Fußball-Weltmeisterschaft

So blicken Celler Sportler auf die WM in Katar

Die Fußball-Weltmeisterschaft steht an, das WM-Gefühl bleibt aber aus. Celler Sportler schauen die Spiele trotzdem, üben aber auch harte Kritik. (mit Kommentar)

  • Von Lisa Brautmeier
  • 20. Nov. 2022 | 09:00 Uhr
  • 20. Nov. 2022
  • Von Lisa Brautmeier
  • 20. Nov. 2022 | 09:00 Uhr
  • 20. Nov. 2022
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Celle.

Die Außentemperaturen pendeln um den Nullpunkt, der erste Schnee fällt, Weihnachtsmärkte werden bald eröffnet. Und was war noch? Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar steht an und sorgt für reichlich Diskussionsstoff. Es ist nicht nur die ungewöhnliche Jahreszeit, die verhindert, dass die typische WM-Stimmung aufkommt. Es sind vor allem die nicht beachteten Menschenrechte des Gastgebers Katar, der das Turnier am Sonntag um 17 Uhr gegen Ecuador eröffnet. Im Celler Fußballkreis ist von WM-Euphorie nichts zu spüren.

„Ich werde einen Teufel tun und mir Partien wie das Eröffnungsspiel anschauen.“

John Breach, Spielausschuss-Mitglied des NFV-Kreises Celle

Eröffnungsspiel wird ignoriert

Zwar ergab eine CZ-Umfrage, dass die fußballaffinen Sportler nicht darauf verzichten werden, die Spiele der Deutschen oder andere für sie interessante Partien zu schauen, aber viele werden das Turnier weniger intensiv verfolgen als frühere Großereignisse. „Ich werde einen Teufel tun und mir Partien wie das Eröffnungsspiel anschauen“, sagt John Breach, Mitglied des Spielausschusses des NFV-Kreises Celle, und steht damit nicht alleine da. Auch Imke Wiedenroth, Kapitänin des Landesligisten TuS Bröckel betont: „Wir werden sicher nicht Katar gegen Ecuador schauen. Aber für ein, zwei Deutschland-Spiele werden wir uns bestimmt treffen und zusammen gucken.“

Zu frühe Anstoßzeiten

Das Zusammensein muss dieses Mal aber anders ausfallen als an warmen Sommerabenden. „Viele Bars und andere Einrichtungen zeigen die Spiele auch nicht. Ich weiß gar nicht, wo ich das erste Spiel gucke – falls ich freibekomme“, sagt Adrian Zöfelt, Kapitän des MTV Eintracht Celle. Denn die teils frühen Anstoßzeiten, wie bei Deutschlands erstem Spiel am Mittwoch um 14 Uhr gegen Japan, sorgen dafür, dass Spiele arbeitsbedingt gar nicht geschaut werden können.

Euphorie-Stopp aus mehreren Gründen

„Das Gesamtpaket passt nicht“, sagt der Westerceller Kapitän Philip Boie und weiter: „Man weiß ja von den menschenrechtlichen Umständen. Und dann kommt noch dazu, dass es Winter ist.“ Das alles lässt keine wirkliche WM-Stimmung aufkommen. Wobei sich die Stimmung für einige auch ohne die jetzige WM verändert hat. „Die Euphorie ist seit dem Titelgewinn 2014 eh zurückgegangen“, meint Christopher Lemp von der SG Eldingen. Er wird trotzdem einschalten, „weil ich das Sportliche von den Themen vor Ort trenne“, so Lemp.

Weitere Stimmen der Celler zur WM:

„Ich kann jeden verstehen, der die Spiele nicht schaut. Ich finde es aber wichtiger, dass die Mannschaften vor Ort ein Zeichen setzen.“ Adrian Zöfelt (MTV Eintracht Celle) zu den Forderungen nach einem Boykott der Weltmeisterschaft.

„Ich bin kein Freund von dem, was in Katar passiert, zum Beispiel von den homophoben Aussagen. Das ist sehr grenzwertig.“ Philip Boie (VfL Westercelle) über die Aussage eines WM-Botschafters, Homosexualität wäre ein „geistiger Schaden“.

„Die WM gehört in den Sommer. Das einzige Gute könnte sein, dass die Spieler nicht so müde gespielt sind wie nach einer Saison.“ John Breach (TuS Oldau-Ovelgönne) hofft auf einen englischen Erfolg, vermisst aber das typische WM-Gefühl.

„Die WM ist kaum präsent. Im Gegensatz dazu wurde die Frauen-EM viel mehr angepriesen als früher. Die hat echt Bock gemacht.“ Imke Wiedenroth (TuS Bröckel) zum Stimmungsvergleich zwischen den beiden Fußball-Großereignissen des Jahres.

„Der Fehler war, das Turnier überhaupt nach Katar zu vergeben. Ansonsten hätten wir diese ganzen Diskussionen jetzt nicht.“ Christopher Lemp (SG Eldingen) wird die WM zwar verfolgen, hält aber die Wahl des Gastgeberlandes für falsch.