Leichtathletik: Masters-WM

Ted Spitzer sprintet unter die Top 10

In der Vorbereitung lief nicht alles glatt. Und auch bei der WM lief nicht alles nach Plan. Letztlich war Leichtathlet Ted Spitzer dennoch zufrieden.

  • Von Uwe Meier
  • 12. Juli 2022 | 18:15 Uhr
  • 13. Juli 2022
  • Von Uwe Meier
  • 12. Juli 2022 | 18:15 Uhr
  • 13. Juli 2022
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Celle.

Elf Tage lang kämpften mehr als 1100 Athleten bei den World Masters Athletics, den Weltmeisterschaften der Leichtathleten im Alter über 35 Jahren, in drei verschiedenen Stadien im finnischen Tampere um gute Zeiten und Titel. Aus Deutschland waren insgesamt 321 Athleten dabei. Einer von ihnen war Ted Spitzer vom MTV Eintracht Celle, der in der Altersklasse M55 über 200 und 400 Meter gemeldet war. Sein bestes Ergebnis erzielte der 58-Jährige über die 400 Meter, bei der er den neunten Platz erreichte. Im Medaillenspiegel belegte Deutschland Platz zwei hinter Finnland und vor den USA und Großbritannien.

Vorbereitungen verlaufen nicht nach Plan

Die Vorbereitungen waren für Spitzer nicht unbedingt nach Plan verlaufen. Verletzungen und Krankheit hatten den Celler immer wieder zurückgeworfen. „Das war wirklich nicht rosig“, sagt er selbst. Von Juli bis Ende Oktober des vergangenen Jahres plagten ihn starke Achillessehnenprobleme. Als es wieder richtig loslegen konnte, stoppte ihn im November ein Muskelfaserriss in der Wade, dem im Dezember ein Muskelbündelriss folgte. Erst Ende Januar konnte dieser wieder belastet werden. „Dazu hatte ich fast den gesamten Dezember und Januar im rechten Bereich des oberen Rückens und in der Schulter Muskelaussetzer durch ein Nervenproblem“, erzählt Spitzer über seinen verletzungsbedingten Leidensweg in der Vorbereitung.

Doch damit nicht genug: Als er Ende Februar wieder voll trainieren konnte und es „richtig aufwärts ging“, folgte der nächste Rückschlag. Von Mitte bis Ende April bremste Spitzer eine Corona-Infektion aus. „Die hat mich allerdings nur leicht aus der Bahn geworfen. Ich konnte anschließend alles relativ schnell wieder hochfahren.“ Seit Mitte Mai ging es ihm top.

Kaputte Spikes kurz vor dem WM-Start

Doch gänzlich ohne Probleme verlief die weitere Vorbereitungen nicht. Eine Woche vor der Weltmeisterschaft brach ihm bei einem Wettkampf in Deutschland eine Sohle von einem seiner Spikes. In der Kürze der Zeit war ein Ersatz für die Spezialschuhe nicht mehr zu beschaffen. „Es ist allerdings so, dass ich trotz einer gebrochenen Sohle mit diesen Schuhen immer noch schneller laufen kann als mit einem „Standard Spike“, sagt Spitzer, der davon zur Reserve dabeihatte, auf einen Einsatz aber verzichtete.

„Den 200 Meter Lauf habe ich mit einem laut knackenden Schuh mit durchgebrochener Sohle absolviert“, erzählt der Celler Leichtathlet, der den direkten Einzug ins Halbfinale um 0,72 Sekunden verpasste. Mit 26,16 Sekunden war er aber mit Abstand der schnellste deutsche WM-Teilnehmer seiner AK, was ihm die Eintrittskarte für die 100 Meter-Staffel einbrachte.

"Leihschuhe" für die 400-Meter-Läufe

Für seine beiden 400 Meter Läufe hat ihm freundlicherweise sein „Raumteiler“ des Hotelzimmers, Thorsten Poschwatta, seine „alten guten“ Spikes vom gleichen Typ gegeben. Dadurch lief es für ihn im wahrsten Sinne des Wortes besser. In seinem Vorlauf wurde er Dritter. Die beiden Erstplatzierten qualifizierten sich direkt für das Halbfinale, zusätzlich die vier Zeitschnellsten. Spitzer hatte mit 57,04 Sekunden die beste Zeit und war damit dabei. Im Halbfinale legte er noch ein paar Zehntel zu (56,51). Es wurde der sechste Platz aber „nur“ die neuntschnellste Zeit insgesamt. Für den Finaleinzug fehlten Spitzer 0,35 Sekunden. „Doch mit Platz neun in der Gesamtwertung bin ich unter den Top 10 der Welt. Das ist ein Riesenerfolg“, meinte der Leichtathlet. Mit seiner Halbfinalzeit war er nur wenige Zehntel langsamer als seine Saisonbestzeit von 56,16 Sekunden. Damit hatte er zugleich einen Startplatz in der 400 Meter-Staffel sicher.

Viele Ausfälle vor dem Staffelstart

Doch ohne Probleme verliefen auch die Staffelstarts nicht. „Eigentlich wollten wir bei der WM mit unseren beiden deutschen Staffeln (100 und 400 Meter) in dieser Altersklasse gut abschneiden“, so Spitzer. Doch nachdem drei starke Läufer aufgrund von Verletzung und Corona die WM absagen mussten, blieb nur er als schneller Läufer übrig. Und weil neben ihm zwei weitere Läufer für die 100 Meter-Staffel zur Verfügung standen, war eine Absage unausweichlich.

Für die 400 Meter-Staffel sah es bezüglich Qualität auch nicht gut aus. Zwar hatte man drei Tage vor dem Lauf noch genügend Starter. Dann aber schlug Corona zu. Jeden Tag gab es mindestens einen neuen Coronafall innerhalb der deutschen Läufergruppen zwischen 55 und 65 Jahren. Stündlich wurde umdisponiert. „Zwei Stunden vor Laufbeginn gab es den nächsten Coronafall. Wie auch immer – wir haben vier Läufer, gemischt aus 55er, 60er und 65er, an den Start gebracht und sind durchgelaufen – mit dem Ergebnis von Platz fünf.“

Es hätte durchaus mehr werden können. „Mit einer deutschen Staffel, so wie sie ursprünglich in den Startlisten stand, hätte man nicht nur Bronze, sondern Gold gewinnen können, zumal die Siegerzeit nichts Exorbitantes war“, bedauert der Celler Leichtathlet. „Aber so ist das eben.“