Westernreiten

Cellerinnen fiebern Traum von Deutscher Meisterschaft entgegen

Drei junge Frauen aus dem Landkreis Celle bereiten sich in Stedden auf die Deutsche Meisterschaften im Westernreiten vor. Eine Geschichte über ihre Liebe zu Pferden, einen außergewöhnlichen Sport und ihren großen Traum. 

  • Von Katharina Baumgartner
  • 07. Sept. 2022
  • 17:22 Uhr
08. Sept. 2022
 
Stedden.

Sie freuen sich riesig und sind voller Zuversicht: Julia Jäckel aus Lachendorf, Shari Hertrampf aus Hermannsburg und Laura Mangione aus Winsen fahren zur Deutschen Meisterschaft der Westernreiter. Die German Open (GO) der Ersten Western Union (EWU) finden vom 9. bis 18. September auf dem Gut Kreuth Matheshof in der Nähe von Nürnberg statt. Rund 600 Kilometer müssen die drei Reiterinnen dafür zunächst mit ihren Pferden zurücklegen. Schon das ist kein leichter Ritt.

"Ich bin sehr dankbar, meine erste Deutsche Meisterschaft mit Magic erleben zu dürfen.“

Julia Jäckel, Westernreiterin

Wunschziel: die Finals 

Jäckel, Hertrampf und Mangione wollen sich in den Vorentscheidungen gegen 80 bis 100 Starter pro Disziplin durchsetzen, um im nächsten Schritt in die Finals zu gelangen. Alle drei trainieren mit ihren Pferden auf der sogenannten "Bat Oak Ranch" in Stedden. Dort werden bereits die Gangarten Schritt, Trab und Galopp geübt und gefestigt und Spins, Rundown, die Voltenacht, der Sliding Stop, Turn und Rückwärtsrichten und der Zirkel-Galopp vervollkommnet.

„Nö, das wird nicht einfach“, sagt die Lachendorferin Julia Jäckel zu dem in den kommenden Tagen stattfindenden Großereignis in der Ostbayernhalle und im Stadion Kreuth in Bayern. Die bundesweite Konkurrenz sei stark. „Aber immerhin hab' ich bei der Landesmeisterschaft Bronze in der Western Horsemanship erreicht“, so die 36-Jährige. Das ist doch schon mal was, findet sie. Die erforderlichen Qualifikationen hat sie gemeinsam mit ihrem Pferd Magic im Laufe der Saison somit gut bestanden: „Ich bin sehr dankbar, meine erste Deutsche Meisterschaft mit Magic erleben zu dürfen.“

„Magic ist zuverlässig und mein Ruhepol“

Jäckel reitet seit 34 Jahren. „Reiten gelernt habe ich auf dem Selenenhof bei Margrit Gerbsch, im lilafarbenen Mickymaus-T-Shirt saß ich schon früh auf ihren Ponys“, sagt die pädagogische Mitarbeiterin der Paul-Klee-Schule und deutet auf ein Foto im Album ihrer Eltern. Neben dem Pferd Magic geht die rumänische Hündin Fly mit ihr durchs Leben.

Nun ist es die erste Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft für die junge Frau, die Magic, ihren zwölf Jahre alten Irish-Cob-Wallach behutsam über die Ranch führt. Er ist kein typisches Westernpferd und fällt eher unter den Aspekt der Sonderrasse. „Trotzdem gibt er immer sein Allerbestes für mich, ist in vielen Situationen mein Ruhepol und trägt mich zuverlässig durch die Prüfungen. – Wir sind jetzt gut aufeinander eingestellt.“ Gemeinsam starten sie in der Leistungsklasse 1/2A Senior Ranch Riding und Western Horsemanship.

Gesundheit des Pferdes geht vor

Ähnlich geht es Laura Mangione. Die 21-jährige Winserin trainiert auch täglich mit ihrem zwölf Jahre alten American-Paint-Horse-Wallach Bueno mehrere Stunden. „Allerdings haben wir einen zweiwöchigen Trainingsrückstand, denn Bueno konnte aufgrund einer allergischen Hautreaktion nicht geritten werden“, bedauert Mangione. Vermutlich seien Insektenstiche oder Pflanzen schuld an dem Ausschlag an Bauch und Beinen des Pferdes, hätten Experten festgestellt. „Da geht die Gesundheit meines Pferdes vor, und das Training wird hinten angestellt. Ich kenne unser Leistungsniveau und denke, dass wir das in der verbleibenden Zeit wieder erreichen können.“ Momentan sei der Trainingsrückstand zwar zu spüren, aber Laura Mangione ist optimistisch, dass es Pferd und Reiterin noch rechtzeitig schaffen. „Eine Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft wäre schon toll“, findet Mangione, die seit zwei Jahren eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Region Hannover absolviert.

