Spaziergang durch die Heide

Spannende Details: So vermittelt Landschaftsführerin die Liebe zur Natur

Die CZ war mit einer neuen, zertifizierten Natur- und Landschaftsführerin in der Heide unterwegs. Was es dabei zu entdecken gab und man erst auf den zweiten Blick sehen kann. 

  • Von Stefanie Franke
  • 23. Juli 2022 | 15:00 Uhr
  • 23. Juli 2022
  • Von Stefanie Franke
  • 23. Juli 2022 | 15:00 Uhr
  • 23. Juli 2022
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Lutterloh.

Das, was ich liebe, schütze ich und ich kann nur das lieben, was ich kenne“, fasst Ines Dobrindt-Bein (47) ihre Aufgabe zusammen. Gemeinsam mit 19 weiteren Teilnehmern hat sie in diesem Jahr die Ausbildung zur zertifizierten Natur- und Landschaftsführerin (ZNL) absolviert und freut sich nun auf spannende Begegnungen in und mit der Natur. Mit der CZ geht es an diesem Nachmittag in die Heide am Schillohsberg.

Ines Dobrindt-Bein stammt ursprünglich aus Soltau. Auch dort interessierte sie sich bereits für ihr Umfeld: Neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Augenoptikergesellin war sie als Stadtführerin tätig und hat Theater gespielt. 2010 verschlug es Dobrindt-Bein nach Sülze. Dort kam sie als pädagogische Mitarbeiterin an die Schule, doch ihr Wissensdurst ließ ihr keine Ruhe, sodass sie berufsbegleitend Erziehungs- und Kommunikationswissenschaften studierte. „Auch da wollte ich es schon ganz genau wissen“, schmunzelt sie, die nun hauptberuflich als Erziehungsberaterin und Schulbegleiterin tätig ist.

Als frisch zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin plant Dobrindt-Bein nun ihre ersten Führungen. An diesem Nachmittag macht sie sich mit der Celleschen Zeitung auf den Weg durch das Naturschutzgebiet am Schillohsberg in der Nähe von Lutterloh. Bereits zu Beginn gibt es allerhand zu entdecken: Vorbei geht es an dichten Blaubeersträuchern auf einen schmalen Waldweg. „Ich weise auch immer gerne auf die Schilder hin, die hier überall platziert sind, denn man neigt dazu, einfach an ihnen vorbeizugehen“, erklärt die Natur- und Landschaftsführerin. „Vieles hat aber durchaus seine Bewandnis, über die sich viele Besucher noch gar nicht im Klaren sind.“ So sind Hundehalter beispielsweise angehalten, die Hinterlassenschaften ihrer vierbeinigen Begleiter nicht einfach liegen zu lassen – doch keinesfalls aus Schikane: „Wenn der Hund gerade frisch entwurmt ist, können seine Ausscheidungen beispielsweise die Insekten, wie den Mistkäfer, töten, und genau das soll verhindert werden.“ Denn der Mistkäfer hat eine wichtige Aufgabe: Er verarbeitet Dung aller Art weiter und bringt somit Nährstoffe in den Boden ein.

 

Zeit für
Naturkundliches Spiel

Nach kurzer Zeit lichtet sich der Wald und zum Vorschein kommt eine riesenhafte Eiche, deren Zweige ausladend in alle Himmelsrichtungen ragen. „Die Wacholder hier deuten darauf hin, dass hier anfangs kaum Bäume gestanden haben – Wacholder bevorzugen Licht und brauchen genügend Platz – sodass sich die Eiche ungestört in alle Richtungen ausbreiten konnte. Dieses Exemplar ist schätzungsweise über 200 Jahre alt.“

Auf einer angrenzenden Bank ist es Zeit für ein naturkundliches Spiel, zu dem der schwedische Naturforscher Carl von Linné einen kleinen Teil an Inspiration geliefert hat. Mit der binären Nomenklatur entwickelte er die Methode, Blumen, Pflanzen, Bäume und vieles mehr mit zwei Namen zu bezeichnen. Daher lautet beispielsweise der lateinische Name für Heidekraut „calluna vulgaris“. Um zwei Namen geht es auch in Ines Dobrindt-Beins Spiel: Je nach Anfangsbuchstabe des Vornamens kann aus zugehörigen Spielkarten und Bildern ein Tier oder eine Pflanze ausgesucht werden – im Falle des Is kann unter anderem aus Igel, Iltis oder Ingwer gewählt werden. So kann eine der zukünftigen Besuchergruppen spielerisch eine Menge über die einheimischen Tiere und Pflanzen erfahren – selbst wenn diese gerade keine Saison haben. „Ich finde es großartig, mit Bildern etwas zu zeigen. Das Kino geht dann erst los, auch wenn gerade kein Igel vorbeikommt oder man nicht weiß, wie ein Idas-Bläuling aussieht.“

