Teil drei der vierteiligen Serie

Quo vadis, DFB? Warum die Frauen das letzte Aushängeschild sind

Die DFB-Frauen haben gute Chancen auf den WM-Titel.

Trainingseinheiten der Frauen- und der Männer-Nationalmannschaft unterscheiden sich insofern nicht mehr voneinander, als die Öffentlichkeit im Regelfall außen vor bleibt. Für das laufende Trainingslager der deutschen Fußballerinnen in Vorbereitung auf die WM in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August) gelten in Herzogenaurach am Sitz des DFB-Ausrüsters gerade dieselben Spielregeln wie kürzlich auf dem DFB-Campus für Joshua Kimmich und Co.: Die Pforten zum Gelände sind gewöhnlich für Zuschauerinnen und Zuschauer geschlossen, die Medien werden nach 15 Minuten von der Tribüne gescheucht.

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DFB-Frauen wollen „mit Stolz für unser Land spielen“

Nur bei einer ausgewählten Einheit können sich Fans noch Autogramme und Selfies abholen. Jenes öffentliche Training hat bei den DFB-Frauen am Dienstagnachmittag stattgefunden, um Volksnähe zu bezeugen. Dass Alexandra Popp und Co. bei vielen Menschen hoch im Kurs stehen, ist unstrittig. Dass die Frauen gerade als besseres Aushängeschild als die Männer taugen, bestreitet auch niemand. Das ist sogar in der WM-Kampagne hinterlegt, die bundesweit auf 600 Werbeflächen ausgespielt wird: „Wir, die mit Stolz für unser Land spielen. Und um den 3. Stern.“

Die Frauen sollen in diesem Sommer als identitätsstiftende Gemeinschaft wahrgenommen werden, wo die Männer gerade rapide in der Gunst des Publikums abgerutscht sind. Trotzdem hielt es Kapitänin Popp für eine „dämliche Frage“, ob die Frauen jetzt die Ehre des deutschen Fußballs retten müssten. Ihre Antwort: „Wir wollen insgesamt wieder zu einer Fußballmacht in der Welt werden.“ In Down Under geht es für Popp und Co. darum, nach 2003 und 2007 den dritten WM-Titel zu gewinnen.

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Im WM-Achtelfinale wartet wohl ein harter Brocken

Ein anderes Ziel wäre nach dem verlorenen EM-Finale gegen England für die Öffentlichkeit auch kaum vermittelbar gewesen. Das deutsche Frauen-Nationalteam steht in der aktuellen Fifa-Weltrangliste auf Platz zwei hinter Rekordweltmeister USA, der bei den letzten WM-Turnieren 2019 in Frankreich und 2015 in Kanada eindrucksvoll reüssierte, aber derzeit einen spannenden Erneuerungsprozess durchläuft.

Es ist allerdings kein Selbstläufer, dass Deutschland wieder weit kommt. Klar, die Gruppe mit Marokko, Kolumbien und Südkorea sollte kein Stolperstein sein, doch schon im Achtelfinale dürfte es gegen Frankreich oder Brasilien gehen. Nur wenn diese Hürde genommen wird, werden sich bei den am Vormittag oder zur Mittagszeit von ARD und ZDF übertragenen Spielen mitten in der Ferienzeit wirklich neue Zielgruppen vor dem Fernseher versammeln.

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Die EM hat im vergangenen Jahr zur Primetime Appetit gemacht: Eine verschworene Gemeinschaft, die leidenschaftlich kämpft, erfolgreich spielt – und unverbraucht rüberkommt. Der DFB kann auf solche Sympathieträgerinnen gar nicht mehr verzichten. Doch trotz der Rekordeinschaltquote von fast 18 Millionen TV-Zuschauerinnen und -Zuschauern beim Endspiel zahlt sich die Aufmerksamkeit (noch) nicht in barer Münze für den Verband aus. Während der Spielbetrieb und die Vermarktung der Männer-Nationalmannschaft im DFB-Haushalt 2021 ein Plus von 70 Millionen Euro einbrachte, war es bei den Frauen ein Minus von 3 Millionen Euro.

Internetriese Google unterstützt DFB-Frauen

Die Vermarktung hinkt noch hinterher. Bis vor zwei Jahren waren die Sponsorenverträge sogar direkt an die A-Nationalmannschaft der Männer geknüpft, die Frauen seien oft „reingeschoben“ worden, erklärte Holger Blask, Geschäftsführer der DFB GmbH. Erst mit der Auslagerung des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs Anfang 2022 entstand eine eigene „Produktwelt Frauenfußball“: Nach dem Haushaltsgerätehersteller Vorwerk und dem Internetriesen Google mit seiner Marke Google Pixel ist die Tamponmarke o.b. als Partner eingestiegen.

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Die wirtschaftliche Bedeutung der Frauen-Nationalelf werde zwangsläufig wachsen, versichert Blask, will aber keinen Zeitpunkt nennen, an dem die Gewinnzone erreicht werde. Die Fifa schüttet bei dieser WM zwar Rekordpreisgelder aus, aber von den 110 Millionen Dollar (umgerechnet 103 Millionen Euro) gehen 60 Prozent direkt an die Spielerinnen. Im Titelfall würde der DFB knapp 4 Millionen Euro erhalten. So wird auch diese WM noch mal ein „Investitionsprojekt“ (Blask) sein. Denn bei den Frauen ist das Team hinter dem Team fast genauso groß, sind die Rahmenbedingungen annähernd dieselben wie bei den Männern – und dementsprechend teuer. Auch da besteht inzwischen kein Unterschied mehr.

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