Faszination Weltall

Ein Blick in ferne Galaxien

Frank Pfeifers Blick schweift nahezu jede Nacht zum Sternenhimmel. Der pensionierte Lehrer gründete 2015 die Sternwarte Südheide. Was ihn an fremden Galaxien besonders fasziniert - und welchen Stern er für sich persönlich entdeckt hat.

  • Von Stefanie Franke
  • 17. Dez. 2022 | 15:00 Uhr
  • 17. Dez. 2022
In klaren Nächten zieht es Frank Pfeifer schon seit frühester Kindheit nach draußen unter den Sternenhimmel. Orion im Winter, die Milchstraße im Sommer - am liebsten beobachtet er weit entfernte Galaxien, die weitaus älter als das Leben auf der Erde sind. 
  • Von Stefanie Franke
  • 17. Dez. 2022 | 15:00 Uhr
  • 17. Dez. 2022
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Hermannsburg.

Alles begann mit den Plejaden: Frank Pfeifer (68) kann sich noch gut an den ersten Kontakt mit den Sternen erinnern. Im Alter von zehn Jahren wurde er zum nahegelegenen Bauern geschickt, um Milch, Eier und Butter zu holen. Auf dem Rückweg zum Elternhaus in Altenwahrlingen ließ er seinen Blick gen Milchstraße schweifen und bestaunte die Weite des Universums. Plötzlich zog etwas seinen Blick wie magisch an. „Da schimmerte etwas, eine Art Sternwolke war dort am Himmel zu sehen.“

Alles begann mit einem kleinen Ausziehteleskop, dann baute er erste Teleskope selbst. In der Sternwarte Südheide begeistert und informiert er nun Interessierte über astronomische Themen jeglicher Art.

Kaum zu Hause angekommen, lieh sich Pfeifer das Fernglas seiner Mutter und betrachtete den hellen Fleck genauer. Die Leidenschaft für die Sterne ward geboren. Den Grundstein für diese Begeisterung legte die Verfilmung von „Peterchens Mondfahrt“ aus dem Jahr 1959. Die Reise des kleinen Maikäfers Herrn Sumsemann und den Kindern Peter und Anneliese zum Mond eröffnete Pfeifers Blick für die Weiten des Universums. „Da dachte ich das erste Mal, da geht es offenbar noch weiter, da ist eine Welt dahinter“, so Pfeifer.

Frank Pfeifer 1975 mit seinem selbstgebauten Spiegelteleskop.

Peterchens Mondfahrt und die Plejaden

Die Kombination aus „Peterchens Mondfahrt“ und der Erspähung der Plejaden an jenem Abend im Jahr 1964 regte Frank Pfeifer zum Nachdenken an. In ihm keimte die Frage, wie es „dahinter“ weiterging. Mithilfe des Ausziehfernrohres seiner Schwester, das er später für sich beanspruchte, fingen seine Sternbeobachtungen an. „Mit der 25-fachen Vergrößerung konnte man sogar schon die Saturnringe sehen“, erinnert sich Pfeifer. Auf das Ausziehfernrohr folgte in späteren Jahren ein altes Stahlfernrohr eines Nachbarn. „Sechs Zentner Stahl, 27 Zentimeter Durchmesser und zwei Meter zwanzig Rohrlänge - das war schon ein gewaltiger Sprung von meinem Ausziehfernrohr zu diesem Modell“, sinniert Pfeifer schmunzelnd.

„Die Sterne waren eine Konstante in meinem Leben."

Frank Pfeifer, Gründer der Sternwarte Südheide

Nach dem Umzug von Altenwahrlingen nach Ilten festigte Pfeifer sein Hobby weiter. Die Sterne wurden seine ständigen Begleiter, regelmäßig betrachtete er die Plejaden und den Mond. „Der Mond ist der Bringer“, findet Pfeifer. „Da ist man verloren, da bleibt man dabei.“ Das Universum erleichterte ihm auch seine Schulzeit am Gymnasium Hannover sowie den Wechsel von der Altenwahrlinger Landidylle in die Stadt. „Die Sterne waren eine Konstante in meinem Leben“, so Pfeifer. „Der Sternenhimmel war in Ilten genauso wie in Altenwahrlingen.“

Forschender Freigeist

Doch nicht nur der Schulbesuch in Ilten bereitete Pfeifer Startschwierigkeiten. Auch seine weitere Schulkarriere nach dem darauf folgenden Umzug nach Hermannsburg war durch Umwege und Schwierigkeiten gezeichnet. Pfeifers ständig wacher Forschergeist und seine Angewohnheit, Dinge stetig zu hinterfragen, ließen ihn bei seinen Lehrern häufig anecken. Nach der achten Klasse verließ er die Schule ohne Abschluss. Doch Pfeifer ließ sich nicht unterkriegen. In einem Heimvolkshochschulkurs holte er als erstes den Hauptschulabschluss nach, um dann an der Realschule Hermannsburg nach der zehnten Klasse seinen Sekundarabschluss zu absolvieren.

„In meiner Familie waren alle Lehrer. Ich war schlecht in der Schule und ich wusste, ich kann es besser."

