Französische Gärtner

Sie setzten in Celle gärtnerische Akzente

Mehrere Franzosen haben im 17. Jahrhundert mit ihren Ideen das Erscheinungsbild des Französischen Gartens in Celle geprägt. Das weiß man über sie.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 02. Juli 2022 | 06:00 Uhr
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Celle.

Auf der Homepage der Celle Tourismus und Marketing GmbH heißt es: „Namensgebend für den Französischen Garten waren wahrscheinlich die in Diensten des Celler Herzogs Georg Wilhelm stehenden französischen Gärtner Henri Péronnet (ab 1670) und René Dahuron (1690 bis 1701). Letzterer war verantwortlich für die erste komplette Anlage eines Nutz- und Lustgartens in der höfischen Gartentradition des frühen 17. Jahrhunderts.“

Französische Gärtner in Celle keine Hugenotten, sondern Katholiken

Primär denkt man bei der Verknüpfung der Begriffe „Franzosen“ und „Celle“ in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts an die rund 350 französisch-reformierte Glaubensflüchtlinge (Hugenotten), die in der Residenzstadt Aufnahme gefunden haben. Doch in den Kirchenbüchern und weiteren Archivalien der Französisch-reformierten Gemeinde von 1686 bis 1805 taucht kein einziger Name eines französischen Gärtners auf. Diese zählten vielmehr zu den rund 200 frankophonen Katholiken, deren Mehrheit aus Nordfrankreich oder aus der Wallonie nach Celle zugewandert war.

Renaissancegarten in Celle umgewandelt

Der Landschafts- und Hofgärtner Henry Peronet (Perronet) (†1690) war mit der Katholikin Johanna Francisca La Perle verheiratet, der Witwe des Kammerdieners der Herzogin Eléonore d‘Olbreuse George Guyon, genannt La Perle. Der Barockgärtner soll auf Veranlassung von Eléonore d’Olbreuse nach Celle berufen worden sein. Bis 1690 gestaltete Peronet in seiner Funktion als Vorstand des Lust- und Küchengartens einen von einem deutschen Gärtner in den Jahren 1611 bis 1670 angelegten Renaissancegarten, der außerhalb der Celler Stadtmauer lag, zu einem Garten im französischen Stil um. 1677 wurde unter ihm für die Überwinterung der Pomeranzen, Zitronen- und Granatbäume eine Orangerie angelegt. Dieser bis heute erhaltene Park trägt seit 1678 den Namen „Französischer Garten“. Das 1711 auf dem Gelände des Gartens errichtete „Schlösschen“ war einst das Wohnhaus der Hofgärtner.

Henry Peronet hat sich gerne selbst in Szene gesetzt

In Herrenhausen war Peronet von 1674 bis 1678 mit der Planung eines Lustgartens befasst. Der bisherige deutschen Gartenmeister Anton Heinrich Bauer (1627 bis 1689) musste mit der Anstellung Peronets seine Kompetenzen aufgeben. Es wird berichtet, dass dieser vom französischen Gärtner „ausgebissen“ worden wäre. Der eitle Peronet verstand es auch, sich selbst in Szene zu setzen, wie von Katharina Peters geschildert wird: „Denn als Peronet wieder einmal mit glänzender Karosse in Herrenhausen eingefahren war, soll er vom jüngeren Bruder des Herzogs und späteren Kurfürsten Ernst August von Braunschweig-Calenberg (1629 bis 1698) ob seines Prunkes angesprochen worden sein. Als Peronet seinen Namen und Beruf nannte, soll Ernst August erbost zum Gartenmeister gesagt haben: ‚Es stünde Dir besser an, einen Spaten auf den Nacken zu nehmen, als in einer Carosse zu fahren‘. Peronet sei daraufhin ein Paar Schuhe gereicht und der vormalige Gartenmeister Bauer wieder in sein Amt gesetzt worden.“ Nachkommen Peronets zählten auch im 18. Jahrhundert nachweislich noch zu den Mitgliedern der katholischen Gemeinde in Celle.

René Dahuron – Katholik und Gartenbaumeister des Französischen Gartens

„Die genauen Lebensdaten (etwa 1660 bis 1730) und die Herkunft des Gärtners René Dahuron sind bisher im Dunkeln geblieben. Er ist zuerst 1688 in Linden bei Hannover nachgewiesen. Somit könnte er zu den 1665 vertriebenen Hugenotten gehört haben“ vermutet Clemens Alexander Wimmer. Er wundert sich freilich darüber, dass sein Name später nach seinem Wechsel nach Charlottenburg nicht in den Kirchenbüchern der französisch-reformierten Gemeinde Berlin auftaucht. Das Kirchenbuch der Französisch-reformierten Gemeinde Celle hatte der Autor nicht zu Rate gezogen. Doch auch dort wäre er nicht fündig geworden. Denn wie sein Vorgänger in Celle war auch der von 1690 bis 1701 als Gartenbaumeister des Französischen Gartens tätige René Dahuron (um 1660 bis 1740) ein Katholik, wie es 1696 der Todeseintrag seiner Tochter im Kirchenbuch der katholischen Gemeinde zu Hannover belegt.

