Oberliga Niedersachsen

Derbysieg dank Lucky Punch für Eintracht Celle

Derbysieger dank Glück, Geschick und Leidenschaft: MTV Eintracht Celle bezwang auch SV Ramlingen-Ehlershausen und setzte seine tolle Serie fort.
  • Von Oliver Schreiber
  • 31. Okt. 2022 | 16:20 Uhr
  • 31. Okt. 2022
Eintracht-Torjäger Luca van Eupen (hier beim Torschuss) setzte in der 86. Minute den Lucky Punch zum Derbysieg, Tom Schaper sorgte in der Nachspielzeit für den 3:1-Endstand.
  • Von Oliver Schreiber
  • 31. Okt. 2022 | 16:20 Uhr
  • 31. Okt. 2022
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Hilger von Elmendorff (rechts) überläuft Ramlingens Dennis Yeboah. Vor allem in der Anfangsphase stellte die Celler Angriffswucht den RSE vor große Probleme.
Celle.

Es waren rund 80 Minuten im Regionsderby der Fußball-Oberliga gespielt, als Hilger Wirtz, Chefcoach des MTV Eintracht Celle, seinem Co-Trainer Frank Steinkuhl zurief: „Wir brauchen einen Lucky Punch, wenn wir das Ding noch gewinnen wollen!“ Diese äußerst zutreffende Bemerkung setzte sein Team kurz darauf in die Tat um. In der 86. Minute flankte Hilger von Elmendorff in den Strafraum auf Luca van Eupen, der den Ball annahm, einen Gegenspieler ins Leere laufen ließ und die Kugel überlegt flach ins kurze Eck zum 2:1 schob. Es war der erste Schuss der Celler in der zweiten Halbzeit aufs Tor des SV Ramlingen-Ehlershausen – und letztlich die Entscheidung. In der Nachspielzeit machte der eingewechselte Tom Schaper nach einem Konter endgültig alles klar, als er alleine aufs RSE-Gehäuse zulief und eiskalt abschloss.

Talal Selo (am Ball) stand zum ersten Mal bei einem Oberliga-Spiel in der Startelf – und überzeugte auf ganzer Linie. Der 20-jährige Linksverteidiger, der bisher überwiegend in der Kreisliga kickte, zeigte technisches Können, war in der Defensive aufmerksam und setzte auch nach vorne Akzente.

Van Eupens Treffer zuvor war im wahrsten Sinne des Wortes ein Lucky Punch, denn bei seiner Ballannahme bekam er den Ball an die Hand, wie er später zugab. „Es war ein klares Handspiel, zum Glück konnte es der Schiri aus seiner Perspektive wohl nicht sehen“, schilderte der Eintracht-Torjäger die entscheidende Szene.

Eintracht-Trainer Hilger Wirtz sah eine starke Anfangsphase seiner Mannschaft mit viel Offensivpower. In der zweiten Halbzeit war es dann mehr eine Celler Abwehrschlacht.

Die Ramlinger protestierten, zeigten sich aber als faire Verlierer. „Herzlichen Glückwunsch an Eintracht zum Sieg. Natürlich ist es für uns ärgerlich, dass der Schiri das Handspiel nicht gesehen hat. Wir waren dem 2:1 sicherlich näher als Eintracht und hätten hier mindestens einen Punkt verdient gehabt, wenn nicht sogar den Sieg“, meinte Ramlingens sportlicher Leiter Kurt Becker – und traf mit dieser Aussage den Nagel auf den Kopf.

Eintrachts Michael Trautmann steigt vor Luca van Eupen zum Kopfball hoch. Der defensive Mittelfeldspieler zog sich bei einem Zweikampf eine Platzwunde am Kopf zu, spielte aber mit "Dieter-Hoeneß-Gedächtnis-Turban" weiter.

Dies gestand auch Wirtz ein. „Natürlich war das ein glücklicher Sieg für uns. Aber dieses Glück haben wir uns nicht nur in diesem Spiel, sondern schon über Wochen hart erarbeitet. Wir hatten in der zweiten Halbzeit wenig Zugriff aufs Spiel, Ramlingen hat dominiert. Aber wir haben unser Tor leidenschaftlich verteidigt und kaum Torchancen zugelassen“, resümierte Wirtz.

Faisal Soma (vorne), der hier an Ramlingens Torwart Blazej Gajda scheitert, riss zu Beginn des Spiels mit seinen Tempoläufen immer wieder Löcher in die RSE-Abwehr.

Doch es waren bei weitem nicht nur Glück und Leidenschaft, die dafür sorgten, dass der MTVE auch im siebten Spiel in Folge ungeschlagen blieb, dabei 17 von 21 Punkten holte und sich durch diese beeindruckende Serie vom letzten Platz auf Rang sechs katapultierte. Denn vor allem in der Anfangsphase zeigten die Blau-Weißen vor rund 450 Zuschauern in der Wilharm-Arena ihre Stärken. Dazu gehören durchdachte Offensivaktionen mit viel Spielwitz und Tempo. Bereits nach drei Minuten hatte Adrian Zöfelt die Führung auf dem Fuß, er lupfte den Ball aus Nahdistanz zwar über den bereits am Boden liegenden RSE-Keeper Blazej Gajda, allerdings auch am Tor vorbei.

Eintracht-Torjäger Luca van Eupen geht nach einem Zweikampf mit Ramlingens Max Kummer (links) zu Boden.

Drei Minuten später zielte Zöfelt dann genauer. Torwart Tim Freund spielte den Ball lang auf den Eintracht-Kapitän, der ihn auf van Eupen weiterleitete und dessen exakt getimten Pass wieder aufnahm, einen Schlenker machte und die Kugel aus 16 Metern mit links flach ins rechte Eck zur frühen Führung schoss.

Eintrachts Rechtsverteidiger Laurin Bonk (links), hier im Duell mit Ramlingens Max Kummer, schaltete sich wie gewohnt immer wieder in die Offensive ein. In der zweiten Halbzeit kam er kaum noch dazu, weil er in der Defensive viel zu beschäftigt war.

Die Celler blieben am Drücker und brachten die Gäste-Abwehr immer wieder in Verlegenheit. „In dieser Phase hätten wir das 2:0 nachlegen müssen. Leider hat Ramlingen da fast aus dem Nichts den Ausgleich erzielt und ist dann immer besser ins Spiel gekommen“, erklärte Wirtz.

Spätestens mit dem Tor zum 1:1 durch Utku Kani, der eine Flanke von Louis Engelbrecht am langen Pfosten unbedrängt aus Nahdistanz einköpfen durfte, änderten sich die Kräfteverhältnisse. Der RSE dominierte das Geschehen, allerdings ohne Durchschlagskraft im Angriff. Die Celler verteidigten mit großem Engagement ihr Tor – und setzten schließlich den Lucky Punch.