Frank Pfeifer

Es folgte der Wechsel nach Verden zu seiner Schwester sowie zu guter Letzt das Abitur. Ein steiniger Weg, auf dem sich Frank Pfeifer stets und ständig durchbeißen musste. Nach diversen Nebenjobs als Dekorateur und im Supermarkt begann er schließlich in Bremen mit dem Lehramtsstudium - augenscheinlich eine ungewöhnliche Wahl für den rebellischen ehemaligen Schüler. „In meiner Familie waren alle Lehrer. Ich war schlecht in der Schule und ich wusste, ich kann es besser“, begründet Pfeifer seine Wahl.

Nach weiterbildenden EDV-Kursen war der Astronom zunächst eine Weile als Abteilungsleiter für den IT-Bereich tätig, außerdem als Fachdozent für Fachenglisch und Informatik. Erst danach wechselte Pfeifer zurück in den Lehrberuf; es folgten Stationen in Rethem, Walsrode und Langwedel. 2013 zog Pfeifer endgültig nach Lutterloh um - die Familie hatte hier bereits seit seiner Kindheit ein Haus.

Seine Passion: Ferne Galaxien

Seiner Leidenschaft für den Sternenhimmel ist er über die Jahre seiner Lehrtätigkeit weiter treu geblieben. In den Achtzigerjahren konstruierte Pfeifer sein erstes eigenes Fernrohr. Der Spiegel für die Optik musste damals noch mühsam in den USA bestellt werden. „Ich hatte zu der Zeit einen Renault 4, daher habe ich es so gebaut, dass es in Auto passt. Unendlich viele Sterne in verschiedenen Farben und Spiralnebel waren damit erkennbar.“

Mit anderen Astronomen gab er an der Schule in Langwedel Astrokurse. Dort konnten auch seine sowie die Teleskope der anderen Sternbegeisterten untergebracht und aufgestellt werden. Ein Jahr vor seiner Pensionierung gründete Pfeifer die Sternwarte Südheide in Hermannsburg. Jede Nacht, wenn der Himmel klar war, zog es Frank Pfeifer nach draußen. Die geheimnisvolle Schönheit zu sehen und zu würdigen - das ist es, was ihn fasziniert. „Wer sich mit dem Weltall beschäftigt und daraufhin sein Weltbild nicht ändert, der muss blind und doof sein“, findet er.

„Die Leute müssen selbst erleben, dass sie Teil von etwas Größerem sind."

Frank Pfeifer

Teil von etwas Größerem

Das ist es auch, was er den Besuchern der Sternwarte vermitteln möchte. „Die Leute müssen selbst erleben, dass sie Teil von etwas Größerem sind. Das geht am besten über das Sehen, Fühlen und Erfahren.“ Pfeifers Ziel: Die Menschen sollen das Staunen wieder lernen und den Mut haben, Fragen zu stellen. Er ist überzeugt davon, dass die Menschheit andere Ziele hätte, wenn sie öfter in die Sterne schauen würde.

„Es passieren Dinge, die ablesbar, aber nicht erklärbar sind."

Frank Pfeifer

Doch was ist mit der Frage nach intelligentem Leben in den Weiten der Galaxie? Pfeifer hat dazu eine klare Meinung. „Solange niemand den Gegenbeweis führt, muss eine These als möglich gelten“, meint er. Außerdem ist der Astronom davon überzeugt, dass das Universum nicht nur eine Aneinanderreihung von komplexen Gleichungen sei. „Es passieren Dinge, die ablesbar, aber nicht erklärbar sind“, erläutert Pfeifer. Aus diesem Grund hat er sich auch dem Feld der Astrologie nicht vollends verschlossen. Um herauszufinden, worauf das System der Horoskoperstellung basiert, absolvierte er ein Astrologenseminar, das er mit einem Zertifikat abgeschlossen hat.

„Man sollte auf keinen Fall unreflektiert alles glauben“, so Pfeifer. „Man sollte aber auch nicht alles kategorisch ausschließen. Eine Uhr zeigt die Zeit, macht sie aber nicht. Genauso ist es mit der Astrologie.“ Die Gründung der Sternwarte führte auch im Privaten dazu, dass ein besonderer Stern Pfeifers Augenmerk erregte. „Da wir uns bei der Gründungsveranstaltung kennen gelernt haben, kann ich sie nur wahrhaft als ein Geschenk des Himmels betrachten.“ Besonders passend: Bei der Hochzeit der beiden erstrahlte der neu entdeckte Komet Neowise am Himmel.

Lebenslauf

28. Mai 1954

geboren in Osterburg (Altmark)

1976 

Hochzeit mit Ilse

1976 bis 1983

Lehramtsstudium Deutsch und Englisch in Oldenburg und Bremen, Referendariat

1985 bis 1993 

Arbeit im EDV- und IT-Bereich

24. Oktober 1993

Geburt von Tochter Jana Sofia

1993 bis 2016

Lehrer in Rethem, Walsrode, Langwedel und Faßberg

2013

Hochzeit mit Britta

2015 

Gründung der Sternwarte Südheide

2020

Hochzeit mit Sonja