Der Rucksack ist dabei ihr wichtigstes Instrument, „denn er kann voller spannender Sachen sein. So kann auch mal mitten in der Natur für Kinder eine Eiszeit hergestellt werden.“ Die Wanderung geht weiter, vorbei an einem großen Baumstamm, auf dem ein Mistkäfer aus Holz sitzt. Ines Dobrindt-Bein hält inne – sie hat etwas entdeckt. „Manchmal muss man einfach stehen bleiben. Es gibt Dinge, die man nur sieht, wenn man sich die Zeit nimmt“, erläutert sie und deutet auf kleine bläulich-braune Falter, die auf dem Waldboden im Vorbeigehen kaum zu erkennen sind. Direkt daneben wimmelt es von großen Waldameisen, die emsig ihrer Arbeit nachgehen. Genau für diese kleinen Dinge möchte Dobrindt-Bein bei zukünftigen Führungen sensibilisieren. „Ich möchte aufmerksam machen auf die kleinen Dinge, die uns begegnen, gespickt mit Informationen, die aber nicht nur trockene Fakten sein sollen, sondern vielmehr praktisches Wissen, das auch nützt.“

 

Wissen vermitteln durch erleben

Dabei möchte sie vor allem Kinder dazu anregen, die Liebe zur Natur zu entwickeln, das Schützenswerte zu sehen und forschen zu wollen. Ihre eigene Naturliebe entstand unter anderem durch ihr Hobby, das Wandern, im Zuge dessen Dobrindt-Bein auch den Heidschnuckenweg allein gewandert ist. Wissen vermitteln, das geht für sie am besten durch das Erleben. Dazu laden auch die Wacholder ein, die hinter der nächsten Biegung den Blick auf die weitläufigen Heideflächen lenken. „Am Beispiel des Wacholders lässt sich wunderbar mithilfe von Zapfen und Beeren der Unterschied zwischen Laub- und Nadelbäumen erklären und man kann dann der Frage nachgehen, warum es eigentlich Wacholderbeere heißt“, so Dobrindt-Bein. Beim anschließenden Mörsern der Wacholderbeeren lässt sich die Natur unmittelbar riechen, fühlen und erfahren.

Vorbei geht es an den noch nicht blühenden Heidepflanzen, die hier und da von grau-grünem, trockenen Moos bedeckt sind, das man hier nicht vermuten würde: Das Islandmoos. „Es gibt so viel zu entdecken und ich möchte bei meinen zukünftigen Führungen durch die Natur nicht nur vermitteln und anleiten, wie man sich in der Natur verhält, sondern auch selbst immer noch etwas lernen“, erzählt Ines Dobrindt-Bein.

Ihr stetiger Wunsch, geistig und körperlich beweglich zu bleiben, hat in ihr den Wunsch geweckt, sich zur zertifizierten Natur- und Landschaftsführerin ausbilden zu lassen. An zwei Fortbildungswochenenden und in einer Präsenzwoche wurde ihr und den anderen ZNLern alles Wichtige aus den Bereichen Geologie, Geschichte und Biologie ver-
mittelt. Begleitet wurde die Gruppe von Kursleiter Jan Brockmann und wechselnden Referenten verschiedenster Fachgebiete. Nach einer Hausarbeit, einer Abschlussprüfung und weiteren Präsenztagen darf sich Ines Dobrindt-Bein nun als zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin bezeichnen und Führungen durch die Natur anbieten.

„Ich möchte dabei keinesfalls in Konkurrenz mit den anderen ZNLern gehen“, stellt sie klar. „Ich möchte gerne vor allem Familien ansprechen, animieren, in die Natur zu gehen, sich wieder in den Wald zu trauen, sich dort aber auch entsprechend zu verhalten. Ich möchte andere dazu anregen, neugierig zu bleiben und Fragen zu stellen. Zeitgleich möchte ich Kinder und Eltern erreichen – eigentlich so wie jedes gute Kinderbuch.“