Jetzt in Wembley gegen England

Celler Nationaltorhüterin Merle Frohms: "Höhepunkt der Karriere"

Merle Frohms hat mit der deutschen Nationalmannschaft nach einem echten Fußballkrimi gegen Frankreich das Finale bei der Europameisterschaft erreicht. Wie die 27 Jahre alte Torhüterin aus Celle das packende 2:1 erlebt hat, mit wie viel Humor sie auf ihr Eigentor zum zwischenzeitlichen Ausgleich reagiert und warum sie sich vor dem Endspiel gegen England im Wembleystadion nicht verrückt machen wird. 

  • Von Christoph Zimmer
  • 28. Juli 2022 | 08:07 Uhr
  • 29. Juli 2022
  • Von Christoph Zimmer
  • 28. Juli 2022 | 08:07 Uhr
  • 29. Juli 2022
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Celle.

Die deutschen Fußballerinnen setzen ihre traumhafte Reise bei der EM fort. Im Halbfinale gegen Frankreich überragt Kapitänin Alexandra Popp. Im Endspiel von Wembley warten nun die Gastgeberinnen. Die Kapitänin erzielte beim 2:1 (1:1) im Halbfinale gegen Frankreich in Milton Keynes ihr fünftes und sechstes Tor im fünftes Turnierspiel. Damit fordert der Rekord-Europameister Deutschland in Londons legendärem Stadion am 31. Juli (18 Uhr MESZ/ARD und DAZN) Gastgeber England. Und auch Merle Frohms, die Nationaltorhüterin aus Celle, steht bei diesem Halbfinalkrimi mit einem Eigentor und spektakulären Paraden erneut im Mittelpunkt. „Die ganze Mannschaft hat überragend gekämpft. Was wir defensiv geleistet haben, wie wir uns reingehauen haben. Wir haben gefightet bis zum Schluss. Wir wollten es mehr, haben vorne unsere Tore geschossen und hinten konsequent verteidigt", sagte sie im ZDF.

Alexandra Popp mit Doppelpack - Eigentor von Merle Frohms

„Ich glaube das wird die Nacht noch brauchen, bis ich das realisiert habe", sagte Merle Frohms wenig später bei der ARD. "Nachher wenn ich alleine im Bett liege, werde ich das alles noch einmal Revue passieren lassen und Gedanken aufkommen lassen, was das jetzt wirklich heißt. Was wir bis hierher erreicht haben und was wir noch erreichen können.“

Vorfreude auf das Finale

"Nachher, wenn ich alleine im Bett liege, werde ich das alles noch einmal Revue passieren und Gedanken aufkommen lassen, was das jetzt wirklich heißt. Was wir bis hierher erreicht haben und was wir noch erreichen können.“

Merle Frohms, Nationaltorhüterin aus Celle

Finale vor 90.000 Fans im Londoner Wembleystadion

Vor 27.445 Zuschauern kassierte das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zwar den ersten Gegentreffer überhaupt im Turnier - ausgerechnet durch ein unglückliches Eigentor von Keeperin Merle Frohms (44.) nach der Führung durch Popp (40.), die in der zweiten Halbzeit per Kopf (76.) dann aber erneut für ausgelassenen Jubel bei der deutschen Mannschaft sorgte. 

Im bereits mit knapp 90.000 Fans ausverkauften Wembley-Stadion erwartet den zweifachen Weltmeister nun eine grandiose Kulisse. Die Lionesses träumen vom ersten internationalen Titel überhaupt, die deutschen Frauen vom neunten EM-Triumph.

Während sie das Interview in der ARD gab, stand Alexandra Popp nur wenige Meter entfernt. Auf die Leistung und die beiden Tore der Kapitänin angesprochen, sagte Frohms in der ARD: „Da fehlen mir die Worte. Es ist einfach unbeschreiblich, was Poppi hier abreißt und wie sie die Tore vorne macht." Nicht nur Popp, der gesamten Mannschaft attestierte sie eine starke Leistung. "Die gesamte Mannschaft wächst einfach über sich hinaus  bei dem Turnier. Was wir defensiv wieder alles abgeräumt haben, ist einfach unglaublich. Man spürt einfach, dass etwas ganz besonderes durch die Mannschaft geht und jetzt alles möglich ist.“

Über das Endspiel in Wembley sagte sie im ZDF: „Natürlich, mit Abpfiff kamen die Freudentränen. Es ist ein einmaliges Erlebnis. Vor dem Turnier hätten wir uns nicht ausgemalt, dass wir es bis ins Finale schaffen.“

"Ich habe gesagt, wenn wir den EM-Titel gewinnen, nehme ich auch zehn Gegentore in Kauf. Das ist mir relativ wurscht."

Merle Frohms über ihr Eigentor zum 1:1 gegen Frankreich

Merle Frohms nimmt Eigentor gegen Frankreich mit Humor 

Dass die deutsche Nationaltorhüterin ausgerechnet mit einem Eigentor ihren ersten Gegentreffer bei der Euro 2022 kassierte, bleibt nur eine Randnotiz. „Das ist mir relativ egal. Ich habe gesagt, wenn wir den EM-Titel gewinnen, nehme ich auch zehn Gegentore in Kauf", sagte sie mit einem breiten Grinsen in der ARD. "Das ist mir relativ wurscht." Der Zeitpunkt, kurz vor der Halbzeit, war dennoch unglücklich. "Das ist natürlich ärgerlich in dem Moment, so kurz vor der Halbzeit den Ausgleich zu kassieren. Aber ich denke, da kann ich auch wenig machen." Dem ZDF sagte sie dazu: "„In dem Moment ist es bitter. Es blieb mir nichts anderes übrig, als an den Ball zu gehen. Dass er an den Pfosten und an meinen Rücken springt, ist unglücklich und lässt sich nicht vermeiden. Das ist mir jetzt aber sowas von egal.“

Allerdings währte der Schmerz nicht lange, so Frohms in der ARD. "Ein noch größeres Kompliment an die Mannschaft, dass wir so rausgekommen sind und da weitergemacht haben, wo wir aufgehört haben in der ersten Halbzeit. Wir haben den Französinnen wenig Luft zum Atmen gegeben, haben versucht jede Situation zu unterbinden. Ich denke, das hat ihnen auch die Lust am Spielen genommen.“ 

Videobotschaft von Liverpool-Trainer Jürgen Klopp

Eine Videobotschaft von Jürgen Klopp hatte Voss-Tecklenburg noch in die Spielbesprechung einfließen lassen - und für zusätzliche Motivation gesorgt. "Jetzt weiß man, dass ich eine bestimmte Art von Fußball mag", sagte Liverpools Star-Trainer da. "Und dementsprechend könnt ihr euch vorstellen, dass ich euren Fußball liebe."

Merle Frohms vor Finale: Müssen uns nicht verrückt machen

Nach dem Finaleinzug war die Erleichterung riesig. Und die Vorfreude auf das Duell mit den Gastgeberinnen aus England vor 90.000 Fans auch. „Das werden wir uns alle erstmal bewusst machen, was da auf uns zukommt. Was für eine Größe das am Ende dann auch hat", sagte Frohms der ARD. "Es ist wahrscheinlich ein Erlebnis, das in naher Zukunft nicht wiederkommt. Für einige von uns ist das sicherlich der Höhepunkt der Karriere." Angst hat sie aber nicht. Ganz im Gegenteil. "Aber letztendlich ist es auch nur ein Fußballspiel wie jedes andere. Verrückt machen müssen wir uns nicht.“