Vom Beckenrand springen erlaubt

Hundeschwimmen im Freibad ist ein Spektakel der besonderen Art

Das Hundeschwimmen im Freibad Wietze ist immer wieder ein Spektakel der besonderen Art. Hier ist das Springen vom Beckenrand ausdrücklich erlaubt.

  • Von Stefanie Franke
  • 25. Sept. 2022 | 09:05 Uhr
  • 25. Sept. 2022
Manchmal braucht es etwas Überzeugungsarbeit: Klappt der Sprung ins Wasser bei Lucy mit einem Leckerli?
  • Von Stefanie Franke
  • 25. Sept. 2022 | 09:05 Uhr
  • 25. Sept. 2022
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Wietze.

Der Parkplatz des Wietzer Freibades ist bis auf den letzten Platz besetzt. Schon beim Aussteigen hört man lautes Gebell und hin und wieder ein laut gerufenes „Hiiiiier!“. Vor einem SUV werden zwei klatschnasse Golden Retriever sorgsam mit Handtüchern abgerubbelt, bevor sie ins Auto steigen dürfen. Jedem Hundebesitzer ist klar: Es ist wieder Zeit fürs Hundeschwimmen. 86 Hunde und 300 Zweibeiner zieht das Spektakel der besonderen Art an diesem Nachmittag an.

Bereits zum dritten Mal hatte das Schwimmbad Wietze zum Abschluss der Freibadsaison nur für Vierbeiner und ihre Besitzer geöffnet. Am letzten Badetag des Sommers, bevor das Wasser abgelassen und das Freibad winterfest gemacht wird, durften sich die Hunde am kühlen Nass erfreuen und einen Sprung ins Becken wagen. Für so manchen eine echte Herausforderung. Unter ihnen waren auch die Hündinnen Lucy, Bee und Yuki mit ihren Besitzerinnen Sandra Pienkohs und Julia Mielke aus Bannetze.

Lucy, Bee und Yuki beobachten die anderen Hunde von der Wärmebank aus.

„Es ist hier immer so viel los“, sagt Sandra Pienkohs mit Blick auf die lange Warteschlange am Ende des vollen Parkplatzes. Sie ist schon zum dritten Mal mit von der Partie. Auch in den vergangenen Jahren ist sie mit ihren Hunden zum Ende der Saison ins Freibad gefahren. Erfahren hat Pienkohs davon im Internet. „Es gibt Seiten, auf denen Hundeschwimmen angekündigt werden. Das Wietzer Freibad ist eines der wenigen im Landkreis Celle, die das machen.“

Bee und Yuki sind echte Wasserratten

Die Hündinnen Lucy und Bee sind ihre eigenen. Bee hat sie im vergangenen Jahr selbst gezüchtet, Yuki ist eine Schwester aus demselben Wurf. Hündin Lucy, ein Cocker-Malteser-Mix, ist die Mutter der beiden. Der Papa des Wurfes ist ein Pudel. „Als wir letztes Jahr hergekommen sind, waren die beiden gerade ein paar Monate alt und sie sind noch nicht von allein ins Wasser gegangen“, erinnert sich Pienkohs. Im Freigewässer seien Bee und Yuki echte Wasserratten. Beim Stand-up-Paddling auf der Aller springen sie sogar von Brett zu Brett. Nur Mutter Lucy hält sich lieber zurück: „Bis zum Bauch ist ok.“ So auch an diesem Nachmittag: Nach dem Betreten des Bades nimmt sie mit ihren zwei Kindern erst einmal auf der Wärmebank Platz.

Manche halten sich vornehm zurück

Gespannt beobachten die drei kleinen Hunde das bunte Treiben rund um das Schwimmbecken. Während ein junger Golden Retriever euphorisch von Hund zu Hund läuft und jeden begrüßt, springt ein Australian Shepherd ohne langes Zögern mit Anlauf ins Becken. Vom Beckenrand springen ist heute ausdrücklich erlaubt. Nur wenige Meter weiter schwimmt ein schwarz-weißer Jack-Russell-Terrier begeistert eine Bahn nach der anderen, wobei er genau innerhalb der zwei schwarzen Markierungen am Boden des Schwimmbeckens bleibt. Doch was ist mit Lucy, Bee und Yuki? Sie halten sich noch vornehm zurück.

Rhani beim Schwimmen mit einem Wasserspielzeug.

