Großes Jubiläum zum 75. Geburtstag

Das ist das Erfolgsgeheimnis des Gemischten Chores in Großmoor

Der Gemischte Chor Großmoor feiert 2023 ein großes Jubiläum, denn er wird 75 Jahre alt. Viele Chöre verlieren Mitglieder, doch in Großmoor wächst die Zahl der Sängerinnen und Sänger. Eine Probe zeigt, warum der Chor so beliebt ist.

  • Von Doris Hennies
  • 21. Jan. 2023
  • 16:00 Uhr
21. Jan. 2023
 
Wie ein Zug nehmen die insgesamt 50 aktiven Mitglieder des Gemischten Chores Großmoor langsam Fahrt auf.   

Wer denkt, wenn‘s losgeht, geht’s los − mit dem Singen −, der irrt. Mindestens die ersten zehn Minuten Chorprobe gehören den Vorbereitungen. Wie ein Zug, der langsam Fahrt aufnimmt, gibt es erst einmal etwas verbindenden Rhythmus. Joschua Claassen legt vor und die Gemeinschaft antwortet mit einem Echo aus Klatschen und Stampfen − der Wagen ist angekoppelt und synchronisiert. „Der gemeinsame Groove ist besonders für die moderneren und populären Lieder in unserem Repertoire wichtig“, erklärt der Chorleiter − lässt ein paar Atemübungen hin zum Zwerchfell machen und geht dann über zum Sportprogramm.

Mit Dehn-, Lockerungs- und Kieferübungen beginnt die Chorprobe in Großmoor.

Nicht ganz so locker, aber doch in vielem ähnlich, begegnen sich Mitglieder des Gemischten Chors Großmoor in den regelmäßigen Proben seit nunmehr 75 Jahren. Der Chor feiert in diesem Jahr Jubiläum und hat so einiges vor. Seit 1981 treffen sich die Sängerinnen und Sänger des „gemeinnützigen“ Vereins im örtlichen Dorfgemeinschaftshaus, um zu üben und um zu singen, gemeinsam. Das zu betonen, ist allen sehr wichtig. „Es macht nicht nur Spaß, sondern verbindet auch, über Generationen hinweg“, sagt Ute Schworm.

Mehrere Generationen in einer Gemeinschaft

Sie muss es wissen. Sie singt seit ihren Teenagertagen im Chor − wie ihre Mutter Ilse Twelkemeyer (die erst vor zwei Jahren den aktiven Chor verlassen hat), ihre Tante und zuvor schon ihre Großmutter, Gründungsmitglied Therese Marheine. Auch Utes Schwester Heike war, bis die Liebe sie nach Kanada führte, im Chor. Und natürlich setzt, seit sie mitsingen darf, ihre Tochter Antje (heute 27) diese Mädels-Tradition in der Familie fort. Dieses Verbundenheitsgefühl ist in dieser Sangesgemeinschaft allgemein stark zu spüren und fasst nicht nur „alte Hasen“, sondern auch die zahlreichen „Neuzugänge“ im Großmoorer Chor mit ein.
 

Joschua Claassen begleitet die Sängerinnen und Sänger am Klavier.

In den nächsten Minuten heißt es „lockern, dehnen und strecken“. Ernsthaft zu singen bedeutet Arbeit, auch körperlich. Also geht es mit Elan an die angesagten Verrenkungen, Ausfallschritte und Armschlenker und amüsiert man sich gegenseitig über „das Gesicht“ − das Stichwort vom Chorleiter, der nun ausgeprägte Mimik- und Kieferübungen sehen möchte. Gleichsam stumme Schreie. Erst danach gibt’s die ersten Töne: Einsingen. „Mom“, „Mam“, „Maumi“ die Tonleiter rauf und runter. Auch das „Sojasojaso…“ ist nett. Kein Zögern, keine schüchterne Zurückhaltung − alle sind voll dabei. „Die richtige Vorbereitung ist der erste Teil des Erfolgs“, sagt Joschua Claassen, mahnt: „Ich will klare Absätze und Übergänge, nichts Geschmiertes“. „Neben dem ‚Töne-Lernen‘ geht es bei den Chorproben vor allem um die Ausbildung eines einheitlichen Chorklanges“, erklärt er.

