Zwischen Salon und Dorfmuseum

Darum sammelt Friseur aus Langlingen Sandmännchen

Vinzenz Seitz aus Langlingen hat die Kunst des Haareschneidens perfektioniert. Privat sind alte Schätze seine Leidenschaft. Besonders gern sammelt er Sandmännchen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 13. Sept. 2022
  • 12:19 Uhr
17. Sept. 2022
 
Langlingen.

Vinzenz Seitz wäre von seinen Jäger- und Sammlerkollegen vor zwei Millionen Jahren wohl etwas mitleidig angeschaut worden: Flohmärkte als bevorzugtes Jagdgebiet und seine Sammlerausbeute bestehend aus Spielzeug anstelle von Früchten oder Nüssen. Heute wird er ab und an mit dem Einwand seiner Gattin konfrontiert: „Du hast doch schon so viel. Wo sollen wir das denn alles unterbringen?“ Worauf der Nichtraucher meistens auf eine „Suchtgerechtigkeit“ hinweist: „Das sind eben meine Zigaretten!“

Lebenslauf

1950: Geboren in Celle, zwei Söhne, eine Tochter
1965 bis 1968: Lehre zum Friseur
1970: Übernahme des Friseursalons vom Vater
1973: Meisterprüfung
1975: Mitglied des Fachbeirats der Friseurinnung
1996 bis 2016: Prüfungsausschuss-Vorsitzender
2022: Sonderausstellung im Dorfmuseum Langlingen
 

Die Objekte seiner Sammelleidenschaft sind schon seit geraumer Zeit Sandmännchen aus Ost und West und ihre putzigen Puppenkollegen. Seit dem Start der Kinderreihe 1959 sind zahlreiche Accessoires dazugekommen, und seine Sammlung erstreckt sich nun auf mehr als 100 Teile. Zu sehen waren diese vor Kurzem in einer Sonderausstellung des Dorfmuseums Langlingen, so wie es vorher schon Blechspielzeuge in allen Formen und Farben zu bestaunen gab – ebenfalls aus einer seiner Sammlungen. Ob klatschende Clowns oder Katzen, die einen Ball jagen – die aufziehbaren Spielzeuge erfreuten die Besucher-Herzen von Jung und Alt.

Sammler mit diversen Interessen

Als Kind selbst erlebt hat der 1950 geborene Langlinger die Sandmännchen-Sendungen allerdings nicht. Sein Interesse wurde erst beim gemeinsamen Schauen mit seinen Kindern geweckt. Die Neigung zum Sammeln begleitet ihn aber dennoch seit frühester Kindheit. Es waren vor allem Märklin-Eisenbahnen, an denen er große Freude hatte. Objekte zusammenzutragen, war zu dieser Zeit allerdings nicht so leicht: „Der Ausbau meiner Sammlung erstreckte sich über Jahre. Nur zu Geburtstagen oder zu Weihnachten gab es wieder ein Teil dazu“, kann sich der Langlinger gut erinnern. Als Erwachsener ließ zwar die Sammelleidenschaft, nicht aber seine Faszination für Eisenbahnen nach. Heute baut er bei passender Gelegenheit gerne seine große Garten-Eisenbahn auf, und wie der Zufall es wollte, teilte sein direkter Nachbar sein Hobby. Für ein großes Familienfest hatten beide Nachbarn ihr Schienennetz über einen Tunnel verbunden, was nicht nur den anwesenden Kindern große Freude bereitete.

Durch Verkäufe Urlaub finanziert

Seine Sammelphasen durchliefen im Laufe der Jahre unterschiedliche Interessensrichtungen. Die Anzahl alter Fotoapparate und Wanduhren ist mittlerweile durch Verkäufe auf eine überschaubare Menge geschrumpft, was aber einen anderen positiven Effekt nach sich zog: „Durch die Verkäufe haben wir uns manchen Urlaub mit der Familie auf Sylt finanziert“, blickt Seitz zufrieden zurück. Manche Wanduhren schmücken noch die Wohnstube, die meisten Objekte sind aber eingelagert. Auffallend, dass die große zentrale Vitrine im Wohnzimmer nicht mit Teilen seiner Sammlungen bestückt ist, sondern mit Gläsern. „Da hat sich meine Frau energisch durchgesetzt“, erklärt er mit einem Lachen den einfachen Grund. Alt müssen die Sachen sein, und das trifft auch auf sein größtes Sammlerstück zu, was auf Hochglanz poliert in der Garage steht – ein 44 Jahre alter Porsche 911, auf den auch schon seine 15-jährige Enkeltochter ein Auge geworfen hat: „Opa, du musst mir versprechen, dass ich den mal bekomme!“

