Judoabenteuer Südafrika

Schlechtere Umstände aber gleiches Sportniveau

Kein Wasser und nur manchmal Strom. Das sind teilweise die Trainingsumstände der südafrikanischen Judoka, die der Niedersächsische Judoverband live miterlebte.
  • Von Katharina Jäger
  • 12. Juli 2022 | 16:07 Uhr
  • 15. Juli 2022
Das erste gemeinsame Training der NJV-Delegation mit den Judoka in Eastern Cape. Sie begleiteten deren Wettkampfvorbereitungen für die nationalen Meisterschaften.
  • Von Katharina Jäger
  • 12. Juli 2022 | 16:07 Uhr
  • 15. Juli 2022
Anzeige
Celle.

Keine sanitären Anlagen, keine klassischen Judomatten und kein Wasser – so sehen teilweise die Trainingsbedingungen der südafrikanischen Judoka aus. Kein Vergleich zu den europäischen Standards. „Auch Strom ist nur bedingt vorhanden“, erzählt Maik Edling. „Einmal haben wir im Dunkeln trainiert.“

Qualität und Niveau von Judoka in Eastern Cape gleicht Niedersachsen

Doch trotz dieser Begebenheiten weicht die Qualität und das Niveau der Judoka dort kaum von dem ab, was der Niedersächsische Judoverband (NJV) auf den Matten hier gewohnt ist. Zu dieser Erkenntnis kamen die NJV-Coaches Edling (SV Nienhagen), Daniel Deppe (VfL Grasdorf) und Janne Ahrenhold (Judo-Team Hannover) sowie Delegationsleiter Julian Jelinsky (NJV) bei ihrem Besuch in der Eastern-Cape-Region an der Süd-Ost-Küste Afrikas.

Delegation des Niedersächsischen Judoverbands für elf Tage in Südafrika

Für elf Tage reiste die NJV-Delegation in die südafrikanische Provinz, um die Judoka der niedersächsischen Partnerregion kennenzulernen, selbst Trainingseinheiten unter anderem in der Ushiro Judo Academy in Port Elizabeth zu übernehmen und die Wettkampfvorbereitungen für die nationalen Meisterschaften zu begleiten. „Wir sind auch viel in Slums gewesen und haben mit Kindern gearbeitet“, so Edling.

Die vierköpfige NJV-Delegation springt gemeinsam mit dem verantwortlichen Trainer der südafrikanischen Mannschaft von Eastern Cape ins Judo-Abenteuer.

Nienhäger Trainer: Beeindruckende Atmosphäre auf Tribünen

Am Tag der südafrikanischen Meisterschaften haben Edling und Deppe das Aufwärmen der Athleten übernommen. Viele kannten sie bereits aus den Trainingseinheiten der vergangenen Tage. Im Anschluss schaute sich das niedersächsische Quartett die Wettkämpfe an. Besonders die Atmosphäre auf den Tribünen bleibt Edling in Erinnerung. „Es war sehr interessant, die Zuschauer haben einen traditionellen Gesang“, beschreibt der SVN-Trainer das Erlebnis. „Auf der Tribüne wurde geklatscht, gesungen und getanzt. So haben sie ihre Athleten angefeuert. Das war sehr beeindruckend.“

Austragungsort der Meisterschaften: Nelson Mandela University in Port Elizabeth

„Anders als in Deutschland finden die Südafrikanischen Meisterschaften aller Altersklassen am gleichen Tag statt“, sagt Janne Ahrenhold. „Von der U15 bis in die U60 nahmen etwa 450 Judoka am Jahresevent teil, das in der großen Tribünensporthalle der Nelson Mandela University in Port Elizabeth ausgetragen wurde.“

NJV-Delegation wurde in Eastern Cape stets begleitet

Neben den Judoaktivitäten gab es ein buntes Rahmenprogramm. Das niedersächsische Quartett wurde dabei stets von Sondisa Magajana (Vorsitzender des Judoverbands Eastern Cape und Vizepräsident des südafrikanischen Judoverbands) und Gerald Vena (stellvertretender Vorsitzender des Judoverbands Eastern Cape und Kampfrichterreferent des südafrikanischen Judoverbands) begleitet.

Das sind die südafrikanischen Meister, die Maik Edling in der Woche mit vorbereiten durfte.

Südafrikanische kulinarische Besonderheiten

„Ein besonderes Highlight stellte dabei jeden Tag das südafrikanische Essen dar“, sagt Ahrenhold. Vor allem der Besuch einer Butchery (ähnlich einer Metzgerei), in der die Niedersachsen traditionelle und über dem offenen Feuer zubereitete afrikanische Speisen probierten, habe das Team begeistert.

Empfang bei der Bürgermeisterin der Region vom Nelson Mandela Bay

Zusätzlich gab es Park- und Strandbesuche am Indischen Ozean oder eine kleine Shoppingtour. Sie besuchten auch einen Friedhof, auf dem unter anderem Pioniere des Judosports begraben liegen. Ein Empfang bei Eugene Johnson, Bürgermeisterin der Region vom Nelson Mandela Bay, gehörte ebenfalls zu den Programmpunkten abseits der Judomatte.

Gefördert vom Landessportbund Niedersachsen und dem Niedersächsischen Judoverband

Das vom Landessportbund Niedersachsen und dem Niedersächsischen Judoverband geförderten Projekt ist 2019 in die Wege geleitet worden. Damals sei eine niedersächsische Delegation in Südafrika gewesen und habe sich die Situation angeschaut. Danach sei eine aus Eastern Cape hier gewesen, erzählt Edling. Es wurde entschieden, eine Partnerschaft einzugehen, und so flogen sie dieses Jahr zum ersten Mal als Trainerteam dorthin. Solch ein Austausch sei nun jedes Jahr geplant. Einmal fliegt die NJV-Delegation nach Afrika, im folgenden Jahr besucht die südafrikanische Niedersachsen.

Maik Edling: Gleiche Werte wie beim SV Nienhagen

Laut Edling ist die niedersächsische Partnerregion an den deutschen Strukturen interessiert, vor allem an der Nachwuchsarbeit und den Fördermitteln. Der Judosport an sich sei überall gleich. Das konnte Edling auch daran festmachen, dass in Eastern Cape die gleichen Werte wie bei seinem SV Nienhagen wichtig sind: Respekt und Höflichkeit vor den Partnern und Gegnern. Nur die Trainingsumstände sind unterschiedlich.