Seufzend schälen sich Mielke und Pienkohs aus ihren Sachen. In weiser Voraussicht haben sie bereits Badesachen untergezogen, um ihren Vierbeinern den Einstieg ins Wasser zu erleichtern. Und so kommt es, dass die beiden Zweibeiner noch vor den Hündinnen im Wasser sind. Am Beckenrand treibend, versuchen sie, die drei Hunde zum Mitschwimmen zu überreden. Skeptisch stehen die kleinen Fellnasen am Rand, bevor Bee sich als Erste ein Herz fasst: Mit einem beherzten Hopser springt sie zu ihrem Frauchen ins Wasser. Bei Yuki braucht es etwas mehr Überzeugungsarbeit. Erst das Wasserspielzeug lockt sie ins Becken. In der Mitte des Schwimmbeckens rettet sie sich lieber schnell auf Pienkohs Schultern. Lucy bleibt ihrer Bis-zum-Bauch-Regel treu: Nachdem sie ins Wasser getragen wurde, erklimmt sie schnell wieder die Wärmebank.

„Hier ist ein Hund einfach Hund. Alle sind friedlich, außer vielleicht, wenn es um den eigenen Ball oder das Stöckchen geht“

Auf der angrenzenden Liegewiese spielen an diesem Tag die unterschiedlichsten Hunde: Rasse, Alter und Größe sind völlig nebensächlich. „Hier ist ein Hund einfach Hund“, sagt Sandra Pienkohs. „Nebenbei lernen sie spielerisch das richtige Sozialverhalten. Man lässt die Hunde laufen, keiner muss an die Leine und sie regeln alles ganz friedlich unter sich.“ Das fröhliche Miteinander der zahlreichen Hunde freut auch Anja Brauckmann aus Celle. Sie ist mit ihrer Familie und Hündin Rhani dabei. „Alle sind friedlich, außer vielleicht, wenn es um den eigenen Ball oder das Stöckchen geht“, meint sie lachend. Rhani war zuvor schon einmal beim Hundeschwimmen im Uetze und ist eine begeisterte Schwimmerin. „Hier im Freibad ist das auch etwas ganz anderes als draußen, das geht so nur einmal im Jahr. Rhani freut sich und wir freuen uns auch“, so Brauckmann.

Scheu vor dem Wasser verlieren

Für Jack-Russell-Hündin Coco ist es das erste Hundeschwimmen in ihrem Leben. Sie ist fünf Monate alt. Ihre Besitzer, Marcel und Katrin Piehpho, sind mit ihr aus der Wedemark hergekommen. „Wir waren mit ihr an der Ostsee, da war Wasser kein Problem“, erzählen sie. „In unseren Pool geht sie allerdings nicht. Sie soll die Scheu vor dem Wasser verlieren und natürlich viel Kontakt mit anderen Hunden haben. Es ist wie früher mit den Kindern: Man selbst sitzt an der Seite und guckt zu, während die Hunde spielen und planschen.

Yuki klettert auf Sandra Pienkohs Schultern 

Aussie-Rüde Jaki ist mit 15 Wochen einer der jüngsten Teilnehmer beim Hundeschwimmen in Wietze. Niko Bindon und Jessica Ibsch aus Ovelgönne haben den Welpen erst wenige Tage zuvor in ihre Familie aufgenommen. Der kleine Vierbeiner soll das Schwimmen lernen und mit anderen Hunden spielen. „Am Anfang war er sehr vorsichtig“, erzählt Ibsch. „An der Treppe war er ganz kurz bis zum Bauch im Wasser, auch beim Spielen war er noch zurückhaltend. Jetzt tobt er aber ganz fröhlich mit den anderen.“

Müde nach einem aufregenden Tag: Nach dem Schwimmen ruhen sich die Vierbeiner aus.

Auch Lucy, Bee und Yuki drehen noch einmal so richtig auf. Gemeinsam mit Coco und Jaki preschen sie über den Rasen. Jeder will als Erster bei dem knallorangen Apportierspielzeug ankommen und das eine oder andere Leckerli abgreifen. Währenddessen leert sich das Schwimmbecken. Auch für die drei Hunde aus Bannetze geht ein spannender Nachmittag zu Ende. Erschöpft kuscheln sie sich auf der Rückbank des Autos zusammen. Die Badeaufsicht dreht eine letzte Runde und sammelt vergessene Bälle ein. Das Wasser dieser Badesaison wird es bald nicht mehr geben – dafür aber jede Menge Erinnerungen an zahlreiche glückliche Hunde.