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Adnan Dushaku aus Celle will als Breakdance-Bundestrainer zu Olympia 2024

Er ist Weltmeister und Weltrekordhalter im Breakdance, jetzt will er als Trainer eine olympische Medaille holen und die französische Hauptstadt aufmischen: Der in Celle aufgewachsene Adnan Dushaku alias Lil Amok wurde als Bundestrainer für die neue Tanzdisziplin Breaking ausgewählt. Sein großes Ziel: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris.

  • Von Lisa Brautmeier
  • 02. Dez. 2022 | 09:07 Uhr
  • 08. Dez. 2022
Als Breaking-Bundestrainer ist Adnan Dusahku für den akrobatischen Teil zuständig.
  • Von Lisa Brautmeier
  • 02. Dez. 2022 | 09:07 Uhr
  • 08. Dez. 2022
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Celle.

Zwei Tänzer stehen sich gegenüber – sie versuchen, sich immer im Wechsel zu übertrumpfen. Wer hat die besten Tricks? Wer ist am kreativsten? In den Battles treffen die unterschiedlichsten Stile aufeinander. Eine Jury entscheidet, wer als Sieger hervorgeht. Beim Breaking, auch oftmals Breakdance genannt, verbindet sich Tanz mit akrobatischen Elementen. In Paris bekommt dieser Sport 2024 die ganz große Bühne: Breaking wird olympisch. Und der in Celle aufgewachsene Adnan Dushaku ist als Trainer ausgewählt worden, um die deutschen B-Girls und B-Boys nach Paris zu bringen.

„Davor hatte ich keine Kinder in meinem Alter gesehen. Ich hatte keine Vergleichsmöglichkeiten.“

Adnan Dushaku alias Lil Amok

Mit dem Battle of the Year in der CD-Kaserne in Celle fing alles an

Dushaku, auch bekannt als Lil Amok, fing 1999 in Celle an zu tanzen. Nur ein Jahr zuvor hatte das „Battle of the Year“, ein großer internationaler Wettkampf, dort stattgefunden. Dieses Event hat ihn geprägt. Damals gab es noch eine riesige Breaking-Szene in Celle, die sich vor allem in der CD-Kaserne traf. Im Jahr 2000 gewann Dushaku mit nur neun Jahren seinen ersten Wettbewerb. Da hat er selbst gemerkt, wie gut er war. „Davor hatte ich keine Kinder in meinem Alter gesehen. Ich hatte keine Vergleichsmöglichkeiten“, sagt er. Anschließend richtete Dushaku seinen Fokus immer mehr aufs Tanzen – mit Erfolg.

Adnan Dushaku ist auch als Creative Director tätig. Er wirkte am Video "Tilidin Weg" von Bonez MC mit, das den Hip-Hop Award für das Beste Video National ergatterte.

Er war mit der Berliner Gruppe „Flying Steps“ auf Tour, hatte Auftritte in großen Stadien, holte den Titel als Weltmeister und war an vielen Musikvideos beteiligt. Als Dance Director hat er am Video für den Song „Tilidin weg“ von Bonez MC mitgewirkt. Dieses gewann 2020 den Hip-Hop Award in der Kategorie Bestes Video National.

„Es ist wichtig, die Motivation nicht zu verlieren, da es Tricks gibt, die man eineinhalb Jahre übt, bis man sie beherrscht.“

Adnan Dushaku

Als Akrobatik-Coach Teil des deutschen Teams für Olympia in Paris

Jetzt erwartet ihn wieder eine neue Aufgabe. In Berlin hat er bereits Erfahrungen als Trainer gesammelt. Nun ist er auch für die Tänzer des Bundeskaders zuständig. Dushaku ist Teil eines vierköpfigen Trainerteams. Der 31-Jährige kümmert sich um den akrobatischen Teil. Daneben spielen auch Fitness und die richtige Einstellung eine große Rolle. „Es ist wichtig, die Motivation nicht zu verlieren, da es Tricks gibt, die man eineinhalb Jahre übt, bis man sie beherrscht“, erklärt Dushaku.

