Energiekrise

Landkreis Celle lässt die Duschen warm - kaltes Wasser in städtischen Sporthallen

Zwei-Klassen-Gesellschaft in den Duschen der Sporthallen von Stadt und Landkreis: Mal gibt es nur kaltes, mal auch warmes Wasser - betroffen ist auch der Schulsport.

  • Von Jürgen Poestges
  • 14. Sept. 2022 | 06:49 Uhr
  • 14. Sept. 2022
  • Von Jürgen Poestges
  • 14. Sept. 2022 | 06:49 Uhr
  • 14. Sept. 2022
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Celle.

Seit dem vergangenen Wochenende gibt es die Zwei-Klassen-Gesellschaft in den Sporthallen von Stadt und Landkreis. Wer als Sportler das Glück hat, in der Halle einer weiterführenden Schule seine Punktspiele zu absolvieren, der durfte sich über eine Warmdusche freuen. Denn die Schulen stehen in der Verantwortung des Landkreises. In den Grundschulen, die von der Stadt betreut werden, bleiben die Duschen hingegen kalt – vorläufig. Der „Runde Tisch Energie“ der Stadt Celle hatte sich für ein generelles Abschalten der Warmwasserbereitung in Sportstätten ausgesprochen. Künftig werde dort kalt geduscht, erklärte Oberbürgermeister Jörg Nigge. „Ich gehe davon aus, dass das zu verkraften ist“, meint er.

"Am Runden Tisch beschlossen"

Das soll in der Stadt auch nicht geändert werden, erklärt Stadtsprecherin Myriam Meißner. „Das ist beim Runden Tisch so beschlossen worden. Und es gibt auch keine Pläne, dies eventuell zu revidieren“, erklärt sie. Betroffen davon sind nur die Sporthallen an den Grundschulen – im Übrigen auch der Schulsport. Auf den Sportplätzen bleiben die Duschen warm. Denn dort kommen die Vereine für die Energiekosten auf.

Das alles sieht Thomas Buchhold, seit dem 1. September als Sportdezernent für den Landkreis Celle zuständig, allerdings etwas anders. „Vorerst beabsichtige ich auf Basis der aktuellen Energielage nicht, Warmwasser in den Sporthallen abzuschalten“, sagt er in einem Schreiben an die Sportvereine.

"Nicht zuerst Sportvereine einschränken"

„Nach den vielen Entbehrungen für den Sport, die die Pandemie mit sich brachte, möchte ich nicht erneut zuerst die Sportvereine einschränken“, erklärt er. Ein kompletter Verzicht auf Warmwasser führe zudem dazu, dass sowohl den Vereinen als auch den Schulen kein Warmwasser mehr für das Duschen nach dem Schulsport zur Verfügung stünde. „Schulen sind jedoch grundsätzlich von Maßnahmen der Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen vom Bund ausgenommen.“

Duschen nur in privaten Bereich verlagert

Darüber hinaus würde das Duschen nicht entfallen, sondern vor allem in den privaten Bereich verlagert. „Nach meiner Einschätzung wäre der Einspareffekt gesamtgesellschaftlich gesehen eher überschaubar. Darüber hinaus würde der Landkreis Celle durch das Ablassen des Warmwassers ein erhöhtes Korrosionsrisiko eingehen und müsste Schäden an den Wasserleitungen erwarten.“

Insgesamt werde der Landkreis Celle seine Energieeinsparungen auf anderem Wege erzielen – vor allem über niedrigere Temperaturen in den Räumen der Kreisverwaltung, Abstellen von dezentralen Warmwassererhitzern und die Reduzierung der Beleuchtung.

Kaplick-Brief an Landräte

Wolfgang Kaplick, der Vorsitzende der Handball-Region Lüneburger Heide, hatte schon im Vorfeld in einem Brief an die Landräte die eindringliche Bitte formuliert, weiterhin das Duschen mit warmem Wasser zu ermöglichen. Gründe, die für eine weitergehende Nutzung von warmem Wasser für das Duschen sprechen, seien die hohe körperliche Intensität der Sportart sowie eine vermutlich schlechtere Energiebilanz bei der Nutzung der Duschen zu Hause. „Es wird die Frage nach der Zumutbarkeit von Rückfahrten von bis zu zwei Stunden von Auswärtsspielorten aufgeworfen“, schreibt er. „In Anbetracht der derzeitigen finanziellen Zusatzbelastungen der privaten Haushalte wäre das Angebot kostenloser Duschmöglichkeiten zudem eine Entlastung.“ Auf sein Schreiben an die Landräte in der Region habe er schon positive Rückmeldungen erhalten, sagt Kaplick.