Typenportrait

700 Flaschen und ein paar Utensilien

Gunter Weigang aus Offen hat eine der größten Flaschensammlungen der Region im Keller. Nun sucht er allerdings einen Nachfolger.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 20. Aug. 2022 | 15:04 Uhr
  • 20. Aug. 2022
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Offen.

Gunter Weigang aus Offen: Der Mann hat nicht nur eine der größten Flaschensammlungen der Region im Keller. Er ist, was Getränke und die Historie ihrer Abfüllung angeht, ein „wandelndes Lexikon“. Speziell auch, was die Celler Brautradition angeht. Viele der Unternehmen, von denen Weigang leere Bier-, Brause- oder Mineralwasserflaschen hat, sind längst nicht mehr auf dem Markt. Aber die Flaschen, in denen sie einst beispielsweise den ober- oder untergärigen Gerstensaft verkauften, die erzählen in Form und Verschluss von der historischen Entwicklung der Getränkeabfüllung.

Bierflasche aus dem 19. Jahrhundert

Und Sammler Gunter Weigang weiß diese Geschichten, in verbal-plastischer Art, detailliert und umfangreich darzustellen. Gleichgültig, ob es sich dabei nun um die älteste Bierflasche seiner Sammlung handelt, ein Produkt der Schilling-Brauerei aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, oder ob es um die ersten Mineralwässer aus England geht, die mit Kohlensäure versetzt waren. Die Briten beherrschten die Beifügung und Haltbarkeit dieser prickelnden Bläschen seit etwa 1800. So zumindest erklärt es der Offenser, der sich nicht nur am Erwerb, dem Aufbewahren und dem Ansehen der gläsernen Zeitzeugen erfreut. Er ging außerdem den Hintergründen ihrer Entstehung auf den Grund. Bügelverschlüsse oder Kronkorken, Glas- oder PET-Flaschen, Gunter Weigang hat alles in seiner Sammlung.

Bierflasche weckt Interesse

Die Leidenschaft begann, so erinnert sich der gelernte Maschinenschlosser, mit dem Fund einer geschichtsträchtigen Bierflasche auf dem Gelände des Wohnhauses am Klaasberg. Bei Drainage-Arbeiten im Jahr 1974 war das, da kam sie aus dem Erdreich zum Vorschein. Weigang bewahrte sie auf und steckte hin und wieder Blumen hinein. Eines Tages war das gute Stück spurlos aus dem Haus verschwunden. Den Versuch einer intensiven Lösung des Rätsels bedurfte es nicht, es gab bald „Nachwuchs“. Weigangs Interesse war geweckt.

Keller beherbergt 700 Flaschen

Die nach und nach eintrudelnden Objekte der Begierde wurden anfangs in einem Regal im Wohnzimmer aufbewahrt. Später wurde die Zahl größer und größer, es ging ab in den Keller. Dort bietet sich nunmehr dem Betrachter der Anblick von 700 Flaschen, und ein paar anderer Utensilien wie Gläser oder Getränketaschen. Wobei auf der einen Seite des Raums die Geschichte von Bier und Brause präsentiert wird.

Flasche aus der Goldgräberzeit

Unter den Objekten befindet sich nicht nur Heimisches, sondern auch Globales. Zu den Besonderheiten zählt unter anderem eine Bierflasche aus Down Under, die der Sammler von einem Bundeswehr-General geschenkt bekam. Jener war in Australien auf das historische Glas-
Gefäß gestoßen, auf dessen Unterseite eine – noch recht gut lesbare – handschriftliche Notiz prangt. Die Flasche stammt wohl aus dem 19. Jahrhundert, aus der damaligen Goldgräberzeit auf dem fünften Kontinent.

Das wandelnde Design einer Cola-Flasche

Auf der anderen Seite dokumentieren Flaschen aus Glas und Kunst-
stoff die Historie und das sich – im Laufe der Jahrzehnte – wandelnde Design von Coca Cola. Unter seinen Sammlungsstücken hat Gunter Weigang eine der ersten Cola-Flaschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf den deutschen Markt kamen. Das war im Jahr 1949, kurz nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland.

Seit 1972 lebt Weigang in Offen

Nun hat sich der Maschinenschlosser, der zwei Wochen nach seiner Hochzeit im Jahr 1972 nach Offen kam, selbstverständlich nicht nur seiner Sammlung gewidmet. 46 Jahre arbeitete er im Kunststoffverpackungsbetrieb an der Bremer Straße 205. Die Unternehmer wechselten, Weigang blieb. Bis zur seinem Renteneintritt 2016. Er erinnert
sich: „Als ich hierherkam, hieß es, Offenser ist man nur, wenn man im Ort geboren ist. Oder 30 Jahre hier wohnt. Nun, inzwischen bin ich ja einer.“

Weigang gründete Offener Jugendfeuerwehr

Gunter Weigang gehörte aber rasch dazu, denn er engagierte sich bald nach seiner Ankunft für die Ortsgemeinschaft. Er gründete 1974 die Jugendfeuerwehr von Offen und war insgesamt 13 Jahre Jugendfeuerwehrwart. Das hieß, zu Wettkämpfen zu fahren, Zeltlager zu organisieren sowie vieles mehr, „und meine eigenen vier Kinder, die durften selbstverständlich auch nicht zu kurz kommen“, erinnert sich der heute 71-Jährige.

„Flaschenreich“ ist abzugeben

Später übernahm Gunter Weigang, der nach seinen Aussagen „nicht so gern im Mittelpunkt steht“, zwölf Jahre die Funktion des stellvertretenden Ortsbrandmeisters. Heute gehört er der Altersabteilung der Feuerwehr an.

Inzwischen ist die große Begeisterung für seine Sammlung dem Offenser „ein bisschen abhanden gekommen“, wie er äußert. „Alles hat schließlich seine Zeit.“ Gerne würde er das „Flaschenreich“ anderen Leuten zeigen. Und hofft dabei, dass sich in näherer Zukunft „mal jemand findet, der sich für diese Sammlung – oder Teile davon – interessiert, und sie übernehmen möchte.“ Zur Kontaktaufnahme genüge ein Anruf unter der Telefonnummer (05051) 8797.

Interessenten für Flaschensammlung gesucht

Wenn sich der potenzielle Interessent dann noch bereit erklärte, dafür einen Obolus zu geben, würde das den Sammler und vierfachen Großvater freuen. „Das Geld wäre nicht für mich bestimmt. Ich würde es für soziale Zwecke spenden. Dann hätte diese Sammlung nicht nur mir Spaß gemacht, sondern würde auch Notleidenden Freude bereiten.“

lebenslauf

3. April 1951

geboren in Haan, gelegen zwischen Düsseldorf und Wuppertal

1957

Einschulung in der Gemeinschaftsschule Haan

1965

Schulabschluss, damals letztmalig nach Klasse 8

1965

Lehre zum Maschinenschlosser

1968

Gesellenprüfung

1972

Hochzeit mit seiner Frau Anne und Umzug nach Offen
Anstellung am Standort des Verpackungsunternehmens Schmalbach und Lubeca in Offen

1980

Geburt des ersten von vier Kindern, zwei Mädchen und zwei Jungen

1974

Gründer der Jugendfeuerwehr in Offen, 13 Jahre Jugendwart und später stellvertretender Ortsbrandmeister

2016

Eintritt in den Ruhestand

Von Andreas Stolz