Auf dem Weg nach Wembley

Merle Frohms: Celler Familie fiebert EM-Finale entgegen

Der Jubel nach dem Finaleinzug der deutschen Mannschaft bei der Europameisterschaft war riesig. Auch in Celle feierte die Familie von Torhüterin Merle Frohms bis tief in die Nacht. Jetzt geht es für sie zum EM-Finale Richtung London. Die Vorfreude auf Wembley ist groß. 

  • Von Lisa Brautmeier
  • 28. Juli 2022 | 19:00 Uhr
  • 29. Juli 2022
  • Von Lisa Brautmeier
  • 28. Juli 2022 | 19:00 Uhr
  • 29. Juli 2022
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Celle.

Es war ein echter Fußballkrimi, den Deutschland und Frankreich bei der Frauen-Europameisterschaft im Halbfinale geboten hatten. Nach dem 2:1-Sieg brachen alle Dämme, auch Torhüterin Merle Frohms konnte die Tränen direkt nach dem Abpfiff am Mittwochabend nicht zurückhalten. So sehr hatten sich alle den Einzug ins Finale gewünscht. Vater Norbert Frohms saß in Celle zusammen mit der Familie vorm Fernseher und konnte selbst kaum realisieren, was seine Tochter da geschafft hatte. Gefeiert wurde im Hause Frohms noch bis tief in die Nacht – oder eher bis in den frühen Morgen.

Fast 90.000 Fans in Wembley

Schon am Freitag geht es für die ersten Familienmitglieder Richtung London, weitere kommen am Samstag nach. „Im Vorfeld hatten wir natürlich auf den Finaleinzug gehofft. Am liebsten wäre ich jetzt schon beim Spiel“, schaut Norbert Frohms sehnsüchtig Richtung Finale. Nicht nur für seine 27-jährige Tochter, auch für ihn wird es ein echtes Highlight, wenn die deutschen Fußballerinnen am Sonntag um 18 Uhr im Wembley-Stadion auf Gastgeber England treffen und das vor etwa 90.000 Zuschauern.

"Das wird ein Gänsehaut-Moment. Natürlich werden die englischen Fans euphorisiert sein und wir werden die Minderheit bilden. Aber das ist egal."

Norbert Frohms, Vater von Merle Frohms

Schon 2019 beim Freundschaftsspiel zwischen England und Deutschland waren etwa 77.000 Fans in Wembley dabei. Einer von ihnen war Norbert Frohms, der daher weiß, was für eine Atmosphäre ihn erwartet. „Das wird ein Gänsehaut-Moment. Natürlich werden die englischen Fans euphorisiert sein und wir werden die Minderheit bilden. Aber das ist egal, denn das Feeling wird besonders“, sagt Frohms.

Auch seine Tochter weiß, dass das DFB-Team Großes erwartet. „Mit Abpfiff kamen die Freudentränen. Es ist ein einmaliges Erlebnis. Vor dem Turnier hätten wir uns nicht ausgemalt, dass wir es bis ins Finale schaffen“, sagte sie direkt nach dem Spiel im ZDF-Interview.

Eigentor ist "relativ wurscht"

Im Halbfinale hatte Frohms ihren ersten Gegentreffer der Europameisterschaft hinnehmen müssen. Da der Ball nach dem Schuss der Französin Kadidiatou Diani erst an den Pfosten, dann an den Rücken von Frohms und von dort ins Tor sprang, wurde der Treffer als Eigentor gewertet. „Das ist mir jetzt relativ wurscht“, sagte sie der ARD. Schließlich war sie schuldlos. Auch Norbert Frohms sah das Gegentor gelassen: „Menschen sind keine Maschinen. Und es war ja auch kein Fehler.“ Er ist sich sicher, dass die Torhüterin das längst abgehakt hat. „Sie schüttelt das ab und wird sich davon nicht verunsichern lassen“, sagt Frohms.

Frohms schon immer zielstrebig

Die Leidenschaft zum Fußball liegt in der Familie. Mit ihren beiden Brüdern hat Merle Frohms nicht nur beim ESV Fortuna Celle, sondern auch oft noch abends im Garten Fußball gespielt. Die Familie hatte sie immer unterstützt, trotzdem betont der Vater, „sie habe sich das alles allein erarbeitet.“ Frohms war immer sehr zielstrebig, hat viel dafür getan, so weit zu kommen. Der Wunsch, Profi zu werden, war früh da. Mit 16 Jahren zog sie von zu Hause aus in eine Wohngemeinschaft. Zuvor war sie nach dem Wechsel vom ESV Fortuna Celle zum VfL Wolfsburg mehrmals die Woche per VW-Bus zum Training hin- und hergefahren worden. Schulaufgaben wurden während der Fahrt erledigt. „Sie war immer total fokussiert“, sagt Norbert Frohms stolz.

Am liebsten würde er seine Tochter mal wieder richtig in den Arm nehmen und für das Erreichte herzen. Aber das war bei den Spielen, die er besucht hatte, bisher nicht möglich. Es gibt strikte Anweisungen, sich möglichst nicht zu nahe zu kommen. Die Sorge vor Corona-Ansteckungen ist groß. Daher hält sich die Frohms-Familie lieber zurück. Wenn sie am Spielfeldrand Kontakt hatten, dann nur mit Abstand und mit Maske. Die Angehörigen wie Norbert Frohms reagieren mit Verständnis, schließlich möchte keiner den EM-Auftritt der Spielerinnen gefährden.

Hauptsache beim Finale dabei sein

Am wichtigsten ist für die Familie, überhaupt auf der Tribüne dabei zu sein. Das Viertelfinale gegen Österreich hatten sie auch vor Ort anschauen wollen, doch am Flughafen wartete eine böse Überraschung: Der Flug wurde kurzfristig gestrichen. Dieses Mal hoffen alle, dass sie ohne Probleme erst nach London und dann ins Stadion kommen. „Um spätestens 17 Uhr möchte ich auf den Plätzen sitzen“, sagt Norbert Frohms. Wenn seine Tochter schon mit dabei ist, will er vom Aufwärmen bis zur Siegeszeremonie alles miterleben. Und er hofft natürlich, dass die Nationaltorhüterin am Ende nicht nur alle Bälle hält, sondern die Hände auch an der begehrten Trophäe haben wird.