Kulturverein gegründet

„Halte Kultur für immens wichtig“

Heidrun Kruse hat den Verein „Vielfalt Südheide“ gegründet und ist selbst begeisterte Musikerin. Für sie ist Kultur immens wichtig.

  • Von Georg Wießner
  • 01. Okt. 2022 | 13:05 Uhr
  • 01. Okt. 2022
Schon lange aufs Engste miteinander verbunden: Heidrun Kruse und ihre Querflöte.
  • Von Georg Wießner
  • 01. Okt. 2022 | 13:05 Uhr
  • 01. Okt. 2022
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Hermannsburg.

Kaum jemand, der den zeitlosen Welthit nicht im Ohr hätte, „Music“ von John Miles – diese gefühlvolle Ode an die Liebe zur Musik. Er scheint geschrieben für Menschen wie Heidrun Kruse, die sich ein Leben ohne die Musik nicht vorstellen könnten.

Mit der Musik verbunden

Ob als Musikerin, Lehrerin oder Organisatorin von Konzerten, Musik war und ist ganz eng mit der Persönlichkeit der gebürtigen Düsseldorferin verbunden. Dabei wurde ihre Leidenschaft von einer Seite wach geküsst, die man zunächst gar nicht so recht mit Musik in Verbindung bringt.

Instrument in Klosterschule gelernt

In der von Nonnen geführten Klosterschule in Ratingen stand die musikalische Erziehung ganz oben auf der Prioritätenliste. Geleitet von einer musikbegeisterten 26-Jährigen, die damals damit die jüngste Schulleiterin in Deutschland war und zu der Heidrun Kruse auch lange nach Verlassen der Schule ein ganz enges Verhältnis behielt. Jede Schülerin war angehalten, ein Instrument zu erlernen, und das junge Mädchen entdeckte so seine Liebe zur Querflöte, die sie bis heute begleitet. Profi-Musiker mit reichlich Praxiserfahrung, zum Beispiel aus der Düsseldorfer Oper, waren der Garant für einen erstklassigen Unterricht.

" In der Nonnenschule dagegen wurde jeder Schülerin Aufmerksamkeit zuteil und die Talente wurden individuell gefördert."

So erwies sich der Wechsel vom Mädchengymnasium zur Klosterschule als echter Glücksgriff für sie: „Auf dem Gymnasium waren wir mit über 40 Kindern in einer Klasse. Irgendwann stellte sich das Gefühl ein, überrollt zu werden. In der Nonnenschule dagegen wurde jeder Schülerin Aufmerksamkeit zuteil und die Talente wurden individuell gefördert.“

Musik wird zum Beruf

Zwar waren der Heranwachsenden nicht mehr die verstohlenen Blicke zum benachbarten Jungen-Gymnasium vergönnt („auf der Klosterschule hatten wir auch weltliche Lehrer, aber nicht die jungen und schönen …“), was der Liebe aber keinen Abbruch tat. Ihr späterer Gatte war in der Tat zur gleichen Zeit auf dem benachbarten Jungengymnasium Schüler, war ihr aber nie besonders aufgefallen. Das Kennenlernen geschah erst in ihrer Lieblingskneipe in der Ratinger Altstadt, und beide waren überrascht von ihrer, damals noch nicht realisierten, quasi gemeinsamen Schulvergangenheit.

„Mein Mann war immer der Kopf und ich das Gefühl – es bewahrheitete sich der alte Spruch, dass Gegensätze sich anziehen.“

Das in der Kneipe geknüpfte Band hielt, aber zunächst gingen die persönlichen beruflichen Vorstellungen auseinander. Heidrun Kruse entschied sich für ein Musikstudium, wo sie den Fokus, neben der Querflöte, auf das Klavierspiel legte. Ihr späterer Mann fühlte sich seinen Neigungen entsprechend in einem Mathematikstudium bestens aufgehoben. „Mein Mann war immer der Kopf und ich das Gefühl – es bewahrheitete sich der alte Spruch, dass Gegensätze sich anziehen“, erklärt sich die Musikerin ihre lange und harmonische Ehe.

Musikschule in Ratingen eröffnet

Nach dem Studium galt es, den Vater, der sich aufgrund ihrer musischen Neigung eher skeptisch zeigte („Musik ist eine brotlose Kunst“), vom Gegenteil zu überzeugen. Da sie schon längere Zeit mit Musikunterricht praktische Erfahrung in Sachen „Broterwerb“ gesammelt hatte, entschloss sie sich, gemeinsam mit ihrer ehemaligen Klavierlehrerin in Ratingen eine Musikschule zu eröffnen.

Heidrun Kruse 1967 beim Klavierspiel

Der Entschluss, dafür ein Haus zu erwerben, förderte ganz neue Stärken zu Tage, wie beispielsweise handwerkliche Fähigkeiten bei der Renovierung des schon länger leer stehenden Hauses, Organisationstalent bei der Schulleitung und finanzielles Verständnis, was beim Gang in die Selbstständigkeit von Nöten war.

