Juristisches Tauziehen

Celler Sportrichter wieder für Dicle zuständig

Die Revision des Fußballkreises Celle hatte Erfolg: Das Oberste Verbandssportgericht des NFV hat entschieden, dass das Kreissportgericht Celle zuständig ist für etwaige Vergehen des Fußballklubs SV Dicle Celle - und nicht das Bezirkssportgericht.

  • Von Heiko Hartung
  • 20. Jan. 2023 | 15:00 Uhr
  • 20. Jan. 2023
Die Fußballer des SV Dicle Celle (hier beim Treffen mit dem NFV-Konfliktlotsen Özcan Irkan im August 2022) fallen doch weiterhin unter die Zuständigkeit des Kreissportgerichts Celle.
  • Von Heiko Hartung
  • 20. Jan. 2023 | 15:00 Uhr
  • 20. Jan. 2023
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Celle.

Das juristische Tauziehen, welches Gericht bei etwaigen künftigen Vergehen des SV Dicle Celle zuständig ist, ist beendet. Die Entscheidung des Obersten Verbandssportgerichts des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV) vom Montag ist eindeutig: „Wir haben das Urteil des Bezirkssportgerichts Lüneburg aufgehoben. Für den SV Dicle ist für alle sportgerichtlichen Entscheidungen auf Kreisebene in erster Instanz das Kreissportgericht Celle zuständig – und nicht das Bezirkssportgericht“, erklärt Bernd-Peter Knafla, Vorsitzender des Obersten Verbandssportgerichts (OVSG).

Verstoß gegen Rechts- und Verfahrensordnung

Der 55-Jährige und seine zwei Beisitzer beriefen sich in ihrem Urteil auf Paragraf 5, Absatz 4 der Rechts- und Verfahrensordnung des NFV. Dort sei nicht vorgesehen, dass ein Gericht die Zuständigkeiten in der Rechtsprechung verändern kann. „Das Bezirkssportgericht hat zu unrecht so entschieden, es kann Verfahren nicht einfach an sich reißen“, verdeutlicht Knafla. Das Urteil der höchsten Fußball-Sportrichter des Landes ist nicht anfechtbar.

Vorsitzender des Obersten Verbandssportgericht des NFV, Bernd-Peter Knafla (links): „Das Bezirkssportgericht kann Verfahren nicht einfach an sich reißen.“

Dicle wollte gegen Sportrichter ermitteln lassen

Das jüngste Verfahren erklärt auch die Beweggründe des Bezirkssportgerichts (BSG): Die Lüneburger hatten in diesem konkreten Fall einen „besonderen Ansatz“ gesehen, da der SV Dicle einen Antrag auf Ermittlungen wegen sportrechtswidrigem Verhalten gegen den Vorsitzenden des Kreissportgerichts (KSG) Celle, Dieter Westermann, gestellt hatte. „Diese Tatsache rechtfertigt aber nicht eine andere Gerichtszuständigkeit“, stellt Knafla klar – zumal kein Verfahren gegen Westermann eingeleitet wurde.

Vorsitzender des NFV Kreis Celle, Jens-Holger Linnewedel.

Westermann und Linnewedel mit Urteil zufrieden

„Wir sind mit dem Urteil des OVSG sehr zufrieden. Es wurde dem Bezirkssportgericht Lüneburg verdeutlicht, dass es sich auch an die Rechts- und Verfahrensordnung des NFV zu halten hat“, sagte Westermann der CZ. Auch Jens-Holger Linnewedel (69), Vorsitzender des NFV-Kreis Celle, ist zufrieden: „Das Urteil entspricht unserem Rechtsverständnis. Jetzt hoffen wir, dass wieder Ruhe einkehrt.“

Der langjährige Vorsitzende des SV Dicle Celle, Davut Ekinci.

Ekinci: Lehnen Sportrichter wegen Befangenheit ab

Der langjährige Vorsitzende des SV Dicle, Davut Ekinci (49), nahm das Urteil gelassen hin: „Wir haben nichts gegen das Kreissportgericht Celle, es geht uns nur um die Person Westermann und seine Willkür gegen uns. Falls wir wieder etwas mit dem KSG zu tun haben sollten, werden wir ihn wegen Befangenheit ablehnen.“ Das Problem dabei: SV Dicle kann zwar einen Antrag auf Befangenheit stellen, aber ob dem stattgegeben wird, darüber entscheidet das KSG selbst. Westermann stellt klar: „Von der Unterstellung, dass das KSG Celle gegenüber einigen Vereinen befangen und nicht neutral ist, distanzieren wir uns vehement.“

Kurdische Kicker fühlen sich diskriminiert

Der Konflikt zwischen Dicle und Westermann schwelt seit Jahren. Der kurdisch geprägte Fußballclub ist wegen Vergehen auf und neben dem Platz „Dauergast“ beim Kreissportgericht. Die Kicker fühlen sich diskriminiert, werfen dem 63-Jährigen unfaire Behandlung vor.

Der Vorsitzende des Kreissportgerichts Celle, Dieter Westermann, steht auch als Schiedsrichter auf den Fußballplätzen des Landkreises.

Bezirkssportgericht Lüneburg mildert KSG-Urteil ab

Nach den jüngsten Vorfällen in einem Spiel der 1. Kreisklasse im September wollte das KSG einen Antrag auf einen einjährigen Ausschluss des SV Dicle aus dem NFV stellen. Die Fußballer von der Herrenwiese legten Berufung beim Bezirkssportgericht ein – und bekamen teilweise Recht. Das Lüneburger Gremium milderte persönliche Strafen gegen den Trainer und einen Spieler ab und setzte den Antrag auf Verbandsausschluss unter Auflagen aus. Zudem wurde festgelegt, dass das Celler Sportgericht künftig nicht mehr für die SVD-Mannschaften zuständig ist: „Eventuelle Vergehen, die der Verein SV Dicle Celle zu vertreten hat, fallen ab sofort in den Zuständigkeitsbereich des Bezirkssportgerichts“, urteilte dessen Vorsitzender Rüdiger Wiegand.

NFV-Kreis Celle legt Revision ein

Doch damit wollte sich wiederum das KSG Celle nicht abfinden und pochte auf Einhaltung der Rechts- und Verfahrensordnung. Der NFV-Kreis Celle legte daraufhin Ende November Revision bei den obersten Sportrichtern des Landes ein, um die Zuständigkeit letztinstanzlich klären zu lassen. Das ist nun geschehen.

SV Dicle spielt weiterhin auf Bewährung

Nicht angerührt wurde indes das Urteil des BSG, dass sich die Teams des SV Dicle künftig auf und neben dem Platz „sportlich einwandfrei“ verhalten müssen, wenn sie einem Ausschluss entgehen wollen. Der Klub spielt also weiterhin auf Bewährung. Das BSG selbst soll diese Auflagen überwachen. Damit das angemessen ausgeübt werden kann, sollen etwaige Verfahren gegen den SVD direkt in Lüneburg gemeldet werden. Westermann sieht darin keine Beschneidung seiner Kompetenz: „Das ist problemlos möglich.“