Ausschluss abgewendet

SV Dicle Celle kommt mit blauem Auge davon

Der drohende Verbandsausschluss für die Fußballer des SV Dicle Celle ist vorerst vom Tisch: Das Bezirkssportgericht Lüneburg milderte ein älteres Urteil ab.

  • Von Heiko Hartung
  • 18. Nov. 2022 | 16:00 Uhr
  • 18. Nov. 2022
  • Von Heiko Hartung
  • 18. Nov. 2022 | 16:00 Uhr
  • 18. Nov. 2022
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Celle.

Erfolg für die Fußballer des SV Dicle Celle: Der drohende Ausschluss aus dem Niedersächsischen Fußballverband (NFV) für die Dauer von einem Jahr ist vorerst vom Tisch. Im Berufungsverfahren hob das Bezirkssportgericht (BSG) Lüneburg in der vergangenen Woche ein entsprechendes Urteil des Kreissportgerichts (KSG) Celle auf – allerdings auf Bewährung. Auch die vom KSG verhängte Geldstrafe in Höhe von 500 Euro wurde gestrichen, da die rechtliche Grundlage fehle.

„Von vornherein keinerlei Befürchtungen“

„Ich hatte von vornherein keinerlei Befürchtungen, dass es zu einem Ausschluss kommt“, sagt Davut Ekinci, langjähriger Vorsitzender beim SV Dicle. Die Verfehlungen, die seinem Verein in der Partie gegen MTV Ahnsbeck vom 3. September vorgeworfen wurden, rechtfertigten keine Strafe dieses Ausmaßes. In dem Heimspiel hatte es Platzverweise gegen den Dicle-Trainer und einen Spieler wegen Schiedsrichter-Beleidigungen beziehungsweise Unsportlichkeit gegeben.

SV Dicle bekommt Auflagen

Auch wenn die Strafen des Celler Sportgerichts deutlich abgemildert wurden, ein Freibrief ist das jüngste Urteil nicht: Das BSG erteilte dem Celler Klub mit kurdischen Wurzeln Auflagen, die „unbedingt beachtet werden“ sollten. Dazu gehört, dass die 1. und 2. Mannschaft des SVD sich künftig „sportlich einwandfrei auf und neben dem Spielfeld zu verhalten“ haben. Auch auf mögliche Provokationen von außen dürften von Spielern und Verantwortlichen keine Reaktionen erfolgen, „die erneute Sportgerichtsverfahren auslösen würden“. Bei Heimspielen sollen künftig vier, bei Auswärtsspielen zwei Platzordner eingesetzt werden. Auch hier milderte die höhere Instanz das Urteil ab: Das KSG hatte fünf Ordner bei jedem Spiel eingefordert. Zudem müssen beide Herrenteams zwei weitere Pflichttermine bei Konfliktlotsen des NFV vereinbaren.

NFV-Konfliktlotsen bei Verhandlung dabei

Bereits im Juli und August hatte sich der Konfliktlotse und Vorsitzende des Landes-Integrationsrats, Özcan Irkan, mit den Dicle-Kickern getroffen. Irkan und sein Kollege Atakan Koctürk waren bei der Verhandlung in Lüneburg dabei. Sie bescheinigten gegenüber dem Gericht, dass „der Verein auf einem guten Weg ist“, betonten aber, dass eine „Null-Toleranz-Politik“ gefahren werden müsse.

Celler Verein will sich neu strukturieren

Neben der positiven Prognose der Konfliktlotsen trug laut Urteil eine geplante Neustrukturierung des Klubs zum Aussetzen des Ausschlussantrags bei. So soll mit Jiyan Ekinci ein neuer Vereinsvorsitzender und Nachfolger von Davut Ekinci installiert werden. Daneben sollen Flüchtlinge aufgenommen werden, „um den sozialen Aspekt zu stärken“. Von „Generationswechsel“ und „Neuanfang“ wurde in diesem Zusammenhang gesprochen. „Und wir wollen zwei Jugendmannschaften und eine Ü32-Herren melden“, berichtet Davut Ekinci.

Kreissportgericht Celle nicht mehr für Dicle zuständig?

In der Verhandlung wurde zudem festgelegt, dass das Celler Sportgericht künftig nicht mehr für die Fußballer von der Herrenwiese zuständig ist: „Eventuelle Vergehen, die der Verein SV Dicle Celle zu vertreten hat, fallen ab sofort in den Zuständigkeitsbereich des Bezirkssportgerichts“, legte dessen Vorsitzender Rüdiger Wiegand fest.

„Ich bin über das Urteil etwas überrascht. Es beinhaltet aber einen großen Fehler.“

KSG-Vorsitzender Dieter Westermann

Sportrichter Westermann sieht Fehler im Urteil

In diesem Punkt sieht Westermann allerdings noch Diskussionsbedarf: „Ich bin über das Urteil etwas überrascht. Es beinhaltet aber einen großen Fehler“, so der Celler Sportrichter. Dass die sofortige Zuständigkeit für Verfahren des SV Dicle beim BSG Lüneburg liege, sei „sachlich einfach falsch“. Gemäß der Rechts- und Verfahrensordnung sei für alle Entscheidungen auf Kreisebene ausschließlich das KSG zuständig. „Da sind keine Ausnahmen aufgeführt“, so Westermann. Er habe den Vorstand des NFV-Fußballkreises Celle auf den Sachverhalt hingewiesen.

„Er hat ein persönliches Problem mit dem SV Dicle und ist befangen.“

Dicle-Verantwortlicher Davut Ekinci über Sportrichter Dieter Westermann

Dicle-Sprachrohr Ekinci erhebt Vorwürfe

Bei Davut Ekinci ist hingegen eine gewisse Genugtuung darüber herauszuhören, dass das KSG nicht mehr für seinen Verein zuständig sein soll. Das 49-jährige Sprachrohr des kurdisch geprägten Klubs erhebt schwere Vorwürfe gegen den KSG-Vorsitzenden Westermann: „Er hat ein persönliches Problem mit dem SV Dicle und ist befangen. Was er betreibt, ist reine Willkür. Uns gegenüber wird mit anderen Maßstäben geurteilt, als bei anderen Vereinen“, sagt Ekinci. In einer Erklärung vor dem Berufungsgericht meinte er: „Es ist offensichtlich, dass das KSG Celle ein Exempel statuieren wollte, um ein Signal der Abschreckung auch an andere Vereine zu senden.“

„Arbeiten an positivem Image“

Ihm sei bewusst, dass es in den vergangenen Jahren wiederholt unsportliche Aktionen durch Spieler, Verantwortliche und Zuschauer des SV Dicle gegeben habe, sagt Davut Ekinci. „Aber wir arbeiten an einem positiven Image.“