Umzug in die Südheide

Die Schule entwickelte sich prächtig, und es hätte immer so weitergehen können, wenn ihrem Mann nicht plötzlich von seinem Arbeitgeber ein beruflicher Umzug in die Südheide nahegelegt worden wäre, den er nicht ablehnen konnte. Schweren Herzens ließ Heidrun Kruse ihre vertraute Heimat zurück und begleitete ihren Gatten nach Hermannsburg. zu Hause in Ruhe kochen und das Essen genießen, wäre zum Beispiel eine Sache davon.“

„Heute kann ich mir gar nicht vorstellen, nochmal woanders zu wohnen“

Zunächst beschlich sie ein leichter Anflug von Kulturschock: „Ich kannte ja nur die lebhafte rheinische Art und war verblüfft von der Ruhe auf den hiesigen Marktplätzen, dagegen herrschte auf dem Düsseldorfer Karlsplatz ein fast biblisches Stimmengewirr.“ Es dauerte aber nicht lange und sie schloss mit ihrer herzlichen Art, auf die Leute zuzugehen, viele neue Freundschaften: „Heute kann ich mir gar nicht vorstellen, nochmal woanders zu wohnen“.

Heidrun Kruse 1968 beim Wettbewerb „Jugend musiziert“.

Neben der Familie, mittlerweile war ihr dritter Sohn zur Welt gekommen, brannte ihr das Bedürfnis, sich auch in ihrer neuen Heimat kulturell zu engagieren, unter den Nägeln. Ihr bot sich die Gelegenheit, den örtlichen Männer-Chor zu leiten, was sie gerne annahm, und in den 20 Jahren ihrer Tätigkeit auf beglückende Konzerte zurückschauen lässt. Aus der musikalischen Mitarbeit des Männergesangvereins (MGV) Hermannsburg in den Aufführungen des Hermannsburger Theaterregisseurs Robert Brandt entwickelte sich die A-Cappella Hermannsburg, die über 20 Jahre lang das musikalische Leben der Südheide bereichert hat. Gemeinsame Kulturreisen wurden dabei mit überregionalen Auftritten verbunden.

Gründung eines Kulturvereins

Ihr jüngstes Projekt ist der Verein „Vielfalt Südheide – Kultur für alle“, den sie 2019 gründete. Neben Konzerten und Lesungen ist auch das alljährliche „Weiße Dinner“ ein beliebtes Anlaufziel – ein gemeinsames Speisen und Trinken unter freiem Himmel und alles in Weiß. Der Namensbeisatz des Vereins „Kultur für alle“ ist ihr besonders bedeutend: „Ich halte Kultur für immens wichtig für die Menschen und dabei sollte niemand ausgeschlossen bleiben. Zum weißen Dinner kann jeder ohne Eintritt dazukommen und die Gemeinschaft mit den anderen genießen. Das Band zu spannen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe oder Religion, ist für mich ein großes Anliegen.“

„Der Mensch bräuchte eigentlich zwei Leben, um all seinen Neigungen und Talenten nachzugehen.“

Heidrun Kruse schaut auf die vielen Ideen und Pläne, die noch in ihrem Kopf schlummern: „Der Mensch bräuchte eigentlich zwei Leben, um all seinen Neigungen und Talenten nachzugehen.“ Ein spontanes gemeinsames Essen der Hermannsburger entlang der Hauptstraße wäre eine davon. Gesehen hatte sie dies schon einmal bei ihren regelmäßigen Aufenthalten in Frankreich. Ein bisschen mehr französische Lebensart würde sie sich auch in Deutschland wünschen, wo ihres Erachtens vieles zu stark reglementiert ist.

Zweite große Leidenschaft

Neben der Musik hat sie noch eine zweite große Leidenschaft, und zwar das Kochen: „Manchmal denke ich, dass ich eigentlich nicht viel brauche, um glücklich zu sein. In einer gut bestückten Markthalle einzukaufen und dann

Lebenslauf

1953

Geboren in Düsseldorf, verheiratet, drei Kinder

1968

1. Platz beim Regionalwettbewerb Düsseldorf „Jugend musiziert“ im Fach Querflöte

1973

Abitur in Kaiserswerth

1973 bis 1975

Studium der Germanistik und Wirtschaftswissenschaften in Essen

1976 bis 1979

Studium an der Musikhochschule Berlin, Querflöte und Klavier

1985

Eröffnung der Musikschule
Simon-Kruse in Ratingen

1998 bis 2019

Leitung des MGV Hermannsburg und der A-Cappella Hermannsburg

2019

Gründung des Vereins
„Vielfalt Südheide – Kultur für alle“ in Hermannsburg