SSV Groß Hehlen

Geringere Strafe für Spuckattacke

Hat er gespuckt oder nicht? Diese Frage beschäftigte das Bezirkssportgericht. Zum Eklat war es im Spiel zwischen SSV Groß Hehlen und SV Hambühren gekommen.
  • Von Heiko Hartung
  • 08. Nov. 2022 | 16:05 Uhr
  • 08. Nov. 2022
Weil der Schiedsrichter eine Spuckattacke sah, eskalierte die Fußballpartie zwischen SSV Groß Hehlen II und SV Hambühren II.
  • Von Heiko Hartung
  • 08. Nov. 2022 | 16:05 Uhr
  • 08. Nov. 2022
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Celle.

Teilerfolg für die Fußballer des SSV Groß Hehlen II: In der Berufungsverhandlung des Celler Stadtteilvereins gegen ein Urteil des Kreissportgerichts hat die nächsthöhere Instanz das ursprüngliche Strafmaß abgemildert.

Spuckattacke für Gericht „unstrittig“

Für das Bezirkssportgericht Lüneburg ist es zwar „unstrittig“, dass der Groß Hehlener Spieler Manuel Bässler seinen Gegenspieler Delil Güden vom SV Hambühren II im Punktspiel der 3. Kreisklasse angespuckt hat. Trotzdem wurde die Sperre von zwölf Pflichtspielen in eine Sperrstrafe von drei Monaten umgewandelt – mit der Möglichkeit, einen Teil zur Bewährung auszusetzen. Auch die Geldstrafe gegen den SSV in Höhe von 300 Euro wegen „schuldhaft verursachten Spielabbruchs“ wurde vom Gremium um den Vorsitzenden Rüdiger Wiegand halbiert.

SSV-Spielertrainer: „Akzeptieren Urteil“

Für Groß Hehlens Spielertrainer Stefan Lahme ist es zwar „bitter, dass auch das Bezirkssportgericht inhaltlich bei den – aus unserer Sicht – falschen Anschuldigungen geblieben ist“. Der 37-Jährige ist aber zufrieden, dass die Strafen des Kreissportgerichts Celle, die die Groß Hehlener als „zu hart“ empfunden hatten, nun herabgesetzt wurden. „Wir akzeptieren das aktuelle Urteil und damit ist die Sache für uns vom Tisch“, so Lahme.

Eklat nach Elfmeter für Hambühren

Rückblick: In dem Ligaspiel am 4. September hatte der Unparteiische dem Groß Hehlener Bässler nach einem Strafstoß in der 77. Minute die Rote Karte gezeigt, weil dieser dem 27 Jahre alten Hambührener Elfmeterschützen Güden ins Gesicht gespuckt haben soll. Der 22-jährige Beschuldigte blieb auch in der Berufung dabei, dass er nicht gespuckt habe. Es habe sich vielmehr um eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters gehandelt. Das Gericht folgte jedoch den Ausführungen des Referees und der Hambührener Akteure. Spartenleiter Oliver Herzog beteuerte: „Er hat ihm ins Gesicht gespuckt, und teilweise noch im Halsbereich auf dem Trikot war Spucke vorhanden.“

Beweisvideo mit mangelnder Qualität

In einem Amateurvideo, das als Beweismittel herangezogen wurde, sei das Anspucken selbst „wegen mangelnder Qualität“ nicht zu erkennen. Weil in dem Film aber zu sehen sei, dass der Schiedsrichter sofort nach dem Strafstoß die Rote Karte zeigt, sei es glaubhaft, dass „die Spuckattacke tatsächlich stattgefunden hat“.

Groß Hehlen verübt „Selbstjustiz“

Hinsichtlich des Spielabbruchs wollte Groß Hehlen in der Berufung eine Streichung der Geldstrafe sowie der Spielwertung (3 Punkte, 5:0 Tore für Hambühren II) erwirken. Nach den Turbulenzen hatte Lahme seine Mannschaft laut Schiedsrichterbericht aufgefordert, geschlossen den Platz zu verlassen. In der Verhandlung in Lüneburg plädierte Groß Hehlen darauf, die Partie lediglich „unterbrochen“ zu haben. Weil der in dem Video deutlich vernehmbare Ausspruch „Groß Hehlen, alle runter“ vom Gericht Lahme zugeordnet wurde, blieb es bei der Sicht, der SSV habe den Abbruch „schuldhaft verursacht“. Das Gericht sprach dabei von nicht hinnehmbarer „Selbstjustiz“. Bei der Reduzierung der Geldstrafe auf 150 Euro wurde allerdings berücksichtigt, dass die II. Mannschaft bislang nicht durch derartige Vergehen aufgefallen ist.

Sorge vor Rückspiel

Und auch Manuel Bässler kann wohl bereits an diesem Sonntag gegen TuS Bröckel II wieder auflaufen. „Er wird die Bewährungsauflage, zwei Trainingseinheiten unserer U8-Jugendmannschaft zu leiten, in dieser Woche erfüllen“, erklärt Lahme. Mit Sorge blickt der SSV-Spielertrainer auf das Rückspiel gegen Hambühren II Anfang April: „Das wird brisant. Hoffentlich leitet ein erfahrenes Schiri-Gespann die Partie.“