann sich optimal vorbereiten, um ihre eigenen Ziele zu erreichen – oder sie vielleicht sogar erneut zu übertreffen.