Langlingen nie verlassen

Vinzenz Seitz entstammt einer alteingesessenen Langlinger Familie und hatte in seinem Leben nie das Bedürfnis, seinem Heimatdorf den Rücken zu kehren. Passend zu seiner Liebe zu Tradition und Kontinuität war sein Entschluss, das Friseur-Handwerk zu erlernen und irgendwann das Geschäft seines Vaters zu übernehmen. „Ich habe schon früh im Salon meines Vaters mitgeholfen und war immer fasziniert von seiner Haarschneide-Kunst“, erklärt der Friseurmeister seinen, schon in jungen Jahren feststehenden, Berufswunsch. Dass er dann im Laufe der Jahre auch zahlreiche alte Friseur-Accessoires gesammelt hat, versteht sich fast von selbst. Als reinen Broterwerb hat Seitz sein Handwerk nie gesehen. Es war für ihn eine Kunst, und die wollte er auch unter Beweis stellen und sich mit anderen messen. Die stattliche Anzahl von 43 Pokalen hat er im Laufe seiner Turnier-Karriere beim Preisfrisieren gewonnen. Fünf Mal war er Celler Stadtmeister, und bei internationalen Wettbewerben im europäischen Ausland konnte er mehrfach erste Plätze erringen.

Als Friseur Pokale gesammelt

In besonders guter Erinnerung ist ihm sein erster Platz 1989 in Prag geblieben: „Es war ein unbeschreibliches Gefühl, vor der Kulisse von 5000 Zuschauern in den Luzerner Festsälen den Siegerpokal überreicht zu bekommen.“

Am nötigen Selbstbewusstsein, um bei Turnieren erfolgreich zu sein, hat es ihm schon in jungen Jahren nicht gemangelt. Dabei wäre sein erster Wettkampf fast sein letzter gewesen: „Ich bin mir auch heute noch sicher, dass mein dritter Platz in Essen nicht leistungsgerecht war. Die Jury bestand aus lauter Essenern, und die beiden vorderen Plätze gingen auch an Essener Friseure, obwohl beide meines Erachtens im Vergleich mit mir eine schwächere Leistung geboten hatten. Ich hatte mich furchtbar geärgert und mich schon dazu entschlossen, keine Wettkämpfe mehr zu bestreiten. Zum Glück war der erste große Ärger dann irgendwann wieder verflogen!“

„Jeder kann sich glücklich schätzen, dem es vergönnt ist, sein Hobby zum Beruf zu machen.“ 

 

Vinzenz Seitz, Friseurmeister und Sammler

Ersten Platz  in Prag erreicht

In späteren Jahren hat er dann häufig selbst auf dem Jury-Sessel Platz genommen, und es war ihm das höchste Anliegen, bei der Beurteilung stets die größtmögliche Objektivität an den Tag zu legen. Der Begriff „Topmodel“ erlangt bei der Haarschneidekunst eine ganz neue Bedeutung, und Vinzenz Seitz hatte mit seinem Neffen einen echten Star an seiner Seite: „Mein Neffe hatte den idealen Haarwuchs zum Frisieren und Stylen. Damals bei meiner Gesellenprüfung hat er es mir wirklich leicht gemacht, erfolgreich zu sein, und später bei Meisterschaften war er für mich eine große Hilfe.“

Heute schaut Vinzenz Seitz auf ein langes, erfülltes Berufsleben zurück und resümiert: „Jeder kann sich glücklich schätzen, dem es vergönnt ist, sein Hobby zum Beruf zu machen.“

Von Georg Wießner