Bezirksliga Männer

Euphorie und Begeisterung beim TuS Hermannsburg

Sie sind das Überraschungsteam der Saison. Mit großem spielerischen Können und noch mehr Enthusiasmus mischt Aufsteiger TuS Hermannsburg die Fußball-Bezirksliga auf und steht nach 18 von 30 Partien auf dem dritten Tabellenplatz.
  • Von Jochen Strehlau
  • 18. Jan. 2023 | 18:00 Uhr
  • 18. Jan. 2023
Hatten in dieser Saison schon viel zu feiern: Die Spieler (von links) Tim-Luca Pleuß, Henry Struwe und Tobias Müller haben mit TuS Hermannsburg in der Fußball-Bezirksliga für Furore gesorgt.
  • Von Jochen Strehlau
  • 18. Jan. 2023 | 18:00 Uhr
  • 18. Jan. 2023
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Hermannsburg.

Nur drei Punkte trennen die Hermannsburger, die vor allem auf dem heimischen Waldsportplatz kaum zu bremsen sind, von Tabellenführer TV Jahn Schneverdingen. CZ-Mitarbeiter Jochen Strehlau sprach mit dem Trainer-Duo Luan Münchberg (31) und Veysi Yavsan (39) über die Gründe des Erfolges, Saisonhöhepunkte und darüber, was sich personell während der Winterpause beim Klub aus dem Celler Nordkreis so getan hat.

Als Aufsteiger hat TuS Hermannsburg mit 39 gesammelten Punkten und vielen begeisternden Spielen auf sich aufmerksam gemacht. Haben Sie mit diesem starken Abschneiden gerechnet?

Luan Münchberg: Nicht wirklich. Ehrlich gesagt, konnten wir die Stärke dieser Liga überhaupt nicht einschätzen und hatten keinen bestimmten Platz anvisiert. Natürlich wollten wir die Klasse halten. Doch wir wollten immer das absolut Bestmögliche geben. An diesem Anspruch hat sich nichts geändert.

Das neue Trainer-Duo Luan Münchberg (links) und Veysi Yavsan arbeitet akribisch mit dem Team des Aufsteigers und will die Saison auf Augenhöhe mit den Topteams abschließen.

Sie sind sportlich so erfolgreich, dass man mit Blick auf die Tabelle vom Aufstieg in die Landesliga träumen könnte, oder?

Luan Münchberg: Die Landesliga ist aktuell überhaupt kein Thema. Wir genießen unseren Tabellenstand und freuen uns, dass es prima läuft. Der Top-Favorit auf die Meisterschaft ist ganz klar TV Jahn Schneverdingen. Für uns wäre es ein super Erfolg, wenn wir unseren Platz unter den Top Fünf behaupten könnten. Mit MTV Soltau, TV Meckelfeld und SG Scharmbeck-Pattensen bis zum Schluss auf Augenhöhe zu stehen, ist unser Ziel.

Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte der bisherigen Saison?

Veysi Yavsan: Natürlich der krachende 7:0-Auftakterfolg gegen VfL Maschen. Dann die tollen Heimerfolge in den Spitzenspielen gegen Borstel-Sangenstedt (2:0), Soltau (2:1) und Tabellenführer Schneverdingen (4:2). Auch der ziemlich glückliche 2:1-Derbysieg vor großer Kulisse gegen die SG Eldingen gehört dazu.

Der Hermannsburger Behudin Krdzic (Mitte) kommt im Derby gegen SG Eldingen zum Schuss.

Mit sieben Siegen aus acht Spielen sind Sie neben Schneverdingen das heimstärkste Team. Welche Rolle spielt das Hermannsburger Publikum dabei?

Luan Münchberg: Eine sehr große. Wir haben die meisten Zuschauer der Liga. Die Euphorie und die Begeisterung unserer Fans trägt uns. Unsere Zuschauer peitschen uns nach vorne. Das ist die Stimmung, die uns heiß macht und die wir einfach brauchen. Überhaupt bekommen wir im Ort sehr viel mehr Aufmerksamkeit als früher.

Kann man jetzt schon sagen, dass die Zusammenarbeit des Duos Münchberg/Yavsan für TuS Hermannsburg ein Glücksgriff ist?

