"Trainer müssen bessere Vorbilder sein"

Celle ist Vorletzter beim VGH-Fairness-Cup

Erneut gehört der Fußball-Kreis Celle zu den unfairsten in ganz Niedersachsen. Beim VGH-Fairness-Cup landete ein Celler Team sogar auf dem letzten Platz.

  • Von Lisa Brautmeier
  • 16. Aug. 2022 | 15:05 Uhr
  • 16. Aug. 2022
Nicht immer geht es im Fußball fair zu. Manchmal können Spieler wie hier Rodi Hezo (vorne) nur durch ein Foul gestoppt werden. Beim Thema Fairness ist bei vielen Mannschaften aus dem Landkreis Celle noch Luft nach oben.
  • Von Lisa Brautmeier
  • 16. Aug. 2022 | 15:05 Uhr
  • 16. Aug. 2022
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Celle.

Die neue Spielzeit ist angebrochen, auch in den unteren Ligen wird wieder Fußball gespielt. Und erneut hoffen alle, dass es dieses Mal ruhiger und vor allem fairer zugeht. Die Saison 2021/22 beendete Celle in der Wertung des VGH-Fairness-Cups auf Platz 31 von 32 Fußballkreisen des Niedersächsichen Fußball-Verbandes (NFV). Nur Ostfriesland schnitt schlechter ab.

Strafpunkte für jede Karte

Um den Fairness-Quotienten zu berechnen, werden Strafpunkte für Vergehen vergeben: Gelbe Karten werden mit einem, Gelb-Rote Karten mit drei, Rote Karten mit fünf Punkten bestraft. Für das Nichtantreten eines Teams oder Sportgerichtsurteile fallen je zehn Punkte an. Die Summe geteilt durch die Anzahl an absolvierten Spielen ergibt den Fairness-Quotienten. Für den Kreis Celle beträgt dieser 2,49. Ostfriesland kam auf einen Quotienten von 2,55. Zur Einordnung: Im Kreisvergleich schneidet Emsland mit einem Quotienten von 1,85 am besten ab.

Lachendorf im Kreis Celle am fairsten

Die fairste Mannschaft im Kreis Celle ist die SG Lachendorf-Beedenbostel (1,09), die es von 991 Mannschaften auf Rang 15 schaffte. Sehr zur Freude von Lachendorfs Fußball-Koordinator Maik Wundram. „Das ist eine schöne Bestätigung für die Mannschaft. Das Ergebnis spiegelt das Auftreten auf dem Platz wider“, sagt Wundram. Die SG hatte nur 22 Gelbe und eine Gelb-Rote Karte kassiert. Der Verein versucht, seinen Spielern den Fairplay-Gedanken bereits in der Jugend zu vermitteln. „Bei einigen anderen Vereinen steht das Ergebnis vor allem anderen. Das handhaben wir hier anders“, sagt Wundram.

Schiedsrichter Maximilian Heinel zückt den roten Karton. Für jede Karte gibt es in der Fairplay-Wertung Strafpunkte.

Großteil im hinteren Feld

Ebenfalls die Top 100 erreichten TuS Hermannsburg (Platz 70, Quotient: 1,41) und TuS Oldau-Ovelgönne (84, 1,45). Es sind nur kleine Lichtblicke, weil ein großer Teil der Celler Mannschaften in der Einzelwertung eher hinten zu finden ist. Allein 9 von 21 Teams haben es nicht mal unter die besten 800 Mannschaften geschafft. Und mit dem SV Dicle ist sogar ein Celler Team Schlusslicht der Fairplay-Tabelle geworden. Ausschlaggebend für einen Quotienten von 6,05 waren die Strafpunkte, die Dicle durchs Nichtantreten und aufgrund von Sportgerichtsurteilen erhalten hat.

Viel Gemecker von Beginn an

Ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckert haben sich die beiden Bezirksliga-Absteiger SC Vorwerk (Platz 928, Quotient 3,32) und SV Altencelle (899, 3,18). Schon vor der Saison hatte Achim Prüße, Spielausschuss-Vorsitzender des Fußballkreises Celle, kein gutes Gefühl. „Man kennt ja seine Pappenheimer“, sagt Prüße, meint damit aber nicht nur einen speziellen Verein. Für Probleme sorgen viele Mannschaften. Prüße: „In vielen Spielen wird von Minute 1 bis Minute 90 gemeckert. Da muss man sich nicht wundern, wenn es nach und nach mehrere Karten gibt.“

"Das Verhalten einiger Trainer und Betreuer ist inakzeptabel. Sie müssen wieder bessere Vorbilder sein."

Achim Prüße, Spielausschuss-Vorsitzender des NFV-Kreis Celle

Insgesamt stellte Prüße zuletzt vermehrt fest, dass es gar nicht die Spieler sind, die für eine teils hitzige Atmosphäre auf den Plätzen Sorgen. Vielmehr würde sich das von außen auf die Teams übertragen. „Das Verhalten einiger Trainer und Betreuer ist inakzeptabel. Sie müssen wieder bessere Vorbilder sein“, fordert Prüße.

Probleme ziehen sich bis in Kreisklasse

Zur Winterpause hatte der Fußballkreis Celle in der Zwischenwertung noch auf Rang 27 gelegen. Das Ergebnis ließ schon damals zu wünschen übrig. Kreisschiedsrichterobmann Kai Heuman bemängelte das Allgemeinverhalten vieler Teams. Aber etwas Positives gibt es doch. „Mir ist die Unversehrtheit der Schiedsrichter am wichtigsten. Zum Glück gab es da keine Übergriffe“, sagt Heuman. Trotzdem ging es teils rabiat zu. Es gab viele roten Karten. „Das zieht sich bis in die unteren Kreisklassen“, sagt Heuman. Und diese sind in der Auswertung des Fairness-Cups gar nicht aufgeführt.

Wie es besser geht, zeigt Bezirksligist SV Ippensen, der es mit nur 20 gelben Karten in 30 Spielen auf Rang eins der Fairplay-Wertung geschafft hat (Quote 0,67).

Celler Platzierungen in der Fairplay-Wertung

15. SG Lachendorf-Beedenbostel 

70. TuS Hermannsburg

84. TuS Oldau-Ovelgönne 

159. MTV Langlingen 

179. TS Wienhausen 

202. MTV Eintracht Celle 

248. VfL Westercelle II 

301. SV Garßen 

355. TuS Eversen-Sülze

509. TuS Eschede

694. SSV Südwinsen

727. SG Eldingen

811. FC Firat Bergen

820. VfL Wathlingen

835. MTV Eintracht Celle II 

881. VfL Westercelle 

882. SC Wietzenbruch 

890. TuS Celle FC 

899. SV Altencelle 

928. SC Vorwerk 

991. SV Dicle

Die Auswertung des Fairness-Cups umfasst alle 991 niedersächsischen Mannschaften
von den Kreisligen bis zur 1. Bundesliga.