Titel und Rekorde

Celler Kraftsportler räumen bei Deutscher Meisterschaft ab

Titelgewinn und neuer deutscher Rekord. Die Celler Kraftsportgruppe „Lifting Antz“ war bei den Deutschen Meisterschaften sehr erfolgreich. So geht es weiter.

  • Von Katharina Jäger
  • 21. Juli 2022 | 14:30 Uhr
  • 27. Juli 2022
  • Von Katharina Jäger
  • 21. Juli 2022 | 14:30 Uhr
  • 27. Juli 2022
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Celle.

Blaues Handtuch als Unterlage, sich auf den Rücken legen und mit beiden Händen die Stange der Langhantel über sich greifen – etwa schulterbreit: Das ist die Ausgangsposition, wenn Cäcilia Lang im Fitnessstudio das Bankdrücken, eine Kraftsportart, trainiert. Hochkonzentriert, die Beine im 90-Grad-Winkel fest auf dem Boden stehend, drückt sie die Stange nach oben.

Titel und neuer deutscher Rekord für 70-Jährige aus Beedenbostel

Heute sind es nur 20 Kilogramm, bei den Deutschen Meisterschaften der German Drug Free Powerlifting Federation (GDFPF) in Halle an der Saale drückte sie 37,5 und im vierten Versuch sogar 38,5 Kilogramm – ein neuer deutscher Rekord in der Altersklasse M7 (70 bis 74 Jahre) in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm Körpergewicht. Und nicht nur das: Auch im Kreuzheben holte sich die 70-Jährige aus Beedenbostel den Titelgewinn und wurde mit 105 Kilogramm ebenfalls neue Rekordhalterin.

Cäcilia Lang: Dreimal Training und eine eher vegane Ernährung

Diese Erfolge kommen natürlich nicht von allein. Lang trainiert dreimal in der Woche und achtet auf ihre Ernährung: „Ich esse wenig Fleisch, eher vegan, viel Obst und Gemüse, Vitamine und Eiweißprodukte.“ Einen individuellen Trainingsplan hat sie auch.

Kreuzheben-Leistungssportler Lars Steinborn als Trainer im Celler Clever Fit

Ihren Trainer Lars Steinborn lernte die 70-Jährige vor zwei Jahren im Fitnessstudio in Lachendorf kennen. Seit der Eröffnung des Clever Fit arbeitet der 56-Jährige – selbst noch im Kreuzheben-Leistungssport aktiv und Deutscher Meister und Rekord-Knacker – nun als Leistungssport-Krafttrainer in Celle. Lang betreut er auch weiterhin – meist übers Telefon und zugeschickte Trainingspläne, da sie überwiegend in Lachendorf trainiert. Doch sobald die Wettkampfphase beginnt, ändert sich das. „Dann sehen wir uns alle öfters“, erklärt Steinborn

Neu entstandene Kraftsportgruppe in Celle

Neben Lang gehören auch vier weitere Athletinnen zu den „Lifting Antz“ – so der Mannschaftsname der neu entstandenen Gruppe. Eine davon ist die 19-jährige Leonie Weiß. Sie fällt insbesondere durch ihren Fleiß und Ehrgeiz auf. Und sie gibt niemals auf.

Leonie Weiß stieß erst kurz vor den Meisterschaften zum Team dazu

Weiß war nicht von Anfang an Mitglied des Heberinnen-Teams, sondern stieß erst vier Wochen vor den Deutschen Meisterschaften dazu. Steinborn hatte sie in einem Probetraining im Clever Fit und dachte, leistungsmäßig passe das. „Ich habe sie noch am selben Abend angerufen und gefragt, ob sie den Kraftsport wettkampfmäßig betreiben will“, erinnert sich der Kraftsporttrainer. Er habe mit seinen 39 Jahren Erfahrung ein Auge für Menschen, die in diesem Bereich Potenzial haben und auch den Willen zum Trainieren mitbringen. Vorher machte Weiß es nur als Hobby nebenbei – sie sagte zu. Gemeinsam haben sie an ihrer Technik gearbeitet. „Sie hat gerade noch so das Ticket für die Meisterschaft gelöst“, erzählt Steinborn. Und sofort wurde sie im Kreuzheben in der JK III (18-19 Jahre) bis 90 Kilogramm Deutsche Meisterin und mit 110 Kilogramm neue Rekordhalterin.

Als Kraftsport-Anfängerinnen zu den Deutschen Meisterschaften

Während es für Lang bereits die zweite Deutsche Meisterschaft war, nahm Weiß zum ersten Mal teil. „Ich war ziemlich aufgeregt“, beschreibt sie die damalige Situation. „Es war etwas Neues, das ich noch nicht kannte.“ Die anderen drei aus dem Team – Marie-Sofie Runge, Emilia Wrzecziono und Josefine Oehlmann – waren ebenfalls unerfahren. Sie waren insgesamt noch Anfängerinnen im Kraftsportbereich, haben aber ebenfalls im Kreuzheben in ihrer Alters- und Gewichtsklasse den Titel geholt und einen neuen deutschen Rekord aufgestellt.

Deutsche Meisterschaft 2023 fest im Visier

Nächstes Jahr werden alle Erfahrung haben. Bereits jetzt wird für die nächsten Deutschen Meisterschaften im April 2023 hingearbeitet. Die Ziele sind bereits gesteckt. „Die Mädchen sollen noch eine weitere Disziplin trainieren – das Bankdrücken – oder auch die Kniebeugen.“ Darüber hinaus wünscht er sich, dass seine Schützlinge die Qualifikation für die Europameisterschaft schaffen. „Alle sollen die nächste Stufe erklimmen.“

Außerhalb der Wettkampfphase findet Grundlagentraining statt

Doch bevor es so weit ist, wird erstmal etwas ruhiger begonnen. Grundlagentraining wie Rumpfstabilisierung steht auf dem Programm. Sobald es in die Wettkampfphase geht, wird das Training intensiver. Die Athletinnen müssen in der Zeit darauf achten, dass sie das entsprechende Gewicht für die Klasse erreichen, in der sie starten. Insgesamt achtet Steinborn aber immer auf eine gute Balance zwischen Be- und Entlastung. „Eine gute Trainingssteuerung ist das A und O.“ Alles ziele auf den einen Moment hin: die Deutsche Meisterschaften, wo seine Mannschaft ihre Höchstleistung abrufen muss. Genau dafür trainiert Lang dreimal im Fitnessstudio – auf dem Rücken liegend und die Stange der Langhantel nach oben drückend.