In Versailles ausgebildet

Der Franzose, der aus Sargé-lès-le-Mans in der heutigen Region Region Pays de la Loire stammte, wurde unter dem 1688 verstorbenen Großmeister des französischen Gartenbaus Jean-Baptiste de La Quintinie in Versailles ausgebildet und führte vor seinem Umzug nach Celle seit 1685 die Aufsicht über den Garten des Grafen Platen in Linden. Da diese Jahreszahl mit der Aufhebung des Edikts von Nantes übereinstimmt, wurde fälschlich geschlossen, dass Dahuron, der mit Maria Vanton verheiratet war, ein Hugenotte war.

Verfasser mehrerer Werke zum Gartenbau

Im Französischen Garten ließ er unter anderem Spargel sowie Artischocken anbauen und legte 1695 die Lindenallee an. Von Celle aus wechselte Dahuron in die Dienste Friedrich Wilhelms I. nach Potsdam. Als Hofgärtner in Berlin war er unter anderem im Küchengarten von Schloss Charlottenburg für die Kurfürstin Sophie Charlotte tätig.

René Dahuron ist auch der erfolgreiche Verfasser mehrerer Werke zum Gartenbau. 1692 erschien in Celle sein 128 Seiten umfassendes Buch „Traité de la taille des arbres, [et] de la manière de les bien élever“, das mindestens 17 Auflagen mit unterschiedlichen Titeln erlebte. 1696 erschien eine Ausgabe in Paris und 1704 in Venedig eine Übersetzung ins Italienische. Das Manuskript dürfte jedoch schon vor 1692 verfasst worden sein. Im Vorwort, das auch in späteren deutschen Ausgaben übernommen wurde, bekannte sich der Gärtner zu den Lehren von Jean-Baptiste de La Quintinie, die er persönlich gehört und im Gedächtnis behalten habe. Clemens Alexander Wimmer schreibt: „Dahurons Werk verdient die Aufmerksamkeit wirklich, die ihm zuteil wurde. Abergläubische Wundermittel, von denen viele barocke Gartenbücher strotzen, fehlen ganz. Wir finden bei Dahuron die Unterscheidung in sog. Holzzweige, Fruchtzweige und Wasserzweige, die uns heute noch geläufig ist, ebenso das heute Stratifizieren genannte Verfahren, Obstsamen in einem Topf mit Erde zu überwintern usw. Mit Recht vermißte Dahuron bis dahin ein solches Werk.“

Werk über Gartenbau bei Julius Hoffmann in Celle und Leipzig erschienen

Bekannt geworden ist auch sein 1723 bei Julius Hoffmann in Celle und Leipzig erschienenes Werk mit dem langen barocken Titel „Der wohl-bestellte Garten-Bau, oder Gründliche Anweisung wie ein Küchen- Blum- und Baum-Garten wohl anzulegen und mit nützlichen so wol Ausländischen als Einheimischen Gewächsen/ Blumen und Bäumen zu besetzen und im Stande zu erhalten sey: Auch wie die Witterungs-Zeichen nach der gemeinen Practick abzunehmen Wobey I. Ein Medicinalisches Kräuter-Buch von Krafft und Wirckung der Kräuter und Anweisung zum Kräuter-Garten. II. Ein Monatlich Memorial wornach die Garten-Arbeit einzurichten. III. Ein Unterricht von der Bienen-Wartung. Bey dieser neuen Auflage verbessert und vermehret mit dem sehr herrlichen Tractat von Nützlichen Baum-Beschneiden und Der rechten Baum-Zucht Insonderheit der Zwerg-Bäume: sammt einer Verzeichniss des besten Franz. Obstes.“

Ratschläge für Pflanzen- und Baumzucht

Dieses ursprünglich auf Französisch verfasste Werk, in dem der Verfasser Ratschläge zur Pflanzen- und Baumzucht gibt, erlebte auch eine italienische und mehrere weitere deutsche Auflagen. In seiner Veröffentlichung erschütterte Dahuron unter anderem den Glauben an den Einfluss der Gestirne auf die Pflanzenwelt. Die in dem Buch enthaltenen Tafeln illustrieren das Beschneiden und Veredeln von Bäumen. Die 1738 und später erschienenen Deutschen Ausgaben laufen jedoch zu Unrecht unter Dahurons Namen, da der Gärtner nur der Verfasser eines Abschnitts dieser Bücher ist.