Veysi Yavsan: Nach dem etwas überraschenden Rückzug unserer erfolgreichen Vorgänger Sievert Asmussen und Andreas Rißmann musste kurzfristig eine Lösung her. Ich hatte vom Mannschaftsrat und von unserem Spartenleiter Jörg Wagener freie Hand bei der Suche eines Trainer-Partners bekommen, denn alleine wollte ich den Job nicht machen. Zum Glück bin ich dann auf Luan gestoßen, der für uns anfangs ein großer Unbekannter war. Mit ihm hat es sozusagen „gefunkt“. Wir haben uns menschlich sofort verstanden und schnell gemerkt, dass wir fußballerisch die gleiche Philosophie vertreten. Luan, als gebürtiger Baden-Württemberger und ich als Hermannsburger Urgestein sind offensichtlich eine gute Kombination.

TuS-Spieler Torben Müller (links) guckt sich den Gegner aus.

Als gleichberechtigte Trainer investieren Sie viel Zeit in den Fußball und sind jeden Tag miteinander in Kontakt.

Luan Münchberg: Das ist richtig. 25 bis 30 Stunden die Woche sind wir mit Fußball beziehungsweise mit Training und Trainingsvorbereitung beschäftigt. Wir lernen ständig dazu, saugen alles auf und arbeiten sehr akribisch. Dabei sind wir sind auch sehr ehrlich zueinander, nehmen Kritik an.

Wie würden Sie Ihr Training charakterisieren?

Luan Münchberg: Es ist ein hartes, sehr lauforientiertes, aber niemals stupides Training. Wir machen sehr viel mit dem Ball. Im Moment trainieren wir drei bis viermal die Woche.

Haben Sie im Vergleich zur letzten Saison individuelle Verbesserungen festgestellt?

Veysi Yavsan: Definitiv! In diesem Team steckt ein Riesenpotenzial. Unsere Qualität ist die Unberechenbarkeit. So gut wie alle haben große Schritte nach vorne gemacht und ich müsste eigentlich fast jeden aufzählen. Stellvertretend möchte ich die stets Gas gebenden Torben und Tobias Müller erwähnen. Ebenso unsere Abwehrspieler Tristan Apelt und Robert Strüber sowie Kapitän Marcel Look. Sie sind in puncto Einstellung und Einsatzfreude große Vorbilder. Und was ein Henry Struwe als ständiger Antreiber für das Team leistet, ist ja ohnehin bekannt.

Hermannsburgs Kapitän Marcel Look führt sein Team regelmäßig zu Erfolgen.

Hat die Mannschaft auch taktisch dazugelernt?

Luan Münchberg: Auf jeden Fall! Unsere Basis ist das 4-2-3-1-System, das wir allerdings in ganz unterschiedlichen taktischen Ausprägungen beherrschen und anwenden. Zum Beispiel als aggressiven Pressing-Fußball oder als die zurückgezogene, abwartende Version.

Wer ist sonst noch im Hintergrund am Erfolg des Teams beteiligt?

Veysi Yavsan: Ein großer Glücksgriff ist Torwarttrainer Sven Rau, der unsere Keeper Robby Boldt und Hinrich-Fritjof Knoop zu stabilen Schlussmännern gemacht hat. Manager Luca Höppner ist nah an der Mannschaft und erledigt geräuschlos alle administrativen Arbeiten. Und zu guter Letzt ist da noch unsere Betreuerin Nancy Boldt, die als „Mutter für alles“ für saubere Trikots oder kleine Snacks zwischendurch sorgt.

TuS-Torjäger Fatih Yavsan (links) ist auf einem Auslandseinsatz der Bundeswehr und fehlt seinem Team in der restlichen Saison.

Hat sich personell noch etwas in der Winterpause getan?

Luan Münchberg: Für den Rest der Saison müssen wir leider auf unseren Torjäger Fatih Yavsan verzichten, der mit der Bundeswehr in einen Auslandseinsatz geht. Wir werden den Verlust aber als Mannschaft kompensieren und hoffen, dass Fatih gesund zurückkommt. Ansonsten konnten wir mit Dawid Kuklinski einen technisch versierten Spieler für das offensive Mittelfeld gewinnen. Mit Alex Moneta kommt ein Allrounder aus dem Kreis Lüneburg. Auch von Sinan Karak, der zuletzt für Firat Bergen am Ball war und in der Jugend bei Eintracht Braunschweig und VfL Westercelle ausgebildet wurde, erwarten wir uns einiges.