Sozial engagiert

Weit gereist und heimatverbunden

Rudi Peters kümmert sich seit Jahren engagiert um sein dörfliches Umfeld. In jungen Jahren hat es ihn aber erst einmal in die Ferne gezogen.
  • Von Georg Wießner
  • 06. Aug. 2022 | 13:00 Uhr
  • 06. Aug. 2022
  • Von Georg Wießner
  • 06. Aug. 2022 | 13:00 Uhr
  • 06. Aug. 2022
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Scharnhorst.

Viele Großstädter zieht es aufs Land, und das hat gute Gründe: Es ist die romantische Vorstellung von Ruhe, Natur und einer intakten dörflichen Infrastruktur mit einem Gasthaus und einem kleinen Einkaufsladen mit frischem Gemüse vom Hof. Das alles gibt es tatsächlich, aber man vergisst schnell, dass es Menschen braucht, um diese ländliche Idylle zu schaffen und auch zu erhalten. Einer dieser engagierten Menschen ist Rudi Peters, der im Laufe der Zeit viel Herzblut investiert hat, um seine Heimat Scharnhorst und Eschede als lebens- und liebenswerte Orte zu erhalten.

Erdverbunden aufgewachsen

Geboren 1956, ist er auf einem traditionsreichen Bauernhof in Scharnhorst aufgewachsen, erdverbunden zwischen Kühen, Schweinen, zwei Pferden und einem Hofhund. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, diese Lebensweisheit ist ihm von seinen Eltern vorgelebt worden, und daran richtet er immer noch sein Handeln aus.

Schlag fürs Gemeinschaftsleben

Als 2005 der Besitzer des „Gasthauses zur Post“ krankheitsbedingt aufhören musste, war das ein schwerer Schlag für das dörfliche Gemeinschaftsleben. Jahrzehntelang wurde hier diskutiert, gegessen, getrunken und gelacht, und viele Vereine nutzten den Versammlungsraum für ihre Treffen. „Mir war wichtig, dass wir die Kneipe im Dorf lassen“, sagt Rudi Peters mit einem Augenzwinkern.

Zahlreiche helfende Hände

Gleichgesinnte setzten sich zusammen, um nach einer Lösung zu suchen. Sie gründeten eine GmbH, zahlten die Hälfte der benötigten Summe ein, nahmen für die andere Hälfte eine Hypothek auf und erwarben das Gasthaus. „Viele Leute hielten das für verrückt, wo es doch überall ein Kneipensterben gab“, blickt Peters zurück. Aber das war erst der Beginn, es folgten unzählige Stunden zahlreicher helfender Hände, um durch Renovierung, Um- und Anbau dem Gasthaus sein altes, neues Gesicht zu geben, so wie es heute von so vielen Menschen geschätzt wird.

Feiern in altehrwürdigem Ambiente

Mittlerweile werden wieder viele Hochzeiten dort gefeiert, darunter weiße, goldene und kurdische. Und nicht nur die Tanzschule brachte Bewegung in die Räume. Veranstaltungen wie die „Irische Nacht“ oder die „Schlagernacht“ ziehen regelmäßig viele Feierlustige aus der weiträumigen Umgebung in das altehrwürdige Ambiente.

Gelebte Demokratie

Sein Engagement gegen die NPD in Eschede und deren regelmäßige Treffen am Rande des Ortes kommt nicht von ungefähr, es ist ihm praktisch in die Wiege gelegt worden: „Meine Großeltern waren Menschen mit Herz und Haltung. Als ihnen während des Zweiten Weltkriegs ein gefangener polnischer Soldat zur Hilfe auf dem Hof zugewiesen wurde, war es für sie selbstverständlich, dass er mit ihnen zusammen am Tisch die Mahlzeiten einnahm. Sehr zum Missfallen von manchen überzeugten Nazis im Dorf, vor denen sie niemals einknickten“, erzählt der Scharnhorster.

Besuch in Polen

Der Kontakt war nach dem Kriege im Laufe der Jahre eingeschlafen. Eine spätere Reise nach Polen im Rahmen eines studentischen Austauschprogramms kam leider zu spät, um den zum Freund gewordenen ehemaligen Soldaten zu besuchen. Seine Witwe war sehr gerührt, als sich Rudi Peters mit wenigen Polnisch-Kenntnissen vorstellte und nach ihrem Mann Felix fragte. Ihr Mann war schon verstorben, sie hatte aber offenbar ein sehr gutes Bild von den Scharnhorster Großeltern und der Zeit, die ihr Mann auf dem Hof verbracht hatte.

