Dietrich Salzwedel

Hambührener Typ sagt: „Ich will 100 werden“

Dietrich Salzwedel engagiert sich in vielen Bereichen ehrenamtlich. Am längsten engagiert er sich schon für das Trompetenspiel.
  • Von Lothar H. Bluhm
  • 16. Juli 2022 | 11:00 Uhr
  • 16. Juli 2022
  • Von Lothar H. Bluhm
  • 16. Juli 2022 | 11:00 Uhr
  • 16. Juli 2022
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Hambühren.

Auf die Frage nach seinen persönlichen Wünschen sagt der Hambührener Dietrich Salzwedel: „Ich will 100 werden.“ Und dann ergänzt er mit verschmitztem Lächeln: „Das müsste man eigentlich schaffen. Träumen kann man ja mal …“ Kürzlich wurde Salzwedel für seine 50-jährige Mitgliedschaft in der FDP mit der goldenen Theodor-Heuss-Nadel geehrt – die jüngste der zahlreich erhaltenen Auszeichnungen für den rührigen Hambührener, dessen Ehrenämter sich nur auf einer mehrseitigen Liste komplett zusammenfassen lassen.

In seinem Einsatz für Hambühren hat sich der 86-Jährige vielfach verdient gemacht. Salzwedel war Mitbegründer der Hambührener Partnerschaften mit Verson/Tourville (Frankreich) und Buk (Polen). Für seine Aktivitäten im Sportverein Hambühren (Vorsitzender 1990 bis 2006, Vorsitz im Ehrenrat) wurde er Ehrenvorsitzender und mehrmals durch die Gemeinde Hambühren geehrt. Und für seine Tätigkeit bei der Industrie- und Handelskammer Osnabrück erhielt er 2004 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

20 Jahre lang war Dietrich Salzwedel als Fraktionsvorsitzender bis 2016 im Rat der Gemeinde Hambühren aktiv, war 19 Jahre stellvertretender Bürgermeister und dreimal stellvertretender Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes. „In dieser Zeit erhielt er die silberne Ehrennadel und ist darüber hinaus Ehrenvorsitzender der FDP“, fasst Hans-Joachim Bartsch, Ortsvorsitzender der FDP Hambühren und Mitglied des Kreistages Celle, einen Teil von Salzwedels parteipolitischen Aktivitäten zusammen.

„Das Hölty-Gymnasium wird für Hambühren Impulse geben“, ist der langjährige Kommunalpolitiker von der positiven Wirkung der Ansiedlung der bisherigen Celler Schule in Hambühren überzeugt. Dazu wäre eine Drei-Feld-Sporthalle wünschenswert gewesen, leider sei aber anders entschieden worden, bedauert Salzwedel. Schön sei indes, dass sich Hambühren für die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge entschlossen habe. Das führe zu einer Entlastung von Grundstückseigentümern, „denn die Straßen werden ja von allen benutzt, nicht nur von den jeweiligen Anliegern“, sagt Salzwedel.

Acht Schuljahrgänge in einem Klassenzimmer

Wenn sich der diplomierte Maschinenbauingenieur an seine Kindheit erinnert, so denkt er an seine vier jüngeren Geschwister und das Leben in einem 180-Seelen-Ort in Hinterpommern zurück: „Wir hatten nicht viel im Dorf – viel Landschaft und viele Seen.“ Da sei es normal gewesen, dass Kinder bereits vor der Einschulung schwimmen können mussten. Acht Schuljahrgänge mit zirka 25 Kindern wurden in einem Klassenraum unterrichtet.

Durch die Zuweisung einer Planstelle in der Magdeburger Börde kam die Pfarrer-Familie später nach Blankenburg am Harz. Hier besuchte Dietrich Salzwedel die Klassen mit dem technischen Schwerpunkt und machte 1954 sein Abitur. „Mein Onkel erklärte mir, wo überall Technik enthalten ist.“ Das war der Grund für ein Maschinenbaustudium an der Hochschule für Schwermaschinenbau Magdeburg.