In jüngeren Jahren war sie Leistungsschwimmerin in Wietze und stand als solche auch schon mal auf dem Treppchen. „Von der Berufsschule habe ich frei bekommen, im Dienst nehme ich Urlaub für meinen Sport.“

"Der größte Dank gilt meinem Pferd Bueno, der immer sein Bestes für mich gibt und mir diesen Traum, an der Deutschen Meisterschaft teilnehmen zu können, erfüllt.“

Laura Mangione, Westernreiterin

Teilnahme als Team ist Reiterinnen wichtig

Solange sie denken kann, reitet sie. Angefangen hat sie auf dem Blue Trail Western Stable bei Andrea Quaß in Bannetze. Seit sechs Jahren ist Bueno an ihrer Seite. In der Disziplin Trail gab es bei der Landesmeisterschaft bereits Bronze, in der Western Horsemanship wurde sie Vierte.

Eigentlich sind Julia Jäckel und sie Konkurrentinnen, da sie in der gleichen Leistungsklasse antreten, aber davon wollen beide nichts wissen, und sie beteuern den Teamgeist: „Uns ist die Teilnahme an den German Open als Team wichtig“, unterstreicht Julia Jäckel und findet Zustimmung bei Laura Mangione. „Die einzelnen Disziplinen werden in einem Vorlauf geritten, und die besten Pferd-Reiter-Kombis kommen dann in das Finale. – Ich starte in der Leistungsklasse 2/1A Senior Trail und Western Horsemanship“, sagt Mangione. „Der größte Dank gilt meinem Pferd Bueno, der immer sein Bestes für mich gibt und mir diesen Traum, an der Deutschen Meisterschaft teilnehmen zu können, erfüllt.“

Amtierende niedersächsische Jugendlandesmeisterin im Ranch Riding und Vizemeisterin im Trail ist die 18-jährige Shari Hertrampf aus Hermannsburg bereits und damit im Jugendkader Niedersachsen/Hannover, für den wie in Kreuth die Mannschaft Ranch Riding reitet. „Ich reite, seit ich laufen kann“, sagt die Schülerin des Christian-Gymnasiums. Sie möchte im kommenden Schuljahr ihr Abitur machen. Was danach kommt? „Erstmal ein Studium und dann hoffentlich ein Beruf, in dem ich Zeit und Geld habe, um meinem Hobby, dem Westernreiten nachzugehen“, sagt Hertrampf mit Blick auf die Zukunft.

„Mein größter Dank geht an meine Eltern, vor allem an meine Mama."

Shari Hertrampf, Westernreiterin

Nach Abitur ein Pferd kaufen

Nach Kreuth begleitet sie ihre Mutter. Immerhin nehmen sie drei Pferde mit: das eigene Pferd Flash, ein Quarter-Horse-Wallach, der seit nun schon neun Jahren an ihrer Seite ist, sowie das Pferd Bentley einer Freundin und das Pferd Tinsel der Trainerin. „Mit Bentley hoffe ich auf einen guten Platz in der Disziplin Western Pleasure, in der die Haltung und Bewegungen des Pferdes bewertet werden, und mit Tinsel möchte ich ins Finale in der Ranch Riding kommen.“ Mit Flash startet Shari in der Leistungsklasse 1/2B im Trail, Horsemanship und Ranch Riding: „Mein größter Dank geht an meine Eltern, vor allem an meine Mama, die mir die German Open zum einen finanziell ermöglicht und zum anderen durch ihre Unterstützung auf den Turnieren und im Training.“ Reiterlich gesehen möchte sie nach dem Abitur ein Nachwuchspferd kaufen, mit dem sie auf Turnieren weiter aktiv sein und unter anderem ein wenig Reining starten kann.

Reiterinnen trainieren allein mit Pferden

Überwiegend trainieren die drei Reiterinnen allein mit ihren Pferden. Der Berufsreiter Philipp Dammann von der Eagle Free Ranch in Steyerberg bei Nienburg gibt Julia Jäckel und Laura Mangione alle paar Wochen Instruktionen und vermittelt, worauf die Pferd-Reiterin-Teams achten sollten. Jasmin Andersdotter aus Aachen trainiert im Zwei-Monats-Rhythmus mit Shari Hertrampf und korrigiert Pferd und Reiterin.

„Der Reitsport ist ein teurer Sport.“

Shari Hertrampf, Julia Jäckel und Laura Mangione

„Sponsoring könnte gute Hilfe Sein“

„Der Reitsport ist ein teurer Sport“, da sind sich alle drei einig. Zur Deutschen Meisterschaft seien nicht nur Startgeld zu zahlen, sondern auch für die Pferde muss während der zwölf Tage gesorgt werden. Hinzu kommen Transport und Verpflegung für die Tiere und regelkonforme Outfits für die Reiterinnen. „Da könnte gezieltes Sponsoring schon eine gute Hilfe sein“, wirbt Jäckel um Unterstützung und bekommt den Beifall ihrer Mitstreiterinnen.

Gemeinsam leben die drei Celler Teilnehmerinnen den olympischen Geist, dass dabei sein das Wichtigste ist, und wünschen sich für den bevorstehenden Wettbewerb: „Hab’ Spaß!“.