Celler Laufklassiker

„Das alte Wasa-Feeling ist wieder da“

Eine Nummer kleiner als gewohnt, aber mit toller Stimmung wie immer: Der Celler Wasa-Lauf hat am Sonntag sein lang erwartetes Comeback gegeben.

  • Von Sebastian Salpius
  • 02. Okt. 2022 | 21:46 Uhr
  • 03. Okt. 2022
  • Von Sebastian Salpius
  • 02. Okt. 2022 | 21:46 Uhr
  • 03. Okt. 2022
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Celle.

Der Celler Wasa-Lauf ist zurück: Dreieinhalb Jahre nach der letzten Austragung ertönte am Sonntag um 11.30 Uhr der erste Kanonen-Startschuss vor dem Alten Rathaus. Teilnehmer aus 33 Nationen waren für den Lauf angemeldet – und die Freude nach der langen Pause zauberte allen ein Lächeln aufs Gesicht.

„Viele waren noch seit 2020 angemeldet und sind einfach nicht gekommen.“

Holger Pieper, Organisator Wasa-Lauf

„Wir sind froh und erleichtert, dass es mit dem Wasa-Lauf weitergeht“, sagte Klaus Rohr, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Ausrichters MTV Eintracht Celle. Rohr selbst ging über die zehn Kilometer auf den Altstadt-Rundkurs. „Auch wenn heute alles eine Nummer kleiner war als sonst, ist das alte Wasa-Feeling wieder da. Und das ist die Hauptsache“, freute er sich.

Nur 2050 Sportler tatsächlich am Start

Ursprünglich hatte der Lauf im März 2020 mit etwa 9.000 Läufern stattfinden sollen, doch Corona machte dem Laufspektakel durch die Celler Innenstadt einen Strich durch die Rechnung. Beim Comeback des Laufklassikers waren etwa 4400 Sportler angemeldet, allerdings nur knapp 2050 Teilnehmer tatsächlich am Start. Organisator Holger Pieper hatte eine Erklärung parat: „Viele waren noch seit 2020 angemeldet und sind einfach nicht gekommen.“ Der ungewohnte Termin, coronabedingte Absagen und parallel stattfindende Laufereignisse seien weitere Gründe für die niedrige Teilnehmerzahl. Hinzu kam die kurze Vorlaufzeit für Schulen.

Organisator zieht positive Bilanz

Pieper zog insgesamt ein positives Fazit: „Die Läufer sind zufrieden und wir auch. Viele der 300 Helfer sind neu dabei – da ist es vielleicht gut, dass es nicht ganz so viele Teilnehmer sind.“

Zwei Drittel der Teilnehmer aus Kreis Celle

Zahlreiche Zuschauer reihten sich an die Absperrgitter der Strecke und peitschten die Läufer bei Sonnenschein nach vorne. Zwei Drittel der teilnehmenden Sportler kamen aus dem Landkreis Celle, mehr als zuletzt schafften es vor der heimischen Fachwerkkulisse aufs Podest.

Nienhäger Jakob Nitz siegt über 5 Kilometer

Besonders eng ging es beim 5-Kilometer-Rennen zu: Erst in der letzten Kurve vor der Zielgeraden setzte sich der 17-jährige Jakob Nitz knapp von seinem Verfolger Jonas Koch ab. Der 28-jährige Lehrer aus Celle hatte zuvor eine Aufholjagd hingelegt, „am Ende fehlte aber ein bisschen die Kraft“.

Wasa-Lauf als Lieblings-Laufevent

Koch legte dennoch die beste Netto-Zeit zwischen Start- und Ziellinie hin und war somit vier Sekunden schneller als Sieger Nitz. Da der 17-Jährige aber vor Koch die Ziellinie überquerte, sicherte er sich den offiziellen Sieg. „Wir haben schon auf den Lauf hingefiebert und uns sehr gefreut, dass er dieses Jahr stattfindet“, sagte der Schüler aus Nienhagen, der amtierender Triathlon-Landesmeister in seiner Altersklasse ist. Der Wasa-Lauf sei sein Lieblings-Laufevent, „weil er durch die Innenstadt führt und du an jeder Stelle der Strecke zuschauen kannst.“

Ex-Judoka Miriam Garmatter schnellste Frau

Als erste Frau schaffte es beim 5-Kilometer-Lauf Miriam Garmatter ins Ziel. Die ehemalige Bundesliga-Judoka aus Hermannsburg nimmt seit ihrer Kindheit am Celler Kult-Event teil. Hinter ihr sicherte sich Triathletin Kjara Reckmann vom SV Nienhagen den zweiten Platz. Die 15-Jährige rannte vor ihrem Vater ins Ziel. „Ich weiß, dass ich keine Chance mehr gegen sie habe“, nahm Papa Hanno Reckmann das verlorene Familienduell gelassen hin.

