Aller Anfang ist schwer

SV Dicle will ramponiertes Image aufpolieren

Die Fußballer des SV Dicle Celle wollen ihren Ruf als Rüpel ablegen. Doch aller Anfang ist schwer. Trainer Edip Ekinci soll den Neubeginn moderieren, flog zuletzt aber selbst vom Platz. Der nächste Sportgerichtstermin steht schon vor der Tür. Der Coach spricht von einer systematische Benachteiligung des kurdischen Klubs.

  • Von Heiko Hartung
  • 21. Sept. 2022 | 11:00 Uhr
  • 21. Sept. 2022
  • Von Heiko Hartung
  • 21. Sept. 2022 | 11:00 Uhr
  • 21. Sept. 2022
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Celle.

Wie schwierig ein Neuanfang in Sachen Imagewandel sein kann, erfährt der SV Dicle Celle gerade. Nach etlichen Verfehlungen auf und neben dem Fußballplatz, Spielabbrüchen und Platzverweisen wollte der Klub aus der 1. Kreisklasse einen Schlussstrich unter seine Rüpel-Vergangenheit ziehen. Doch der nächste Termin vor dem Kreissportgericht steht schon vor der Tür.

„Wollen an unserem schlechten Image arbeiten“

Unter Trainer Edip Ekinci wurden zuletzt Unruhestifter im Team aussortiert. Auf dem Platz an der Herrenwiese sollte Ordnung herrschen, Störer unter den eigenen Fans wollte man nicht mehr dulden. „Wir wollen an unserem schlechten Image arbeiten“, sagte Trainer Ekinci.

Wieder Platzverweise für Dicle - auch Trainer Edip Ekinci sieht rot

Sind das nur Lippenbekenntnisse? Denn vier Tage, nachdem die Mannschaft bei einem Treffen mit Özcan Irkan, Konfliktlotse beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV), erneut den Willen zur Läuterung geäußert hatte, gab es den ersten Rückfall: Im Ligaspiel gegen MTV Ahnsbeck am 3. September hagelte es neben fünf Gelben Karten auch zwei Platzverweise. Ausgerechnet Trainer Ekinci selbst sah in der 65. Minute die Rote Karte, weil er laut Sonderbericht des Schiedsrichters nach einer Strafstoßentscheidung gegen Dicle „wild gestikulierend“ auf den Unparteiischen zugegangen sei und ihn beleidigt habe.

„Wir sind keine Waisenknaben. Aber bei manchen Schiris ist eine Eskalation vorprogrammiert, die kommen voreingenommen auf den Platz und haben uns von Anfang an auf dem Kieker.“

Dicles Trainer Edip Ekinci

Trainer bis zur Verhandlung gesperrt

Folge: Vertreter des kurdischen Vereins müssen erneut vor dem Kreissportgericht erscheinen. Die Verhandlung ist am 26. September. Bis dahin darf Ekinci sein Traineramt in Pflichtspielen nicht ausüben. Zudem werden Schiedsrichter zu den Spielen der 1. Herren des SV Dicle nur unter Bewährung angesetzt, teilte der Spielausschussvorsitzende des NFV Kreis Celle, Achim Prüße, mit. Die ersten Bewährungsproben hat Dicle bestanden: Beim Pokalspiel in Belsen und in der Liga gegen Altencelle II blieb alles ruhig.

Edip Ekinci: Schiedsrichter haben uns auf dem Kieker

Edip Ekinci ordnet die Vorfälle im Spiel gegen Ahnsbeck gänzlich anders ein als der Schiedsrichter. Der 36-Jährige spricht offen von Schikane „einiger weniger Schiedsrichter“ gegenüber seinem Klub: „Wir sind keine Waisenknaben. Aber bei manchen Schiris ist eine Eskalation vorprogrammiert, die kommen voreingenommen auf den Platz und haben uns von Anfang an auf dem Kieker.“

Wird mit zweierlei Maß gemessen?

Ekinci geht so weit, eine systematische Benachteiligung zu unterstellen. „Da wird mit zweierlei Maß gemessen und Strafen bei Kleinigkeiten ausgesprochen, die bei anderen Vereinen keine Konsequenzen haben“, so der Dicle-Coach.

„Ich sehe viele gute Ansätze beim SV Dicle, aber auch die Gefahr, dass man in alte Muster zurückfallen kann.“

NFV-Konfliktlotse Özcan Irkan

Begleitung durch Fußballkreis Celle für sinnvoll

NFV-Konfliktlotse Özcan Irkan (49), seit diesem Sommer Vorsitzender des Landes-Integrationsrates und selbst Sportrichter, hatte nach zwei Treffen mit dem Celler Klub Ende August gegenüber der CZ gesagt: „Ich sehe viele gute Ansätze beim SV Dicle, aber auch die Gefahr, dass man in alte Muster zurückfallen kann.“ Genau das ist offenbar passiert. Auf den neuerlichen Vorfall angesprochen, sagt Irkan: „Man kann nicht erwarten, dass in einem Fall wie beim SV Dicle von heute auf morgen alles perfekt funktioniert. Man muss an sich arbeiten.“ Irkan hält eine „Begleitung“ des Klubs durch den Fußballkreis Celle für sinnvoll, „bis sich die neuen Strukturen gefestigt haben“.

Runder Tisch frühestens nach Verhandlung

Beim NFV Kreis Celle bleibt man jedoch abwartend: „Über das weitere Vorgehen, auch in Sachen Runder Tisch (zwischen Vertretern des SV Dicle, des Fußballkreises sowie Schiedsrichtern, die Red.), wird nach der Sportgerichtsverhandlung entschieden“, sagt Prüße.

SV Dicle spendet für Lobetal-Spielplatz

Von dem Weg, sein Image aufzupolieren, will der kurdische Klub sich indes nicht abbringen lassen: Vergangene Woche übergaben Spieler der Herrenmannschaft einen Spendenscheck über 500 Euro an die Lobetalarbeit. Mit dem Geld will die Celler Behinderteneinrichtung Sportaktivitäten auf ihrem Abenteuerspielplatz in Wietzenbruch fördern. „Und wir laden Bewohner zu einem Heimspiel mit anschließendem Grillen ein“, sagt Sidan Alin.

„Wollen faire Chance bekommen“

Der 22-jährige Linksverteidiger des SV Dicle hat einen Wunsch: „Wir arbeiten an unserem Auftreten, aber wir haben das Gefühl, dass uns dabei Steine in den Weg gelegt werden. Dabei wollen wir einfach eine faire Chance bekommen, um unseren Ruf im Celler Fußball zu verbessern.“