Vorfreude aufs EM-Finale

Merle Frohms: „Familie als Ausgleich zum Hype“

Am Sonntag steht die aus Celle stammende Torhüterin Merle Frohms im Finale der Fußball-Europameisterschaft. Im CZ-Interview blickt sie auf das Highlight im Wembley-Stadion und erklärt, welchen Anteil ihre Familie an ihrer Karriere hat.

  • Von Lisa Brautmeier
  • 29. Juli 2022 | 17:00 Uhr
  • 29. Juli 2022
  • Von Lisa Brautmeier
  • 29. Juli 2022 | 17:00 Uhr
  • 29. Juli 2022
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Celle.

Fast 90.000 Fans werden im Wembley-Stadion erwartet: So etwas hat es bei einer Fußball-Europameisterschaft der Frauen noch nie gegeben. Und die gebürtige Cellerin Merle Frohms ist als Torhüterin der deutschen Nationalmannschaft am Sonntag dabei, wenn es um 18 Uhr gegen England um den Titel geht. Im Interview mit CZ-Redakteurin Lisa Brautmeier spricht sie über ihre Celler Familie, wie sie ihr erstes EM-Gegentor weggesteckt hat und blickt voller Vorfreude auf das Finale.

Frau Frohms, herzlichen Glückwunsch zum Finaleinzug. Haben Sie mittlerweile realisiert, was das Team bereits erreicht hat?

Ganz so viel Schlaf gab es in der Nacht nach dem Halbfinale nicht. Von daher hatte ich in den Stunden schon genügend Zeit, um mir vorzustellen, wie es sein wird, im Wembley-Stadion zu spielen und zu realisieren, was für eine große Chance wir jetzt haben.

Nach dem 2:1 im Halbfinale gegen Frankreich wurde es sehr emotional. Bei Ihnen flossen ein paar Tränen. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Es war pure Erleichterung. Natürlich wussten wir vorm Halbfinale, dass wir schon viel erreicht hatten und stolz auf uns sein können, aber wenn man so kurz vorm Finale steht, dann möchte man den letzten Schritt auch noch gehen. Gerade die Schlussminuten waren dann noch einmal besonders anstrengend, weil die Französinnen natürlich alles nach vorne geworfen haben. Von daher ist mit dem Schlusspfiff einfach einiges abgefallen.

Das Gegentor fiel äußerst unglücklich, der Ball sprang von Ihrem Rücken ins Tor. Haben Sie lange gebraucht, den Rückschlag abzuhaken?

Nein, tatsächlich nicht, weil ich wusste, dass wir noch 45 Minuten haben und gut im Spiel sind. Weder mir noch der Mannschaft wäre geholfen, wenn ich da groß anfange zu hadern. Das war auch ein Tor, das man nicht vermeiden kann. In dem Moment kommt es auch auf die mentale Stärke an und darauf, das Tor einfach abzuhaken und der Mannschaft ein gutes Gefühl zu geben.

Ihre Familie saß in Celle vorm Fernseher und hat mitgefiebert. Wie waren die Reaktionen nach dem Finaleinzug?

Klar kamen nach dem Spiel direkt Glückwünsche und sie freuen sich alle aufs Finale. Die engste Familie kommt auch ins Stadion.

Wie groß ist der Anteil Ihrer Familie daran, wie weit Sie es in Ihrer Karriere geschafft haben?

Natürlich sehr groß. Das fing ja schon früh an, als meine Familie mit auf den Bolzplatz oder zu allen möglichen Spielen gefahren ist. Aber auch, als es professioneller wurde, waren sie immer da und haben mich unterstützt. Sie kamen so oft es ging in die Stadien, aber ohne mir Druck zu machen. Sie haben sich über jeden Erfolg gefreut, waren aber auch bei jedem Misserfolg für mich da. Von daher bietet meine Familie einen sehr guten Ausgleich zu dem Hype, der drumherum entsteht.

Jetzt geht es im Wembley-Stadion gegen England. Was erwarten Sie da für eine Atmosphäre?

Ich glaube, das wird ein einmaliges Erlebnis. Wir konnten ja 2019 schon ein bisschen erahnen, was es bedeutet, im Wembley-Stadion vor fast ausverkauftem Haus zu spielen, aber ich denke, dass wird jetzt noch mal eine Nummer größer. Das ist eine Europameisterschaft, England steht als Gastgeber im Finale und der Großteil wird gegen uns sein. Von daher müssen wir uns auch mental darauf einstellen. Aber wir freuen uns einfach mega auf dieses Spiel.

England hat bei dieser EM bereits 20 Tore in fünf Spielen erzielt. Was stimmt Sie zuversichtlich, die Engländerinnen in den Griff zu bekommen?

Wir haben in den vergangenen fünf Spielen gezeigt, dass wir konsequent und kompromisslos verteidigen und uns in alles reinwerfen, was da kommt. Wir haben so gut es ging schon vorne die Chancen verhindert und den Ball so weit wie möglich von unserem Tor weghalten. Von daher denke ich, dass wir England auch vor Probleme stellen werden.