Oberliga Niedersachsen

Eintracht gegen Ramlingen: Das sagen die "Bosse"

Wer hat in der Region die Nase vorn? Vor dem Derby zwischen MTV Eintracht Celle und Ramlingen sprechen die "Bosse" Stefan Cohrs und Kurt Becker über die Beziehung der beiden Klubs zueinander, den Saisonverlauf, Zukunftsperspektiven – und das kommende Spiel.

  • Von Oliver Schreiber
  • 25. Okt. 2022 | 14:50 Uhr
  • 25. Okt. 2022
Im März 2022 trafen sich der MTV Eintracht Celle und der SV Ramlingen-Ehlershausen zum Testspiel. Die Celler gewannen mit 2:1, das Siegtor schoss Adrian Zöfelt (links).
  • Von Oliver Schreiber
  • 25. Okt. 2022 | 14:50 Uhr
  • 25. Okt. 2022
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Befreundet: Stefan Cohrs (links), Fußball-Abteilungsleiter beim MTV Eintracht Celle, und Kurt Becker, sportlicher Leiter des SV Ramlingen-Ehlershausen, setzen auf Kooperation statt Konfrontation.
Celle.

Am Samstag um 15 Uhr kreuzen sich zum ersten Mal in der Fußball-Oberliga ihre Wege: Der Tabellensiebte MTV Eintracht Celle (17 Punkte) trifft in der Wilharm-Arena im Regionsderby auf den Elften SV Ramlingen-Ehlershausen (15 Zähler). Im CZ-Doppel-Interview sprechen die beiden sportlich Verantwortlichen Stefan Cohrs (60) und Kurt Becker (68) über die Beziehung der beiden Klubs zueinander, den bisherigen Saisonverlauf, die Zukunftsperspektiven – und natürlich über das bevorstehende Spiel.

Cohrs arbeitet seit zehn Jahren im Abteilungsvorstand des MTVE und ist seit 2018 Vorsitzender. Becker ist seit über 26 Jahren so etwas wie der „Mister RSE“ mit diversen Funktionen: 22 Jahre fungierte er als Trainer, lange Zeit in Personalunion als sportlicher Leiter. Dieses Amt hat er auch heute noch inne, zudem ist er mittlerweile ebenfalls Vorsitzender. Von 1978 bis 1982 kickte Becker für den TuS Celle FC und war Kapitän der Landesmeister- und Pokalsiegertruppe von 1981.

Stefan Cohrs arbeitet seit zehn Jahren im Fußball-Abteilungsvorstand des MTV Eintracht Celle und ist seit 2018 Vorsitzender.

Die Partie zwischen Eintracht und RSE hat Derby-Charakter. Darin steckt immer viel Brisanz. Wie ist eigentlich das Verhältnis zwischen beiden Vereinen?

Kurt Becker: Absolut freundschaftlich, zumal ich ja auch mit Stefan privat befreundet bin. Ich durfte ja auch Gast beim Förderkreistreffen von Eintracht sein. Wir tauschen uns regelmäßig aus und haben Vertrauen zueinander.

Stefan Cohrs: Dem kann ich nur zustimmen. Wir treffen uns immer wieder mal und laden uns gegenseitig ein. Eine Rivalität wird es nur auf dem Spielfeld geben, natürlich auf faire Art und Weise. Zum Glück müssen Kurt und ich ja nicht spielen. (lacht)

Kurt Becker (links) kennt Hilger Wirtz aus dessen Zeit beim SV Ramlingen-Ehlershausen bestens. Becker ist so etwas wie der „Mister RSE“ mit diversen Funktionen: 22 Jahre fungierte er als Trainer, lange Zeit in Personalunion als sportlicher Leiter. Dieses Amt hat er heute noch inne, zudem ist er mittlerweile auch Vorsitzender. 

Was schätzen Sie am Gegner vom kommenden Samstag?

Cohrs: Vor allem schätze ich die handelnden Personen, in erster Linie natürlich Kurt. Was er und seine Mitstreiter da in Ramlingen seit über 25 Jahren auf die Beine gestellt haben, nötigt mir großen Respekt ab. Das ist auf allen Ebenen echt professionell mit einem treuen Sponsorenstamm, der stets erweitert und gepflegt wird. Dabei herrscht ein gutes Klima im Verein und eine familiäre Atmosphäre. Man kann schon sagen, dass Ramlingen so etwas wie ein Vorbild für uns war und ist.

Becker: Vielen Dank für die Blumen. Die Lorbeeren gebe ich gerne zurück. Was Eintracht da in den letzten Jahren aufgebaut hat, ist aller Ehren wert. Da steckt eine Philosophie dahinter, an der konsequent festgehalten wird. Auch in sportlich kritischen Phasen. Diese kontinuierliche Arbeit zahlt sich aus. Und die Truppe spielt einen super Ball.

Kurt Becker reckt als Kapitän des TuS Celle FC 1981 stolz den soeben gewonnenen Landespokal in die Höhe. Von 1978 bis 1982 kickte Becker für die Blau-Gelben, 1981 wurde er mit dem Club auch Niedersachsenmeister.