Chor mit wachsender Mitgliederzahl

Ganz oben und ganz unten in den Tonlagen kommen Sopran und Bass schon mal an ihre Grenzen. Und schließlich das erste Lied: „Weißt du, wie‘s letzten Montag war“ im Kanon. Keine Frage, die Truppe hier hat Humor. Schließlich wird hier jeden Montagabend zusammen geprobt − seitdem der Chor im vergangenen Jahr auf mehr als 50 aktive Mitglieder gewachsen ist im großen Saal des Dorfgemeinschaftshauses in Großmoor. 15 Männer und 36 Frauen im Alter zwischen 20 und 84 zählt der Gemischte Chor. Der Hauptteil kommt aus der näheren Umgebung. Eine ganze Reihe von Sängerinnen und Sängern nimmt aber auch eine längere Anfahrt in Kauf, um im Chor ihrer Wahl mitzusingen.
 

Valeska Pöplow aus Nienhagen gehört zu den neuen Mitgliedern.

Eines der neuen Mitglieder ist Valeska Pöplow aus Nienhagen: „Ich hatte schon Chorerfahrung und suchte etwas Neues für mich. Dann hab ich in einem Konzert diesen Chor gehört und fand den Klang toll, da war die Sache klar.“ Was sie besonders zu schätzen weiß, verrät sie, sei dieses besondere Zusammengehörigkeitsgefühl: „Hier packen viele gemeinsam an. Egal, was es zu tun gibt, und man findet stets Unterstützung.“ Auch diese Mischung aus Herausforderung und Spaß gefalle ihr sehr.

Junger Chorleiter und modernes Liedgut

Der Chor ist inzwischen im ernsthaften Arbeitsmodus angekommen. Der Song „Memory“ aus „Cats“ wird in die Mangel genommen, immer wieder neu angesetzt und wiederholt − die einzelnen Stimmgruppen für sich, dann wieder gemeinsam. Man kann hören, wie sich alles zusammenfügt, zunehmend reiner klingt − auch in der komplizierten Mehrstimmigkeit. Es ist bemerkenswert, wie sie alle gemeinsam ernsthaft und konzentriert bei der Sache sind. Die Aura wirkt noch immer entspannt, aber fokussiert. Kein Schwätzen, keine Blödelei am Rande. Davon träumt so mancher Chorleiter im Stillen. In dieser Bereitschaft, etwas zu lernen, es zusammen richtig, besser noch gut zu machen, hat Claassen leichtes Spiel. Seine Anweisungen und Korrekturen sind klar und sachlich. Hier wird keiner unfreundlich gerügt oder gar vorgeführt. Hier gibt es ein großes Paket an Vertrauen und ein gemeinsames Ziel.
 

Das hat der Chor Großmoor für sein Jubiläumsjahr geplant

Am Samstag, 28. Januar, um 19 Uhr lädt der Chor Großmoor geladene Gäste zur Feierstunde ins Dorfgemeinschaftshaus Großmoor, Hauptstraße 161 A, ein.

Die Vorbereitungen für ein großes Open-Air-Konzert mit Überraschungen anlässlich des 75-jährigen Bestehens für Mitte Juni laufen. 

Wer mitmachen möchte, der meldet sich zum Reinschnuppern an. „Wir proben regelmäßig montags von 19.30 bis 21.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Großmoor“, erklärt Joschua Claassen. „Neue Sängerinnen und Sänger sind uns herzlich willkommen. Vorkenntnisse im Singen wären schön, Notenkenntnisse sind von Vorteil.“

„Wir haben eben einen tollen Chorleiter, um den wir beneidet werden“, unterstreicht Vera Jordan. Die 74-Jährige ist seit 1981 Mitglied im Großmoorer Chor und hat schon so manchen Chorleiter erlebt. „Seit wir ab 2000 abwechselnd immer sehr junge Chorleiter von der Uni aus Hannover haben, hat sich, nicht nur, was die Auswahl der Lieder betrifft, einiges geändert“, sagt sie. „Alles wurde schwungvoller, moderner − und das hat auch neue, jüngere Menschen angelockt. Das Gemeinschaftsgefühl war auch früher da, aber jetzt fühlt es sich leichter, ungezwungener, selbstverständlicher an.“

Junger Chorleiter auch an der Spitze des Kreischorverbandes

Joschua Claassen war einer der jungen Studenten, den es im Zuge seines Musikstudiums 2014 zum Chor nach Großmoor verschlagen hat. Nur: Er ist geblieben − und das macht „seinen“ Chor so offenbekundet stolz. Der einheitliche Tenor: „Er hört einfach alles und weiß sofort, woran ein Fehler liegt“ − und dass er nebenbei auch noch professionell Klavier spielt und begleiten kann, sei auch nicht von Nachteil. Seit 2022 ist Claassen zudem Kreischorleiter des Kreischorverbandes Celle.