Freiheit und Abenteuer

Wie viele junge Männer zog es Rudi Peters nach der Schule zunächst einmal in die Ferne. Ein kleines Dorf, auch wenn es geliebt wird, war nicht das, was er sich unter Freiheit und Abenteuer vorstellte. Zunächst ging es zum BWL-Studium nach Göttingen, um später im Rahmen eines anderthalbjährigen „work-study-programs“ der Carl-Duisberg-Gesellschaft mit einem Stipendium des Auswärtigen Amtes die USA näher kennen zu lernen. In New York City bemerkte er, dass sich das Leben im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ mitunter recht rau gestalten konnte. Mehrmals hörte er bei seiner Suche nach Job und Unterkunft den Satz: „You are welcome but help yourself“.

In gegenseitigem Respekt

Schließlich fand er beides, und in einer WG in Manhattan entwickelte sich eine Freundschaft zu einem 55-jährigen Koreakrieg-Veteranen: „Er war ein Lebenskünstler, gebildet und sehr aufmerksam. Er erklärte mir das Land, die Machtstrukturen, vermittelte mir viele seiner Erfahrungen, wir redeten über das Leben und den Tod, über Gott und die Welt. Das eine Jahr in der Stadt hat mich stark beeinflusst. Mein Sinn für Fairness, Respekt und Toleranz wurde geschärft, und ich habe gelernt, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen sehr gut nebeneinander in gegenseitigem Respekt leben können“.

Soziales Engagement

Im Laufe der Jahre hat er viele Länder bereist, neben einigen europäischen Nachbarländern und den USA auch Äthiopien, Iran, Kasachstan, Madagaskar, Tadschikistan und Thailand. Bei seinen Erzählungen fällt auf, dass für ihn touristische Sehenswürdigkeiten keine Rolle spielten, sondern Begegnungen mit Personen immer den höchsten Stellenwert einnahmen. Er lernte Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Religionszugehörigkeiten kennen, wurde manchmal zu ihnen nach Hause eingeladen. Gewisse Glaubensgrundsätze sind für ihn von elementarer Bedeutung: „Die zehn Gebote respektiere ich als guten moralischen Kompass, ich fasse sie unter dem Begriff „Respekt“ zusammen. Entsprechend einfache und grundlegende Regeln für ein Zusammenleben in Frieden finden sich wohl in allen Religionen“.

Veranstaltungen auf dem Hof

Zu seiner Überzeugung, dass Hilfsbereitschaft ein hohes menschliches Gut ist, passen seine Mitgliedschaften: Die „Initiative Zusammen“ wurde 2015 gegründet, um Geflüchteten zu helfen, die Unterkunft, Sprachkenntnisse und Arbeit suchten. Seit 2016 unterstützt er das Kinderhilfswerk „PLAN International“ mit einer Patenschaft und durch seine Mitarbeit in der PLAN Aktionsgruppe Celle. Auf seinem Hof finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt – Konzerte, Lesungen, Theaterstücke, Ausstellungen. Auch die Mieter, menschliche wie tierische, schätzen das Ambiente: Regelmäßig suchen Mehl- und Rauchschwalben den ehemaligen Kuhstall als ihren bevorzugten Nistplatz auf, in der Kartoffelscheune wohnen Fledermäuse, über die der zertifizierte Waldpädagoge Clwyd Owen aus Hermannsburg an den Juli-Samstagen erstmals bei „Fledermausabenden“ den Teilnehmern viel Interessantes zeigen und berichten konnte.

Pflege der Website hält auf Trab

Als nächstes werden im Abstand von zwei bis vier Wochen wieder drei Open-Air-Konzerte stattfinden. „Die Pflege der Website www.suedheidehof.de, der persönlichen Kontakte und über die sozialen Medien hält mich ganz gut auf Trab. Und ich hoffe, dass ich noch lange und mit viel Freude für alle eine gute Auswahl an Events stattfinden lassen kann“, schaut Rudi Peters optimistisch in die Zukunft.

Lebenslauf

1956

geboren

1975

Abitur am Hermann-Billung-Gymnasium Celle, danach Grundwehrdienst

1977 bis 1982

Studium der BWL in Göttingen

1981

Praktikum im Kohlebergwerk Wujek in Sosnowiec, Polen

seit 1982

Berufliche Tätigkeiten zunächst als Programmierer, später als Systemanalytiker, Software-Berater und -Trainer

seit 2005

Mitglied im „AK für Demokratie und Menschenrechte“ / „Bündnis gegen Rechtsextremismus“

seit 2020

Unterstützer von BüfE (Bürger für Eschede)