Mitglied bei Nabu und Oldtimer-Fans

Celler Typ liebt Natur und edle Traktoren

Der gelernte Schmied Burkhard Kuchenbuch schwingt mit 89 Jahren auf seinem Hofgelände in Oldendorf noch den Hammer. Seit rund 30 Jahren ist er Mitglied beim Naturschutzbund und besucht regelmäßig Oldtimertreffen.

  • Von Georg Wießner
  • 21. Jan. 2023
  • 14:00 Uhr
21. Jan. 2023
 
Das Foto zeigt Burkhard Kuchenbuch 1940 als Schüler.

Begriffe wie „unverwüstlich“ oder „eisern“ kommen einem in den Sinn, wenn man Burkhard Kuchenbuch zusieht, wie er energischen Schrittes das weitläufige Hofgelände durchquert. 89 Jahre alt ist er vor Kurzem geworden, und man ist sich sicher, dass er sich auch einmal in die Riege der Hundertjährigen im Landkreis Celle einreihen wird.
Das Lebenselixier des gelernten Schmieds breitet sich vor dem Besucher aus: Werkzeuge in allen Größen und Formen, Arbeitsmaterialien, drei Feuerstellen − alles unter dem natürlichen Dach von uralten Eichen. Und als Wahrzeichen: die Esse und der eherne Amboss, vor dem der 89-Jährige auch heute noch regelmäßig den Hammer schwingt. Das Gelände ist das Paradies eines jeden leidenschaftlichen Heim- und Handwerkers mit seinen großzügigen Scheunen, die vor vielen Jahren Kühen und Schweinen als Unterstand gedient haben. Vieles, was an dem etwas abseits der Oldendorfer Hauptstraße gelegenen Fachwerkhaus an Umbauten zu bewundern ist, hat er mit seinen eigenen Händen geschaffen. Später kam dann die fach- und tatkräftige Unterstützung seines Sohnes Serge dazu, der die handwerkliche Liebe seines Vaters teilt und das Tischler-Handwerk gelernt hat.

Burkhard Kuchenbuch als junger Mann 1953.

Serge – ein seltener Name in heimischen Gefilden, und Burkhard Kuchenbuch klärt auf, welche Geschichte damit verwoben ist: „Mein Sohn wurde in einer Zeit geboren, als der Kalte Krieg als latente heiße Bedrohung in den Köpfen der Menschen herumspukte. So habe ich meinem Sohn einen Namen gegeben, der auch im Russischen sehr geläufig ist. Sollte tatsächlich ganz Deutschland einmal kommunistisch werden, hoffte ich, dass der Name meinem Sohn einen gewissen Schutz bieten würde.“ Seine große Sorge vor einem Krieg hatte auch ganz persönliche Gründe, denn sein Vater war in Stalingrad gefallen. Auch nach so vielen Jahren kommen ihm die Tränen, wenn er auf das Thema angesprochen wird: „Ich sage bewusst nicht, dass er gestorben ist, denn die Realität war, dass er an der Front elendig verreckt ist.“ Es war das gemeinsame tragische Band, das er mit seiner Frau Irma teilte, deren Vater als Soldat den Zweiten Weltkrieg auch nicht überlebt hatte.

Tod des Vaters hinterlässt Spuren

Bei der Führung über das Hofgelände präsentiert Burkhard Kuchenbuch das neueste Ergebnis seines kreativen Unruhestandes: ein liebevoll mit Natursteinen versehenes Häuschen, das im Frühjahr seine ersten Mieter beherbergen wird, nämlich eine Schar von Hühnern mit einem prächtigen Hahn dazwischen. „Ich erfülle mir damit einen lange gehegten Traum“, berichtet er, „bei meinen vielen Reisen durch Deutschland habe ich zahlreiche Dörfer gesehen, und immer wenn ich einen Hahn auf einem Heuhaufen mit seinem prächtigen Gefieder erblickt habe, ging mein Herz auf“.

Burkhard Kuchenbuch vor seinem neuesten Projekt: einem Hühnerstall.