Sein Studium beendete Salzwedel nach offizieller Übersiedlung in Braunschweig. Bei der Salzgitter AG konnte er gleich als Vertreter des Betriebsleiters der Fels-Straßenbaubetriebe einsteigen, seine Zeugnisse überzeugten den Personalchef. „Da hat mir sehr der disziplinierte Schulunterricht im DDR-Bildungssystem geholfen.“ Im Mai 1961 wurde geheiratet.

Für seinen Job als Geschäftsführer im Kalksandsteinwerk Winsen zog er 1967 zunächst nach Südwinsen, ein Jahr später nach Hambühren. Während die Ära der Steinherstellung am Kalker 1976 mit einem Abverkauf direkt vom Hof endete, setzte Salzwedel seine berufliche Karriere bei Draht-Schulz in Hambühren fort: „Das war wieder ein Einstieg in eine neue Materie.“

Mit dem Wissen über Sicherungs- und Bewachungssysteme und durch Vermittlung seines früheren Chefs wechselte er zwei Jahre später nach Hannover, wo er für die Sicherung und Bewachung von Kernkraft-Anlagen zuständig wurde. Orte wie Wackersdorf und Gorleben, Ahaus, Grohnde und Morsleben und auch der Schacht Konrad rückten verstärkt in sein Berufsleben. „Dadurch habe ich sehr viele Landstriche kennengelernt, denn ich war für die Sicherheit der Anlagen zuständig.“ Außerdem war er an der Entwicklung bundesweiter Kriterien für die Sicherheit in der Wirtschaft beteiligt und erhielt dafür 2004 auf Vorschlag der Industrie- und Handelskammer Osnabrück das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Trompete gilt längstes Engagement

Zudem engagierte sich Dietrich Salzwedel sechs Jahre lang als gewerkschaftsfreier Betriebsratsvorsitzender des Unternehmens und setzte damit die Reihe ehrenamtlicher Tätigkeiten fort, denn bereits in seinem Studium engagierte er sich in der Studentenbewegung: „Ich gehörte damals der Opposition an“, sagt Salzwedel heute. Die Fortsetzung ergab sich als Mitglied des Studentenrates der Technischen Hochschule Braunschweig, später in der Kirche, in Sportvereinen, in der Kultur, in der Freien Demokratischen Partei, in der Wirtschaft und in der Kommunalpolitik. „Ich war 13 Jahre Vorsitzender des Partnerschaftskomitees mit der französischen Gemeinde Verson und bin seit 2016 Ehrenbürger des 3500-Einwohner-Ortes in der Normandie und Ehrenvorsitzender des Komitees.“

Als sichtbares Zeichen der Würdigung seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten als langjähriger Sportabzeichen-Prüfer trägt Dietrich Salzwedel neben dem Bundesverdienstkreuz auch das goldene Ehrenblatt des Deutschen Olympischen Sportbundes am Revers seines Sakkos. „Aber eines hab ich noch länger“, sagt Salzwedel: „die Trompete.“ Seit 1953 spielt er in verschiedenen Orchestern, vom Laiensinfonieorchester über Hochschulorchester, Werksorchester bis zu Posaunenchören. Und deshalb muss das Gespräch rasch beendet werden: „Probenbeginn ist in wenigen Minuten“, entschuldigt sich Salzwedel und packt seine Trompete ein. Und da ist es wieder, das verschmitzte Lächeln des in 14 Jahren Hundertjährigen: „Das müsste man eigentlich schaffen …“

lebenslauf

1935in Stettin als ältestes von fünf Kindern geboren und in Hinter-pommern aufgewachsen1945Flucht aus Stettin nach Magdeburg; später Umzug nach Blankenburg1954Abitur; Beginn des Maschinenbaustudiums1961 bis 1966Tätigkeit bei der Salzgitter AG1966 bis 1976Stellvertretender Geschäftsführer im Kalksandsteinwerk Winsen1977 bis 1978Tätigkeit bei Draht-Schulz in Hambühren1978 bis 1994Tätigkeit zur Kernkraftsicherheit und Betriebsratsvorsitzender2004Bundesverdienstkreuz am Bande2022Ehrenblatt des Deutschen Olympischen Sportbundes,Theodor-Heuss-Nadel der FDPin Gold