VfL Westercelle

„Wollen Celle zur Boule-Stadt machen“

Das lange Zeit verlassene Gelände des früheren Tennisvereins Pegasus in Boye wird aus dem Dornröschenschlaf geküsst: Die Boulespieler des VfL Westercelle errichten auf dem Areal einen Boule-Park mit 20 Bahnen. Bald sollen dort sogar Landesmeisterschaften stattfinden.

  • Von Heiko Hartung
  • 22. Jan. 2023 | 13:00 Uhr
  • 22. Jan. 2023
Inge Dahms und Doris Münch spielen im Boule-Park des VfL Westercelle in Boye.
  • Von Heiko Hartung
  • 22. Jan. 2023 | 13:00 Uhr
  • 22. Jan. 2023
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Boye.

„Boule ist mehr, als nur ein paar Kugeln in den Dreck zu werfen“, sagt Wilfried Dahms im Brustton der Überzeugung. Der 70-Jährige ist Leiter der Boule-Sparte des VfL Westercelle – und die ist mächtig auf Expansionskurs: Weil die Freunde des Präzisionssports mit den handlichen Metallkugeln in ihrer angestammten Heimat im Sportpark Westercelle räumlich an ihre Grenzen stoßen, wird derzeit am anderen Ende der Stadt zusätzlich eine neue Großanlage gebaut. Auf den beiden Ascheplätzen des früheren Tennisvereins Pegasus in Boye sollen künftig auf insgesamt 20 Boule-Bahnen die Kugeln geworfen werden. „Zehn Bahnen haben wir seit Ende September schon in Betrieb“, berichtet Dahms. Die zweite Hälfte soll im Laufe dieses Jahres fertig werden, für März ist vorab die offizielle Einweihung geplant.

Das Banner des Boule-Parks prangt am Eingang.

TuS Hermannsburg hat Vorbildcharakter

Noch sei man mit 30 Mitgliedern die zweitgrößte Boule-Sparte eines Sportvereins im Landkreis, so Dahms. Doch beim VfL denkt man groß: „Wir wollen Celle zur Boule-Stadt machen und jedes Jahr mindestens zehn neue Mitglieder hinzugewinnen“, sagt der Elektromeister im Ruhestand. Vorbildcharakter habe der befreundete TuS Hermannsburg, wo die Sportart seit Jahren einen regelrechten Boom erfährt. Dort im Nordkreis nehmen Mannschaften bereits erfolgreich am Ligabetrieb teil. „Da möchten wir auch hin“, sagt Dahms. 2024 wollen die Westerceller Teams für den Punktspielbetrieb melden, spätestens ab 2026 sollen im neuen Boule-Park in Boye Landesmeisterschaften ausgetragen werden. „Dafür sind 16 Plätze Mindestvoraussetzung. Das erfüllen wir bald“, so Dahms.

Der Spielstandsanzeiger steht bereits.

Ehemalige Tennisplätze in Boye verwahrlosten

Das Areal am Steinbecksweg galt lange als Schandfleck, über den sich nicht nur die Tennisspieler des benachbarten Post SV ärgerten. Obwohl der in den 1980er Jahren als Betriebssportverein der Firmen Itag und Mobil Oil gegründete TV Pegasus – von Mitgliederschwund geplagt – 2008 als neue Abteilung im TuS Celle 92 aufging, konnte der Niedergang nicht gestoppt werden. 2017 wurde das Tennisgelände endgültig aufgegeben und verwahrloste zusehends.

Fleißige Helfer machen die Boulebahnen bespielbar.

Dartsspieler des VfL Westercelle nutzen Vereinsheim

2020 zogen die Dartsspieler des VfL Westercelle in das leer stehende Vereinsheim ein, auf dem Außengelände gab es Pläne, die von einem Streetsoccercourt bis zu einer Beachvolleyballanlage reichten. „Das Grundstück hat großes Potenzial, hier können wir unseren Verein weiterentwickeln“, hatte der Vereinsvorsitzende Harald Nowatschin seinerzeit geschwärmt.

Auch rund um die neuen Boulebahnen musste viel getan werden.

Mitglieder packen an

Letztlich griffen die VfL-Boulespieler zu. Etwa 5000 Euro für Material und jede Menge Eigenleistung wurden bislang in die Freifläche investiert, das Grünflächenamt half auf dem städtischen Areal Unkraut zu jäten und Bäume zu fällen. „Ich bin bei einer Radtour auf das Grundstück aufmerksam geworden und war sofort begeistert – obwohl es wild aussah. Und jetzt ist es richtig schön geworden“, findet Dahms, der mit seinen Mitspielern auch das Klubhaus der Darts-Abteilung mit nutzen darf.

Die Mitglieder packen kräftig mit an.

„Boule ist kein Altherrensport“

Und wer behauptet, das direkt angrenzende Neubaugebiet mit seinen jungen Familien und Kindern habe eher eine „Trendsport-Area“ verdient als einen beschaulichen Platz, wo eine ruhige Kugel geschoben wird, ist bei Dahms an der falschen Adresse: „Boule ist kein Altherrensport“, sagt er vehement. „Wir sind offen für alle, die ein Hobby suchen, bei dem feine Technik genauso gefragt ist wie mentale Stärke – und bei dem die Geselligkeit auch nicht zu kurz kommt.“ Beim Boule gebe es keine Altersbeschränkung, weshalb man auch gerne eine Jugendabteilung gründen würde, so Dahms, der sich auf den Frühling freut: „Wir spielen zwar auch den Winter hindurch, aber bei Sonnenschein erwacht das Gelände erst so richtig aus seinem Dornröschenschlaf.“ Der hat nun wirklich lange genug gedauert.