"Immer ein gutes Wort"

Celler erinnern sich an verstorbenen Uwe Seeler

Die Fußballwelt trauert: Mit Uwe Seeler ist ein herzensguter Mensch gestorben. Bekannte aus Celle erinnern sich an Seelers Besuche in Celle - und die Bescheidenheit eines Fußballhelden beim Bananenkaufen.

  • Von Lisa Brautmeier
  • 22. Juli 2022 | 18:25 Uhr
  • 25. Juli 2022
Beim Benefizspiel der Seeler-Elf gegen TuS Celle im Jahr 1980 setzte Uwe Seeler zu einem seiner legendären Seitfallzieher an.
  • Von Lisa Brautmeier
  • 22. Juli 2022 | 18:25 Uhr
  • 25. Juli 2022
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Uwe Seeler (Mitte) machte sich 2006 in Celle mit Hilfe von Warg-Prokurist Günter Stachetzki (rechts) und Verkaufsberater Frank Ebinger(links) schick für den WM-Auftakt.
Celle.

„Uns hat das richtig wehgetan“ – Günter und seine Frau Gudrun Stachetzki hat die Nachricht vom Tod von Uwe Seeler wirklich mitgenommen. Beide kannten ihn gut, haben ihn öfters in Hamburg besucht – oder Seeler war in Celle zu Gast. Die Fußballwelt trauert um eine Legende, ein Idol, der aber viel mehr war als ein gefeierter Sportler. „Er hat überall einen positiven Eindruck hinterlassen. Uwe war ein sehr natürlicher, ausgeglichener Mensch mit sehr viel Empathie“, sagt Günter Stachetzki.

„Er hat sich mit allen unterhalten und hatte für jeden ein gutes Wort.“

Günter Stachetzki

Der ehemalige Geschäftsführer des Modehauses Warg hatte Seeler vor 44 Jahren kennengelernt, als dieser für Adidas als Generalvertreter in Norddeutschland unterwegs war. „Mit seiner Kompetenz haben wir die Sportabteilung ausgebaut“, sagt der Celler. Beide waren sich sofort sympathisch. Aus einer Geschäftsbeziehung entwickelte sich eine Freundschaft. Seeler war mehrmals im Jahr in Celle. Wenn sie dann gemeinsam im Café saßen, blieben sie selten alleine am Tisch, denn der ehemalige Fußballer wurde sofort erkannt. „Er hat sich mit allen unterhalten und hatte für jeden ein gutes Wort“, erinnert sich Stachetzki.

Beim Promibenefizspiel 1980 in Celle führte Uwe Seeler (links) den Anstoß aus.

Unvergessen ist für ihn auch das Benefizspiel am 2. Mai 1980 in Celle. 5500 zahlende Zuschauer plus Kinder sahen das Team „Uwe Seeler und Co.“ gegen die Verbandsliga-Elf des TuS Celle antreten. Schon vorab standen Besucher Schlange, um von Fußballgrößen wie Helmut Rahn, Helmut Haller oder eben Seeler ein Autogramm zu erhaschen. Die Celler hatten damals 1:0 gewonnen, aber das Ergebnis war zweitrangig. Für die Zuschauer war es ein großes Event – und als sie Seeler dann zu seinem legendären Seitfallzieher ansetzen sahen, war der Szenenapplaus gewaltig, hieß es in der Ausgabe der Celleschen Zeitung vom 3. Mai 1980.

Uwe Seelers 70. Geburtstag wurde in Hamburg groß gefeiert. Mit dabei waren auch die Celler Günter (rechts) und Gudrun (links) Stachetzki.

"Menschliche Begegnungen waren ihm wichtig"

Rund um das Spiel nahm sich Seeler viel Zeit für Fans. Stachetzki erlebte ihn immer freundlich gegenüber anderen. „Einmal hat er sich mit einer Frau über deren kranken Vater unterhalten. Und dann hat er ihn tatsächlich am selben Abend noch besucht“, erinnert er sich. „Ihm waren diese menschlichen Begegnungen sehr wichtig“, so Stachetzki.

"Er meinte, er fände es nicht in Ordnung, dass die großen Geschäfte die kleineren kaputtmachen. Er hat gesagt, er würde auch weiterhin seine Bananen bei mir kaufen und das hat er getan."

Bernd Liese

Auch der Celler Bernd Liese erinnert sich noch gut an Uwe Seeler. Der hat in den 60er-Jahren nämlich immer Bananen bei ihm gekauft, wenn er in Celle vor Ort war. Damals hatte Liese einen Obststand in der Bergstraße direkt bei Karstadt. Eines Tages sah Seeler in einem Schaufenster Umbaumaßnahmen und fragte Liese, was dort hinkommen sollte. Als er ihm mitteilte, dass es bei Karstadt nun auch eine Obstabteilung geben würde, reagierte Seeler aufgebracht. „Er meinte, er fände es nicht in Ordnung, dass die großen Geschäfte die kleineren kaputtmachen. Er hat gesagt, er würde auch weiterhin seine Bananen bei mir kaufen und das hat er getan. Es ist schön, daran zurückzudenken, wie er menschlich war“, sagt Liese.

Seeler mochte die Stadt Celle

Uwe Seeler mochte die Stadt Celle, er schaute sich auch gerne genauer um, wenn er vor Ort war. „Er hat die Stadt sehr positiv in Erinnerung behalten“, weiß Stachetzki. Und er wird wiederum Seeler in guter Erinnerung behalten, auch wenn der Kontakt nach Seelers Autounfall 2010 weniger geworden war. Telefoniert und sich geschrieben hatten sie trotzdem noch. Stachetzki: „Er blieb immer auf dem Teppich und soweit ich weiß, war er überall hochgeschätzt. Ich würde die Erinnerungen an ihn in keiner Weise missen wollen.“