Quer durch Deutschland

So lief die Olympia-Rallye für die Celler Teilnehmer

6 Tage, 2252 Kilometer und 196 Starter. Eine körperlich anstrengende und sehr emotionale Rallye ging zu Ende. So erlebten die Celler Teilnehmer das Olympia-Revival.

  • Von Lisa Brautmeier
  • 18. Aug. 2022 | 11:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
  • Von Lisa Brautmeier
  • 18. Aug. 2022 | 11:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
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Celle.

Erschöpft, aber glücklich – so kamen die Teilnehmer beim Revival der Olympia-Rallye ins Ziel. Sechs Tage fuhren sie von Kiel nach München. „Wir haben uns den Hintern plattgesessen und das Kreuz war krumm. Aber es war wunderschön“, sagt der Langlinger Teilnehmer Jürgen Kornrumpf. Auch für Frank Reimann aus Celle und seinen Bruder Peter Petersmann war die Rallye ein besonderes Erlebnis. „Als wir am Ziel ankamen, hatten wir sogar ein paar Tränchen in den Augen“, so Reimann.

Alle Ziele erreicht

Für die beiden Brüder stand das Sportliche nicht so sehr im Fokus, trotzdem haben sie ihre Ziele übertroffen. „Wir wollten ankommen, maximal Spaß haben und in der ersten Hälfte landen. Das haben wir geschafft“, so Reimann, denn sie landeten mit Platz 62 in der Gesamtwertung sogar im vorderen Drittel. Zudem belegten sie Rang 23 in ihrer Klasse für Rallye-Autos.

Sportlich hatte sich Kornrumpf so einiges vorgenommen, konnte seine eigenen Erwartungen aber nicht komplett erfüllen. Am Ende wurde er von 196 Startern 55. und belegte Rang zehn in seiner Klassenwertung für Oldtimer der Baujahre 1950 bis 1972. „Wir wussten von vorneherein, dass die Süddeutschen gewinnen würden“, sagt Kornrumpf. Denn die Prüfungen auf der Strecke entsprachen eher denen der Rallyes, die im Süden gefahren werden.

Ärger über Vollelektronik

So gab es nur wenige Orientierungsprüfungen, bei denen Kontrollstationen abgefahren werden mussten. Fehler bei diesen Aufgaben wurden nur mit zweieinhalb Strafpunkten belegt und nicht wie angekündigt mit fünf. Geändert wurde dies nach dem Protest der Teilnehmer aus Süddeutschland. Diese fuhren zudem oftmals mit Vollelektronik, womit sie einen klaren Vorteil gegenüber denjenigen hatten, die mit Stoppuhr Zeiten und Geschwindigkeit berechneten. Diese Messung per Hand macht normalerweise den Reiz von Oldtimer-Rallyes erst aus.

Platz fünf in der 2. Tageswertung

„Es gab viele Aufgaben, die wir im Norden so eher nicht kennen“, sagt auch Reimann, der mit Petersmann nach der zweiten Etappe sogar Platz fünf von allen Teams in der Tageswertung belegte. „Da hat uns dann der Ehrgeiz gepackt, aber leider folgten zwei knüppelschwere Etappen“, sagt der Celler. Vor allem die Fahrt von Köln nach Speyer hatte es in sich. Dort gab es unter anderem eine Gleichmäßigkeitsprüfung, in der erst eine Geschwindigkeit von 42, dann 34, dann wieder 42 Kilometern pro Stunde gefahren werden musste. Dieser Wechsel zwischendrin ist eher ungewöhnlich.

Die Fahrer bekamen jeden Tag ein Bordbuch mit je 90 Seiten, auf denen Hinweise zu Strecken und Wertungsprüfungen standen. Nicht immer waren die Wege so übersichtlich, wie sie auf den Karten zunächst wirkten. „Auf der Draufsicht waren die Wege noch gut zu erkennen, aber als wir dann an dem Ort waren, waren überall Bäume. Für den Beifahrer war es daher gar nicht so einfach, die richtigen Abzweigungen zu finden. Ich bin teilweise mit quietschenden Reifen um die Kurve gefahren, weil ich dachte, ich wäre zu langsam unterwegs“, so Kornrumpf.

Im Stadion die Runden gedreht

Neben den normalen Strecken durften die Teilnehmer auch auf die Sandbahn in Plattling. Das war aber freiwillig. „Das war mein persönliches Highlight. Mein Bruder hat unseren Audi Quattro richtig fliegen lassen“, sagt Reimann, denn dort konnten sie im voll besetzten Stadion zwei Runden drehen. Nicht nur das Stadion war gut besucht. „Schön war, dass die Strecke immer von Zuschauern gesäumt war“, freut sich Kornrumpf. Auch Petersmann und Reimann waren von der Atmosphäre begeistert. Die Zuschauer saßen teils beim Grillen zusammen, oder hatten mit Paletten Tribünen gebaut und johlten, sobald die Fahrzeuge vorbeikamen. „Wir hatten regelmäßig Gänsehaut“, so Reimann.

Nachts geschraubt

Die Brüder hatten Glück, dass sie sich dafür entschieden hatten, von einem Service-Team begleitet zu werden, denn in Speyer musste nachts tatsächlich drei Stunden lang am Wagen gearbeitet werden, als sich Schrauben gelöst hatten. „Sonst wären wir sicher nicht in München angekommen“, ist sich Reimann sicher. „Das Ankommen war unser größtes Ziel. 50 Kilometer vor Schluss haben wir gesagt, zur Not schieben wir den Wagen ins Ziel.“ Beide waren froh, dass sie das aber nicht mussten.