TuS Celle 92

Rajat Hubli führt Regionalliga-Team an

Ein Inder ist die neue Nummer 1 beim Tischtennis-Regionalligisten TuS Celle 92. Und Rajat Hubli hat mit seinem neuen Team einiges vor.
  • Von Lisa Brautmeier
  • 03. Juli 2022 | 17:10 Uhr
  • 03. Juli 2022
  • Von Lisa Brautmeier
  • 03. Juli 2022 | 17:10 Uhr
  • 03. Juli 2022
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Celle.

Als neue Nummer eins peilt Rajat Hubli nächste Saison mit dem TuS Celle 92 den Aufstieg in die dritte Liga an. Der Tischtennisspieler bringt reichlich Erfahrung mit – unter anderem hat er mehrere Jahre in Frankreich gespielt. Seit 2019 lebt er in Berlin und wird nun erstmals für einen deutschen Verein an der Platte stehen.

Arne Hölter lockt Rajat Hubli nach Celle

Damit wird Hubli neben Arne Hölter der zweite Spieler des Regionalligisten sein, der von Berlin aus zu den Spielen nach Celle fahren wird. Beide haben sich kurz nach Hublis Umzug nach Berlin kennengelernt und trainieren oft zusammen. So kam der Kontakt zum TuS zustande. Und der Neuzugang war sofort vom Verein überzeugt: „Viele Spieler sind sehr jung und motiviert. Und den Aufstieg als Ziel rauszugeben ist meiner Meinung nach sehr wichtig, damit die jungen Menschen fokussiert und ambitioniert bleiben“, sagt er.

Erst Cricket - dann Tischtennis

Der 34-Jährige ist in Indien geboren und hat dort zunächst Cricket gespielt. „Wie fast alle anderen auch, die dort aufwachsen“, sagt er lachend. Aber die Regenzeit von Juni bis September macht Sportarten im Freien für vier Monate unmöglich. Daher begann er mit elf Jahren, Tischtennis zu spielen. Nach seinem Schulabschluss überlegte er, zum Studium ins Ausland zu gehen. Während es viele Inder in die Vereinigten Staaten zog, entschied sich Hubli für Europa. Auch weil er weiter Tischtennis spielen wollte und die Bedingungen dafür in Ländern wie Frankreich oder Deutschland einfach besser sind.

In Frankreich in der 3. Liga

So kam Hubli 2009 nach Frankreich und machte seinen Master-Abschluss in Informatik. Zuletzt spielte er für den französischen Club ASPTT Romans, der in seiner ersten Saison gleich in die dritte Liga aufstieg und sich dort etablieren konnte. Die dritte Liga ist in Frankreich fast so stark wie die zweite. Das liegt daran, dass EU-Ausländer ein Doppelstartrecht haben und nicht nur in ihrem Heimatland, sondern auch in Frankreich spielen dürfen. Allerdings nicht in der ersten und zweiten Liga. So spielen viele ausländische Topspieler in der dritten Liga.

20 Dollar für eine Stunde Tischtennis

Beruflich zog es Rajat Hubli 2015 nach Boston, als sein Arbeitgeber ihm die Möglichkeit gab, in Amerika neue Erfahrungen zu sammeln. Dort spielte er vor allem auf Turnieren, denn anders als in vielen europäischen Ländern ist Tischtennis in den Vereinigten Staaten, aber auch in Indien, privatisiert und weniger öffentlich. „Wenn ich trainieren wollte, musste ich in den USA einen Tisch für eine Stunde buchen und 20 Dollar zahlen, um zu spielen“, sagt Hubli. Diese Privatisierung hat die Folge, dass es dort weniger gute Clubs, Spieler und Trainer gibt als in Frankreich oder Deutschland. Zudem musste er in Boston bis zu 20 Kilometer fahren, um zu trainieren. In Berlin sind es nur zwei Kilometer.

Kontaktfreudiger Neuzugang

Hublis Beruf in der IT-Abteilung des Unternehmens „Helle Fresh“ führte ihn in die deutsche Bundeshauptstadt. Und egal, in welchem Land er bisher war: Der 34-Jährige fühlte sich immer schnell heimisch. „Als Sportler war es super einfach, sich in den Ländern einzuleben“, sagt er und berichtet, dass er immer schnell mit anderen in Kontakt gekommen sei – auch in Berlin mit den vielen internationalen Einwohnern, mit denen er auch auf Englisch sprechen kann. Zwar lernt er auch Deutsch, aber er braucht es nicht, um in der Stadt zurechtzukommen. „Ich mag Berlin sehr. Es gibt nichts, was ich dort nicht mag. Es ist einer der besten Orte für mich zum Leben und beruflich, speziell im Technik-Sektor“, sagt Hubli.

Die Vorhand als Paradeschlag

Was er an Deutschland auch sehr schätzt, ist, welchen Stellenwert sein Sport hierzulande hat. „Tischtennis wird sehr ernst genommen, das mag ich wirklich“, sagt Hubli, dessen Spielstil sich von dem der meisten europäischen Spieler stark unterscheidet. Hier wird bei der Ausbildung viel Wert darauf gelegt, dass die Spieler alles etwa gleich gut beherrschen – ob Vorhand, Rückhand, das Spiel weiter weg oder dicht an der Tischtennisplatte. „In Indien, aber auch in Afrika, sind Spieler eher eindimensional“, sagt Hubli. Er selbst spielt fast ausschließlich mit der Vorhand. „Das hat seine Vor- und Nachteile“, weiß er. Zum einen sind seine Gegner vielleicht nicht auf diesen Spielstil eingestellt, zum anderen könnten sie aber ihre Strategien anpassen, weil sie wissen, dass er auf einer Seite schwächer ist.

Mentor für die jungen Spieler

In Celle hofft Rajat Hubli, seine Stärken gut ins Team einbringen zu können. Gleichzeitig möchte er auch als Mentor für die vielen jungen Spieler fungieren und betont: „Ich freue mich, meine Tischtennis-Ambitionen in Deutschland weiterverfolgen zu können.“ Und vielleicht läuft seine Premierensaison ja ähnlich erfolgreich wie damals bei seinem französischen Club, als sofort der Aufstieg in die dritte Liga gelang.