Ernst August Charbonnier für Großen Garten in Herrenhausen zuständig

Der dritte Gärtner (Gartenkünstler) in Celle mit französisch-wallonischem Migrationshintergrund, der nachweislich ebenfalls katholisch war, ist der in Osnabrück geborene Ernst August Charbonnier († 1749 Calenberger Neustadt bei Hannover). 1713 arbeitete er im Französischen Garten in Celle. Nur wenige Jahre später wurde er 1717 zum Nachfolger seines aus Liège (Lüttich) stammenden Vaters Martin Charbonnier († 1746 Wienhausen) für den Großen Garten in Herrenhausen ernannt. 1726 und 1727 schuf der Gärtner die Herrenhäuser Allee mit 1300 Linden als sichtbare Verbindung zwischen dem in der Stadt Hannover gelegenen Leineschloss und der Sommerresidenz in den Herrenhäuser Gärten. Zur gleichen Zeit plante er die Allee im Berggarten, die heute als Zufahrt von der Herrenhäuser Straße zum Welfenmausoleum dient.

Von einem vierten französischen Gärtner namens Carolus la Riviere ist nur das im katholischen Sterbebuch verzeichnete Todesdatum, der 4. Oktober 1723, bekannt.

Quellen

Katholisches Pfarramt St. Ludwig: Kirchenhandbuch von 1718 (enthält: Status animarum Communitatis Zellensis 19. April 1718).Hans-Georg ASCHOFF: Katholiken im Dienst der welfischen Höfe in Celle und Hannover zwischen 1665 und 1714, in: Markus A. Denzel/Matthias Asche/Matthias Stickler (Hgg.): Religiöse und konfessionelle Minderheiten als wirtschaftliche und geistige Eliten (16. bis frühes 20. Jahrhundert) (= Büdinger Forschungen zur Sozialgeschichte 2006 und 2007), St. Katharinen 2009, S. 85–118.Wilhelm BEUKEKE: Die Hugenottengemeinde Braunschweig (IV), in: Braunschweigisches Jahrbuch, Bd. 46, Braunschweig 1965, S. 24-77.René DAHURON: Vollständiges Garten-Buch, Darinnen sowohl Von einheimischen als ausländischen Gewächsen, Blumen und Bäumen gründliche Nachricht gegeben wird, Nebst einem Nützlichen Unterricht Von Der Bienen-Wartung; vom Baumbeschneiden; und der rechten Baum-Zucht; samt einem Verzeichniß des besten Frantz-Obsts. Mit nöthigen Kupfern gezieret, An vielen Oertern verbessert, von Druckfehlern gesäubert, und mit einem nützlichen Register versehen, Verlag: Weimar und Celle, Siegmund Heinrich Hoffmann 1743.René DAHURON: Il Giardiniero francese, overo trattato del tagliare gli alberi da frutto. Con la maniera di ben allevarli, trasportato dal francese. Cavate da Monsù della Quintinyé., come pure accresciuto in questa seconda edizione della Istruzione per la coltura de‘ fiori dello stesso Monsù della Quintinié, Girolamo Albrizzi, 1704.[René DAHURON]: Wohl-bewährte Garten-Geheimnisse, wie Pflanzen und Blumen-Gewächse zu tractiren. Nebst Sympathetischen Würkungen der Natur und einem Anhang von der rechten Baum-Zucht, insonderheit der Zwerg-Bäume und anderen Gärtnereyen aus dem Französischen übersetzt, Wien – Nürnberg 1756.Andreas FLICK: „Katholische Franzosen und Wallonen in Celle im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert“, in: Celler Chronik 26. Beiträge zur Geschichte und Geographie der Stadt und des Landkreises Celle, Celle 2019, 27-78.RWLE MÖLLER/Bernd POLSTER: Celle. Das Stadtbuch, Bonn 2003.Eduard OTTO (Hg.): Hamburger Garten- und Blumenzeitung, Bd. 21, Hamburg 1865.Katharina PETERS: Die Hofgärtner in Herrenhausen. Werk und Wirken unter besonderer Berücksichtigung der „Gärtnerdynastie“ Wendland, München 2013.Clemens Alexander WIMMER: Dahuron und Preudo Dahuron: Die Geschichte einer Obstbaum Monographie eine bibliographische Detektivarbeit, in: Zandera: Mitteilungen aus der Deutschen Gartenbaubibliothek e.V. Berlin, Bd. 8, 1993, S. 25-32.Seite „Ernst August Charbonnier“, in: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie (14.06.2022).
Von Andreas Flick