Adnan Dushaku ist in der Breaking-Szene besser bekannt als Lil Amok.

Die Herausforderung als Trainer ist es, auf jeden individuell einzugehen. „Jeder bringt andere Talente mit. Es wird zu unterschiedlicher Musik getanzt, jeder kann seine Kultur einbringen“, erklärt Dushaku. Genau das macht Breaking so spannend. „Das ist nicht wie Ballett“, so der Coach. Bewegungen sollen nicht alle gleich ausgeführt werden. Individualität ist viel wichtiger.

Breaking ist der offizielle Begriff. Aber ich spreche auch oft von Breakdance, weil ich den anderen Begriff meist erst erklären muss.“

Adnan Dushaku

Breakdance als Sportart soll weg vom Straßenimage

Mit der Aufnahme ins olympische Programm hoffen die Tänzer, endlich das Straßenimage loszuwerden. „Davon kamen wir lange nicht weg, obwohl alles längst viel professioneller geworden ist“, sagt Dushaku. Breaking hat in den Vereinigten Staaten auf den Straßen angefangen. Den Begriff „Breakdance“ nutzen die Tänzer im Übrigen selten selbst, da dieses Wort von den Medien erfunden worden ist. „Breaking ist der offizielle Begriff. Aber ich spreche auch oft von Breakdance, weil ich den anderen Begriff meist erst erklären muss“, sagt Dushaku.

Beim Breaking treffen unterschiedliche Kulturen aufeinander. Jeder hat seinen eigenen Tanzstil.

Bei den Olympischen Spielen werden die Tänzer gegeneinander antreten, eine Jury entscheidet, wer weiterkommt. Wie diese Entscheidung genau abläuft, ist noch nicht bekannt. Es wird voraussichtlich verschiedene Wertungskriterien geben, wie zum Beispiel Rhythmusgefühl, Kreativität oder Schwierigkeitsgrad. Laut dem Internationalen Olympischen Komitee soll es zwischen März und Juni 2024 eine Qualifikationsserie geben, die in Form von Festivals durchgeführt wird.

„In Großstädten hat man zwar mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Ablenkung."

Adnan Dushaku

Bundeskader wird für Olympische Spiele neu strukturiert

Die besten Tänzer kommen aus den Vereinigten Staaten, Südkorea, Japan, Russland und Frankreich. Dort gibt es die meisten Events, die meiste Förderung. Hierzulande ist Breaking Teil des Deutschen Tanzsportverbands (DTV). Der Bundeskader wird zurzeit neu strukturiert. Die Zusammensetzung wird nun durch Punkte ermittelt, die bei Wettkämpfen vergeben werden. Die besten 16 Tänzer kommen in den Kader.

Bei der Wahl der Trainer für die Mission Olympia ging an Dushaku kein Weg vorbei. Er bringt nicht nur jahrelange Erfahrung mit, sondern ist auch weltweit einer der bekanntesten deutschen Breaker. Die Bindung nach Celle besteht dabei weiterhin, seine Familie lebt noch hier. Viele Celler haben ihn geprägt, vor allem sein Trainer Murat Karababa und Rauf Yasit alias RubberLegz, der mit ihm zu den „Flying Steps“ ging. Celle war für beide perfekt, um mit Breaking anzufangen. „In Großstädten hat man zwar mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Ablenkung“, sagt Dushaku. In Celle konnte er sich ganz aufs Tanzen konzentrieren, sich immer mehr austesten, immer besser werden. Jetzt hilft er anderen, ihr Bestes aus sich herauszuholen. Im Optimalfall geht es dann 2024 nach Paris.

Hinweis der Redaktion

Der Text wurde erstmals am 30. April 2022 um 16 Uhr auf unserer Internetseite veröffentlicht.