Altencellerin Alexandra Hebbe auf Rang 2

Auch beim Lauf über zehn Kilometer stand mit Alexandra Hebbe eine Cellerin auf dem Podest. Die 36-jährige vom SV Altencelle hatte erst vor einer Woche den 333. Platz der Frauen beim Berlin-Marathon belegt. „Ich wollte heute meine Bestzeit laufen, aber die Regeneration nach Berlin dauert wohl noch ein bisschen“, sagte die Lehrerin. Dennoch war Hebbe stolz auf ihren 2. Platz und strahlte: „Celle ist meine Heimat und beim Volkslauf muss ich immer mitmachen. Das ist immer eine super Stimmung und man kennt tausende Leute an der Strecke.“ Dass es nicht für den ersten Platz reichte, lag auch an der starken Leistung der Hannoveranerin Lena Brunkhorst, die vier Minuten schneller war als Hebbe.

Italiener feiert Wasa-Lauf-Premiere mit Sieg

Bei den Männern setzte sich Mattia Guglielmi ebenfalls mit großem Abstand auf den Zweitplatzierten durch. Für seine persönliche Bestzeit reichte es nicht – doch der Italiener wird seine Wasa-Lauf-Premiere positiv in Erinnerung behalten: „Ich mag diese Strecke, sie hat Abwechslung und viele Kurven.“

Regenguss bei langen Läufen

Kurz nach dem Start der 15- und 20-Kilometer-Läufer verzog sich der Himmel über Stadtkirche und Schloss. Als um 13.30 Uhr ein kräftiger Regenguss einsetzte, suchten die Zuschauer fluchtartig Schutz unter den Vordächern an der Stechbahn. „Was ist schon ein bisschen Wasser – sprach der Moderator, der im Trockenen stand“, scherzte Conrad Müller am Mikrofon. Doch der Regen währte nur kurz. Die gut 200 Läufer der beiden längsten Strecken liefen im Trockenen über die Ziellinie.

Alexander Brennecke vom SV Nienhagen Schnellster über 20 Kilometer

Auf der 15-Kilometer-Distanz setzte sich Daniela Palsbröcker vom Team beVegt.de als schnellste Frau und der Wolfsburger Valentin Harwardt als schnellster Mann durch. Die Lehrterin Mandy Krause legte über 20 Kilometer die Bestzeit der Frauen hin, bei den Männern gab es einen heimischen Sieger: Mit einer Zeit von 01:09:44 dominierte Alexander Brennecke vom SV Nienhagen nach 20 Kilometern. „Eigentlich bin ich beruflich gerade total eingespannt“, hatte Brennecke vor dem Lauf erzählt. Das hinderte ihn aber nicht daran, mehr als sieben Minuten vor dem Zweitplatzierten Thorsten Glatthor ins Ziel zu laufen.

Mini-Wasa-Lauf

Kurz vor dem Startschuss hallt Orchestermusik durch die Fachwerkgasse am Großen Plan. Als Moderator Ingo Bloess rückwärts den Countdown zum Mini-Wasa-Lauf anzählt, unterstützen ihn zahlreiche Kinderstimmen. Die jungen Läufer klatschen in die Hände und hüpfen voller Vorfreude dem Start entgegen. Dann fällt pünktlich um 10.30 Uhr der Startschuss und die bunte Menschentraube mit etwa 500 Teilnehmern setzt sich in Bewegung. Bereits knapp zehn Minuten später kommen die beiden Führenden im Zielbereich an – zur Überraschung von Bloess, der nicht mit einer so schnellen Ankunft gerechnet hatte. Das Kopf-an-Kopf-Rennen gewinnt am Ende der 14-jährige Adrian Nothdurft (Foto). Erst auf den letzten Metern kann er seinen deutlich jüngeren Mitstreiter Sven Rodehorst (10) abschüttelt. „Er war die ganze Zeit vor mir, aber ich bin größer und deshalb war ich wahrscheinlich hinten raus schneller“, erklärt der Sieger im grauen T-Shirt. Im nächsten Jahr möchte es Adrian beim Volkslauf über fünf Kilometer probieren.