Bei so viel Harmonie untereinander „droht“ ja fast ein Freundschaftsspiel?

Becker: Keine Sorge, auf dem Platz endet die Freundschaft. Zumindest für 90 Minuten. Aber danach haben wir uns dann natürlich alle wieder lieb. (lacht)

Cohrs: So ist es. Es wird ein intensives und attraktives Spiel, das beide Mannschaften gewinnen wollen. Aber unabhängig vom Ausgang werden wir danach gemütlich ein Bierchen zusammen trinken. Das gehört sich einfach so.

Bei so viel buchstäblicher Eintracht vielleicht mal eine etwas fiese Frage: Welche Spieler des jeweilig anderen Clubs hätten Sie denn gerne in Ihren Reihen?

Cohrs und Becker unisono: Fiese Fragen beantworten wir nicht. (lachen)

Im Juli 2019 trafen der MTV Eintracht Celle und SV Ramlingen-Ehlershausen im Porta-Pokal aufeinander. Damals gewann der MTVE mit 4:0, unter anderem lief da noch Moussa Doumbouya (blaues Trikot) für die Celler auf.

Gibt es also keine Begehrlichkeiten?

Becker: Beide Mannschaften verfügen über viele tolle Spieler. Wir sind mit unserem Kader absolut zufrieden. Und wir würden auch an keinen Eintracht-Spieler herantreten, ohne das vorher mit den Eintracht-Verantwortlichen abzustimmen. So respektvoll muss der Umgang einfach sein und ist es auch.

Cohrs: Dem kann ich nur beipflichten. Es verbietet sich, öffentlich Spieler bei sich ins Gespräch zu bringen, die bei anderen Vereinen kicken. Wenn es zu Transfers zwischen beiden Vereinen kommen sollte, besprechen wir das zunächst untereinander.

2021 gewann der MTV Eintracht Celle den Porta-Pokal in Ramlingen. Gastgeber Kurt Becker (rechts) gratulierte dem Siegerteam.

Okay, bleiben wir sportlich. Wie sehr sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

Becker: Nur sehr bedingt. Wir liegen schon hinter unseren Erwartungen zurück. Unser Ziel waren die Top Sechs. Dazu fehlen uns vier, fünf Punkte, daher war die Saison bisher durchwachsen. Aber ich erkenne einen positiven Trend. Wir haben 6:0 in Gifhorn gewonnen und zuletzt beim 2:2 gegen Bersenbrück in der Schlussphase noch einen 0:2-Rückstand aufgeholt, wir hätten sogar noch gewinnen können. Das zeigt, dass die Moral der Mannschaft absolut intakt ist. Das lässt für das Spiel am Samstag und die Zukunft hoffen.

Cohrs: Ich bin sehr zufrieden. Wir hatten einen schwierigen Start. Da haben wir zwar nicht schlecht gespielt, aber eben kaum Punkte geholt. Wichtig war der 3:2-Sieg in Braunschweig, der hat uns gepusht. Und die Spiele danach vor allem gegen Topteams wie Heeslingen und Spelle waren überragend. Vor allem die Art und Weise, wie die Jungs kicken, gefällt mir sehr. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass der Abstand zur Abstiegsregion nur fünf Punkte beträgt. Und in dieser ausgeglichenen Liga kann alles passieren. Wir dürfen also keinen Deut nachlassen.

Gutes Stichwort, blicken wir nach vorne. Wo landet Eintracht, wo der RSE?

Becker: Wir halten an unserem Ziel, unter den Top Sechs zu landen, fest. Dafür müssen wir uns sicherlich noch steigern. Eintracht traue ich ebenfalls einen einstelligen Tabellenplatz zu und wünsche es dem Verein auch. Aber dann bitte einen einstelligen Platz hinter dem RSE, wir wollen da in unserer Region schon die Nase vorn haben. (lacht)

Cohrs: Wenn wir auf einem einstelligen Tabellenplatz landen, darf der RSE gerne vor uns liegen. Sollten wir das erreichen, können wir stolz sein. Aber unser Ziel war, ist und bleibt der Klassenerhalt. Das wird schwierig genug. Über eine Platzierung zu spekulieren, verbietet sich in der Liga fast, wenn man sieht, wie dicht alles beisammen liegt und welche Ergebnisse da teilweise zustande kommen. Wichtig ist nur, dass wir am Ende über dem roten Strich stehen.

Zu guter Letzt kommen Sie um einen Tipp für das Regionsderby natürlich nicht herum. Wie geht es denn aus?

Becker: 3:1 für den RSE. Nach einem tollen, mitreißenden und fairen Spiel vor hoffentlich vielen Zuschauern.

Cohrs: Letzteres unterschreibe ich sofort. Beim Ausgang des Spiels lege ich allerdings ein Veto ein. (lacht) Ich tippe auf einen 2:1-Sieg für uns. Danach kann Ramlingen meinetwegen alle Spiele gewinnen. Bis aufs Rückspiel natürlich.