Gabriele Banning

Plötzlich Weihnachtsfrau

Plötzlich wurde Gabriele Banning zur Weihnachtfrau. Die CZ stellt die Ahnsbeckerin, die viele Jahre auf der Suche nach ihrer Mutter war, vor. Frohe Weihnachten!

  • Von Christopher Menge
  • 24. Dez. 2022 | 07:44 Uhr
  • 24. Dez. 2022
Als Weihnachtsfrau ist Gabriele Banning seit diesem Jahr unterwegs.
  • Von Christopher Menge
  • 24. Dez. 2022 | 07:44 Uhr
  • 24. Dez. 2022
Anzeige
Ahnsbeck.

Mit fünf Jahren hat Gabriele Banning in ihrer Geburtsstadt Berlin schon einmal den Weihnachtsmann getroffen, vor einigen Wochen hat die 72-Jährige nun ihren Traum-(Weihnachts)mann kennengelernt. Willi Dahmen eroberte nicht nur das Herz der Ahnsbeckerin, er überzeugte sie auch, ihn künftig als Weihnachtsfrau zu begleiten. "Als ich meinem jüngsten Sohn erzählt habe, dass ich Weihnachten nicht zum Essen kommen kann, weil ich mit dem Weihnachtsmann unterwegs bin, hat er gelacht", sagt Gabriele Banning. Auch ihrer Schwägerin musste sie absagen – der neue Job geht vor. "Ich mag Weihnachten", sagt Gabriele Banning, die selbst schon ein Weihnachtswunder erlebt hat.

Aufgewachsen ist Gabriele Banning in Berlin, wo sie als Kind schon einmal den Weihnachtsmann traf.

Leibliche Mutter über Facebook gefunden

"Ich bin ein Adoptivkind", erzählt die Weihnachtsfrau. Jahrelang sei sie auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter gewesen. Nachdem sie über das Auswärtige Amt den Namen herausbekommen hatte, suchte sie bei Facebook. Kurz vor dem Weihnachtsfest 2012 fand sie ihre Mutter Gina in dem sozialen Netzwerk – die Antwort kam prompt. "Das war ein schönes Weihnachtsgeschenk", sagt Gabriele Banning.

"Diesen Moment kann man gar nicht beschreiben."

Gabriele Banning

Im Februar folgte dann einer der schönsten Momente in ihrem Leben. Mit ihrer Freundin Anke reiste sie in die USA und traf dort ihre leibliche Mutter. "Ich hatte bei Facebook Fotos gesehen, aber am Flughafen war es dann schon ein komisches Gefühl", berichtet die Ahnsbeckerin. Als sie ihre Mutter in die Arme schloss, flossen die Tränen. "Diesen Moment kann man gar nicht beschreiben."

Und noch mehr: Gabriele Banning lernte nicht nur ihre Mutter kennen, sie erfuhr auch, dass sie vier Schwestern hat. "Meine Mutter hatte in Berlin einen US-Soldaten kennengelernt, der in Deutschland stationiert war", berichtet sie. So sei Gina in die USA gekommen, nachdem sie Gabriele zur Adoption freigegeben hatte. Ihre Mutter habe später auch nach ihr gesucht, aber ohne Erfolg. Wenige Monate, nachdem sie ihre älteste Tochter doch noch getroffen hatte, starb sie in der Nähe von Seattle.

Weihnachtsfrau ist in Berlin aufgewachsen

Aufgewachsen ist Gabriele Banning in Berlin, mit 21 Jahren bekam sie ihren ersten Sohn, ein gutes Jahr später ihre Tochter und fünf Jahre später ihren jüngsten Sohn. "Ich wollte nicht, dass die Kinder in der Großstadt aufwachsen", sagt die Weihnachtsfrau und verweist auf den Verkehr in der Stadt, die seit der Wiedervereinigung wieder Bundeshauptstadt ist. Über Lüchow-Dannenberg kam die Familie nach Suderburg, wo die Kinder heute noch leben. "Familie ist mir sehr wichtig", sagt die 72-Jährige. Einmal am Tag hätten alle am Tisch zum Essen zusammensitzen müssen, um sich auszutauschen und zu reden.