Das Herz für Tiere ist ein Teil seiner großen Liebe zur Natur und seit rund dreißig Jahren ist er Mitglied im Naturschutzbund (Nabu). Die majestätischen Eichen auf seinem Gelände bringen zwar jedes Jahr viel Arbeit bei der Laubentsorgung mit sich, aber sie aus diesem Grund abzuholzen, würde für ihn niemals in Frage kommen. „Steingärten und sterile Rasenflächen sind für mich ein Graus. Die Natur zu bewahren, ist manchmal mit ein wenig Aufwand verbunden, aber ihre Bedeutung kann man nicht hoch genug schätzen“, erklärt der Naturliebhaber. Massentierhaltung lehnt er strikt ab. Gerne zitiert er dabei auch seinen Lieblingsdichter Hermann Löns, der schon vor über einhundert Jahren konstatierte: „Schwächen wir die Natur, so schwächen wir uns; morden wir sie, so begehen wir Selbstmord.“

Mit seinen 89 Jahren schwingt der gelernte Schmied Burkhard Kuchenbuch noch den Hammer.

Beim letzten Teil der Hofführung zeigt Burkhard Kuchenbuch seinem Besucher einen ganz besonderen Schatz, wohlgehütet in einer großen Scheune: Drei alte Hanomag-Traktoren nennt er sein Eigen, und stolz legt er seine Hand auf die auf Hochglanz polierte Motorhaube. Schon seit seiner frühen Jugend ist er von stilvollen Fahrzeugen fasziniert, wahlweise mit zwei oder vier Rädern. Schon von seinem ersten Lehrlingsgehalt kaufte er sich ein gebrauchtes „Anker“-Motorrad. Die Strahlkraft der formschönen, edel verarbeiteten Traktoren des Hannoveraner Nutzmaschinenherstellers Hanomag ließ ihn nicht los.

Nabu-Mitglied und Oldtimertreffen

1997 war es dann so weit, sein Sohn gab ihm den Tipp, dass ein Traktor günstig zu erwerben sei. Der Oldtimer-Liebhaber musste nicht lange nachdenken und ergriff die Gelegenheit beim Schopf. Mit der Zeit haben sich noch zwei weitere Hanomag-Exemplare sowie ein Lanz „Bulldog“ dazugesellt. Das Hobby eröffnete ein neues Kapitel in seinem Leben. Er wurde regelmäßiger Gast bei Oldtimertreffen, für die er sich als Übernachtungsgelegenheit einen nicht minder stilvollen, holzverkleideten Schausteller-Wagen zulegte. 36 Jahre lang hat der gelernte Schmied als Fernfahrer bei der Bundesbahn gearbeitet. Eine Zeit, in der er viel gesehen und erlebt hat und die er nicht missen möchte.

Als Fernfahrer für die Deutsche Bahn in Berlin 1967: Burkhard Kuchenbuch.

Aus Schmied wird Fernfahrer

Ein zufälliges Ereignis spielte eine große Rolle, dass er seinem ursprünglichen Beruf den Rücken kehrte: Nachdem er erfolgreich die Ausbildung in einer Schmiede absolviert hatte, blieb er dem Meisterbetrieb auch danach für ein halbes Jahr treu. Dann kam der Tag, als der Meister, schlecht gelaunt, ihm einen kräftigen Schlag in den Nacken versetzte, um seinem Ärger über irgendetwas Ausdruck zu verleihen. Der kräftige junge Mann versetzte seinem Chef daraufhin einen Stoß, sodass dieser sich der Länge nach hinlegte. Die Szene danach hätte einem Laurel-und-Hardy-Film entsprungen sein können: Der Meister rappelte sich auf und versuchte vergeblich, seinen ehemaligen Lehrling zu erwischen, um ihm eine Tracht Prügel zu verpassen. Der nahm erfolgreich Reißaus, war aber seinen Job los. Jahre später trafen sich die beiden Männer wieder, der Ärger war längst verflogen, und gemeinsam bei einer Tasse Kaffee plauderten sie über alte Zeiten.

Auf die Frage, ob er viele gute Wünsche zum Geburtstag auf seinem Smartphone erhalten habe, antwortete der Jubilar mit einem Lachen: „So wohlhabend bin ich nicht“, und gab damit humorvoll zu verstehen, dass er sich beim besten Willen nicht vorstellen kann, stundenlang auf einen Bildschirm zu starren. Sein Leben war immer real, und das soll sich auch nicht mehr ändern: in der Natur, an der frischen Luft und mit Menschen und Dingen, die man auch anfassen kann. Zum Schluss verriet er noch das Geheimnis für seine langjährige, robuste Gesundheit: frisch gekochter Eintopf, Quark und täglich eine Knoblauchzehe.