Nach Rassismus-Vorfall

Lob für TuS Eversen-Sülze und TuS Celle FC

Nach einem rassistischen Spruch eines Zuschauers reagierten die Fußballer von Eversen-Sülze und TuS Celle in ihrer Kreisliga-Partie schnell. So beurteilt das Kreissportgericht den Fall (mit Kommentar).

  • Von Heiko Hartung
  • 12. Nov. 2022 | 07:05 Uhr
  • 12. Nov. 2022
Auf dem Sportplatz "Unter den Eichen" des TuS Eversen-Sülze kam es im Spiel gegen TuS Celle FC zu einem rassistischen Vorfall. 
  • Von Heiko Hartung
  • 12. Nov. 2022 | 07:05 Uhr
  • 12. Nov. 2022
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Dass bei einem Verhandlungstermin vor dem Kreissportgericht (KSG) alle Parteien ausdrücklich für ihr Verhalten gelobt werden, kommt auch nicht alle Tage vor. „Meistens sind wir gezwungen, zumindest für eine Seite eine Strafe auszusprechen“, sagt Celles oberster Sportrichter Dieter Westermann. „Doch in diesem Fall haben alle Beteiligten, die Vereine und das Schiedsrichtergespann alles richtig und vorbildlich gemacht.“

Fabian Danker, Abteilungsleiter TuS Celle FC, lobt das Verhalten des TuS Eversen-Sülze.

Zuschauer beleidigt schwarzen Spieler des TuS FC

Nach einem Zwischenfall in der Kreisligapartie zwischen TuS Eversen-Sülze und TuS Celle FC vom 25. September mussten sich Vertreter beider Klubs in einem Sportgerichtsverfahren verantworten. Was war passiert? Es lief die 75. Minute des Spiels, Gastgeber Eversen-Sülze führte auf dem Sportplatz Unter den Eichen bereits 2:0, als es plötzlich Tumulte auf der Tribüne gab. Auch Ersatzspieler und Betreuer liefen in Richtung eines Zuschauers. Dieser hatte einen schwarzen Spieler des TuS Celle FC rassistisch beleidigt. Laut Schiedsrichter lautete der genaue Wortlaut „Direkt abschieben“.

Trainer Sven Ewert verweist Pöbler vom Sportplatz

Daraufhin wurde das Spiel unterbrochen und der offenbar alkoholisierte Zuschauer von Eversen-Sülzes Trainer Sven Ewert des Sportplatzes verwiesen. Die Spieler des TuS FC um Trainer Eike Mach verließen zunächst den Platz und sammelten sich an der eigenen Auswechselbank. Nach wenigen Minuten kehrte das Team jedoch unter Beifall auf den Rasen zurück und die Partie (Endstand 4:0) wurde ohne weiteren Vorfall beendet.

Abteilungsleiter Klaus Schröter (links) und Trainer Sven Ewert vom TuS Eversen-Sülze haben im Umgang mit dem pöbelnden Zuschauer alles richtig gemacht.

Everser entschuldigen sich für Vorfall

„Nach einer kurzen Phase, in der wir uns als Mannschaft gesammelt und beraten haben, stand für uns fest, das Spiel fortzusetzen“, blickte Celles Abteilungsleiter Fabian Danker zurück. Schon zu diesem Zeitpunkt hätten sich einzelne Spieler und Verantwortliche des Heimvereins für den Vorfall entschuldigt. Danker lobte in seiner Stellungnahme ausdrücklich das schnelle Reagieren der Gastgeber nach der Entgleisung des Zuschauers.

Vereinsausschluss und Platzverbot

Auch nach der Partie sei die Kommunikation von Seiten der Sülzer sehr offen gewesen. „Man berichtete, dass der Verein sich von solch einem Verhalten distanziere und der Zuschauer sofort die Konsequenzen in Form von Vereinsausschluss und Besuchsverbot für sämtliche Sportstätten des Vereins tragen muss“, so Danker, der beim Sportgericht ein gutes Wort für den Ligakonkurrenten einlegte.

Lob vom Abteilungsleiter

Klaus Schröter, Fußballabteilungsleiter des TuS Eversen-Sülze, gab das Lob zurück: „Wir freuen uns, dass die Mannschaft des TuS Celle FC das Spiel fortgeführt hat, denn insgesamt war es ein faires Spiel und wurde souverän vom Schiedsrichtergespann geleitet.“

Kreissportgericht verhandelt Vorfall

Weil der Unparteiische einen Sonderbericht verfasste, landete der Vorfall trotzdem vor dem Celler Kreissportgericht. Dort urteilte der Vorsitzende Westermann: „Ein Verein hat kaum die Möglichkeit, auf einzelne Zuschauer im Vorfeld zu reagieren. Erst nachdem der Zuschauer zweifelsfrei rassistische Beleidigungen gemacht hatte, konnte der TuS Eversen-Sülze handeln.“ Weil der Heimverein letztlich aber doch für die Platzdisziplin verantwortlich ist, sah sich das Gremium gezwungen, dem TuS Eversen-Sülze eine Verwarnung auszusprechen. Von Strafen sah das Gericht aber ab.

Kommentar von Heiko Hartung Klares Signal Pöbeleien und unflätige Kommentare von Zuschauern sind bei Fußballspielen leider keine Seltenheit. Bis zu einem gewissen Grad gehört das wohl zum Fußball dazu. Doch wie sollen die Spieler, Trainer und Verantwortlichen reagieren, wenn eine Grenze überschritten wird und diskriminierende oder rassistische Sprüche auf den Rängen fallen? Die Akteure der Kreisligapartie zwischen TuS Eversen-Sülze und TuS Celle FC haben dazu eine vorbildliche Blaupause geliefert: Der Pöbler wurde nicht einfach ignoriert, sondern auf sein Fehlverhalten aufmerksam gemacht und vom Sportplatz entfernt. Dabei sind alle Parteien ruhig und besonnen geblieben und haben so ein Eskalieren der Situation verhindert. Vor den verbalen Entgleisungen Einzelner ist kein Verein gefeit. Die Reaktion der Celler und Sülzer gibt jedoch ein klares Signal an alle Besucher: Rassismus und Diskriminierungen haben auf einem Fußballplatz nichts zu suchen.