Das "Spiel meines Lebens"

Zittern bis zum Schluss

Rainer Bischoff ist schon seit seiner Kindheit leidenschaftlicher Fan von VfL Wolfsburg.
  • Von Katharina Jäger
  • 03. Juli 2022 | 15:00 Uhr
  • 03. Juli 2022
  • Von Katharina Jäger
  • 03. Juli 2022 | 15:00 Uhr
  • 03. Juli 2022
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Wienhausen.

Über 30 Grad. 12.000 Zuschauer im alten Wolfsburger Stadion – es ist ausverkauft. Auf den Fan-Schal hatte er wegen der heißen Temperaturen verzichtet, Cap und T-Shirt mussten am 8. Juni 2014 reichen. Auf dem Rasen standen sich die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg und des 1. FFC Frankfurt gegenüber. Es ging um die Deutsche Meisterschaft in der Frauen-Bundesliga.

Gänsehaut bei Erinnerung an sein „Spiel des Lebens“

Noch heute bekommt Rainer Bischoff eine Gänsehaut, wenn er an die damalige Atmosphäre denkt. Auch wenn es für ihn unglaublich schwer sei, sich für ein Highlight zu entscheiden, so hat er diese Partie als „Spiel seines Lebens“ ausgewählt.

Großer Jubel bei Führungstreffer für VfL Wolfsburg

Der 79-Jährige ist leidenschaftlicher Wolfsburg-Fan und jubelte lautstark mit, als Verena Faißt (heute Schweers) damals für den VfL die 1:0-Führung schoss. Auch bei seinen Nachbarn zeigte sich grenzenloser Jubel - neben ihm waren Schwester und Vater der Torschützin, was für ein Zufall. „Als Frankfurt in der 82. Minute jedoch den Ausgleich erzielte, herrschte Totenstille“, erzählt Bischoff. Bei diesem Ergebnis wären die Gäste Deutscher Meister gewesen.

Alexandra Popp gelang Siegtreffer für VfL-Frauen

Ein dramatisches Spiel bis zum Schluss. „Und dann passierte das, was wir VfL-Fans ersehnt und erhofft hatten“, erinnert sich der pensionierte Lehrer. „Alexandra Popp köpfte in der letzten Spielminute noch das 2:1-Siegtor für die VfL-Frauen.“ Jetzt hatten sie nicht nur die Champions-League gewonnen, sondern auch die Deutsche Meisterschaft. Bischoff lächelt bei der Erinnerung.

Rainer Bischoffs Versprechen an Nadine Keßler

Abends nach dem Bundesligaspiel löste er in seiner Stammkneipe in Wienhausen dann sein Versprechen ein, das er VfL-Spielführerin Nadine Keßler gegeben hatte: Beim Meistertitel wollte er einen auf den VfL trinken. Die Entstehung seines Versprechens ist genauso ein Zufall wie die Situation in der Südkurve, als er neben den Familienangehörigen der Torschützin saß.

„WölfeClub 55plus zum Spargelessen verabredet“

„Wir waren vom 'WölfeClub 55plus' zum Spargelessen verabredet“, sagt Bischoff. Auf dem Weg zur VfL-Gaststätte sei ihm Keßler über den Weg gelaufen, voll konzentriert auf das bevorstehende Fußballspiel. Er wünschte ihr Glück für das Spiel: „Ihr werdet das schon schaffen, wir stehen zu euch.“ Wenn sie am Ende Deutscher Meister seien, würde er einen auf sie trinken. Und so kam es auch. Ein gelungener Abschluss eines erlebnisreichen Tages.

Wienhäuser Wolfsburg-Fan hat Cap mit Unterschrift und Herz

Anhand seiner Begeisterung bei der Erzählung wird deutlich: Keßler ist Bischoffs Lieblingsspielerin. Er hat ein Cap mit ihrer Unterschrift, „sogar mit Herzchen, das wird nicht mehr gewaschen“, so der Wolfsburg-Fan.

Zeichen seiner Wolfsburg-Leidenschaft

Im Laufe seiner Vereins-Liebe hat der pensionierte Lehrer viele Andenken gesammelt. In seinem Wintergarten hängen zum Beispiel Poster mit Autogrammen und ein signiertes Trikot vom ersten Bundesliga-Aufstieg der VfL-Herrenmannschaft am 11. Juni 1997. Außerdem steht auf seinem Grundstück ein Fahnenmast. Die Fahne ist schon von Weitem zu sehen. Grün-Weiß und mit Vereinslogo.

VfL-Oberliga-Trainer war Bischoffs Sportlehrer

Seine Begeisterung und Leidenschaft für den VfL Wolfsburg entstand, als er im August 1958 auf das Ratsgymnasium in Wolfsburg ging, nachdem er mit seinen Eltern aus der DDR geflohen war. „Mein Sportlehrer war Imre Farkasinski, der parallel auch die damalige VfL-Oberligamannschaft trainierte“, erzählt Bischoff. „Somit waren die Weichen gestellt.“

Krzysztof Nowak als „Fußballer des Jahres in Niedersachsen“ gewählt

Einmal durfte der 74-Jährige sogar selbst in die Wolfsburger Volkswagen-Arena einmarschieren. Ein Moment, den er nie vergessen wird. „Das war ein unglaubliches Gefühl.“ Dieses Mal war er nicht auf der Tribüne, sondern stand selbst auf dem Feld. Angefangen hatte es damit, als vom Niedersächsischen Fußballverband (NFV) wieder der „Fußballer des Jahres in Niedersachsen“ gesucht wurde. Er habe den polnischen Fußballer Krzysztof Nowak gewählt, der bei Wolfsburg spielte, an einer unheilbaren Erkrankung des motorischen Nervensystems (ALS) litt und 2005 verstorben ist.

Betrag an Nowak-Stiftung gespendet

Unter allen Wählern wurden fünf Preise ausgelost. Bischoff gewann ein Erlebniswochenende für zwei Personen im Gilde-Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen. Anstatt jedoch dorthin zu fahren, spendete er den Betrag, den der Wochenendaufenthalt gekostet hätte, der Krzysztof-Nowak-Stiftung. Sie unterstützt Patienten mit der gleichen Erkrankung sowie Forschungsprojekte dazu. Der NFV rundete noch auf 500 Euro auf. Gemeinsam mit NFV-Vizepräsident Hannes Wittfoth hat Bischoff vor der Bundesliga-Begegnung zwischen dem VfL Wolfsburg und Hansa Rostock einen Scheck an einen Vertreter der Krzysztof-Nowak-Stiftung überreicht.

„Spiel des Lebens“: Meisterschafts-Entscheidung in der Frauen-Bundeliga

Bei allen anderen Spielen war er als Fan wieder auf der Tribüne. So wie eben auch am 8. Juni 2014 bei der Meisterschafts-Entscheidung in der Frauen-Bundeliga. Und da blieb er besonders lange. "Bei einem solchen Sieg fährt man nicht gleich nach Hause", sagt Bischoff. Stattdessen bejubelte er die Mannschaft.