Weihnachtsmann Willi Dahmen kennengelernt

2002 landete Gabriele Banning im Landkreis Celle – erst in Wienhausen, dann in Wathlingen und Langlingen, seit 2005 lebt sie in Ahnsbeck. Im Januar starb ihr Mann nach schwerer Krankheit. Nach einigen Monaten entschied sich Gabriele Banning, einen neuen Partner zu suchen. "Ich wollte nicht den Rest meines Lebens alleine sein", sagt sie. Über das Internet lernte sie Willi Dahmen kennen, den Celler Weihnachtsmann. "Wir haben uns in Celle in einem Café getroffen – und es hat geschnackelt", sagt die Ahnsbeckerin lächelnd. Die beiden wurden ein Paar und Gabriele Banning zur Weihnachtsfrau.

Zuletzt hatte die gelernte Bürokauffrau und Friseurin beim Bäcker in Ahnsbeck gearbeitet. "Jetzt sprechen mich alle nur noch mit Weihnachtsfrau an", sagt Gabriele Banning, die sich als sehr harmoniebedürftig beschreibt: "Wer mit mir streiten will, muss sich schon ganz schön anstrengen." Dass sie mal in die Zeitung und ins Fernsehen komme, habe sie sich nie träumen lassen. Eigentlich sei sie sehr zurückhaltend, ruhig und bescheiden. In der Öffentlichkeit stehe sie nicht gerne. "Ich lache gerne und mache meine Späßchen", sagt die gebürtige Berlinerin. Auch mit dem Weihnachtsmann habe sie viel Spaß zusammen.

Gabriele Banning hat Teddybären selbst genäht

Viel Freude bereitet ihr zudem alles, was mit Kreativität zu tun hat. "Für die Kinder habe ich viel genäht und gestrickt", erzählt die Frau, die auch zwei Enkel und mehrere Stiefenkel hat. Zudem habe sie unzählige Teddybären genäht – zum Verschenken, zum Verkaufen, zum Selbstbehalten.

Gabriele Banning hat unzählige Teddybären selbst genäht

Einmal pro Jahr verreist sie mit ihrer Freundin Anke, die seit 2007 ihre Nachbarin in Ahnsbeck ist. "Hauptsache warm – Wasser, Strand, Sonne", sagt die Weihnachtsfrau zu den Reisezielen. Ansonsten habe sie immer etwas zu werkeln. "Nur momentan komme ich zu nichts." Gemeinsam mit ihrem Weihnachtsmann ist sie auf Tour. Insbesondere bei kleinen Kindern, die etwas Angst vor dem Weihnachtsmann haben, kommt die Weihnachtsfrau gut an. Es sei schön, die glücklichen Kinder zu sehen. "Den zweiten Weihnachtstag haben wir dann für uns", erzählt Gabriele Banning. Einen Tag später will Willi Dahmen seinen Bart abschneiden. "Ich kennen ihn bisher nur mit Bart", sagt seine Weihnachtsfrau. Das Weihnachtsessen mit der Familie soll nach den Feiertagen oder Anfang Januar nachgeholt werden. "Hauptsache, man kommt zusammen", sagt Gabriele Banning, die mit dem Weihnachtsmann noch viele schöne Jahre haben möchte. "Ich wünsche mir, dass wir gesund und glücklich bleiben."

Lebenslauf

Juni 1950

in Berlin geboren

1955

zur Adoption freigegeben

1971

Geburt von Sohn Sascha

1972

Geburt von Tochter Tanja

1977

Geburt von Sohn Borris

2002

Umzug in den Landkreis Celle

Oktober 2022

Partnerschaft mit Willi Dahmen

Dezember 2022

Als Weihnachtsfrau unterwegs