Naturfreund aus Überzeugung

Ranger Oliver Dittmar: „Ich bin lieber mein eigener Herr“

Oliver Dittmar aus Eldingen arbeitet seit 2006 als selbstständiger Ranger. Zum Wohle von Pflanzen und Tieren würde er gern mit Naturschutzbehörden zusammenarbeiten. Woher die Leidenschaft kommt und was er den Menschen in schwierigen Zeiten unbedingt mit auf den Weg geben möchte. 

  • Von Lothar H. Bluhm
  • 04. Sept. 2022 | 11:00 Uhr
  • 04. Sept. 2022
  • Von Lothar H. Bluhm
  • 04. Sept. 2022 | 11:00 Uhr
  • 04. Sept. 2022
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Eldingen.

"Naja“, sagt Oliver Dittmar, „einfach ist das nicht.“ Der Job eines selbstständigen Rangers sei wichtig und toll, aber einfach sei es nicht, damit finanziell über die Runden zu kommen. Leider werde die Bedeutung eines Rangers im Landschafts- und Naturschutz von möglichen Auftraggebern viel zu wenig gesehen, dabei wären seiner Meinung nach die öffentliche Hand, Naturschutzbehörden, Verbände und Vereine und auch Landwirte potenzielle Auftraggeber.

Neigung zur Natur früh erkannt

Oliver Dittmar hat seine Neigung zur Natur schon früh erkannt und die Chance genutzt, als er sich daran erinnerte, dass der ehemalige Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Klaus Töpfer, den Schwerpunkt seiner Politik auf Natur- und Umweltschutz legte und die Ausbildung zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger initiierte. „Bei der Naturschutzbehörde Schleswig-Holstein habe ich in Neumünster meine Weiterbildung gemacht.“ – Das war 2003. Bis dahin hatte er bereits als selbstständiger Landschaftsgärtner gearbeitet.

Oliver Dittmar ist Unterfranke

„Eigentlich bin ich ein Unterfranke“, sagt Dittmar, den heute fast alle „Ranger“ nennen. Er ist in Bad Neustadt bei Bad Kissingen, dem nördlichsten Zipfel Bayerns am Naturpark Bayerische Rhön, geboren und verbrachte dort einen Teil der Kindheit. Später war er in Schweinfurt.

Interesse für Natur und Landwirtschaft

Seine Mutter heiratete in zweiter Ehe einen Berufssoldaten, einen Hauptbootsmann der Marine. Darum zog sie zusammen mit ihren Kindern, Oliver und seinen drei Brüdern, nach Wilhelmshaven. Da war Oliver elf Jahre alt. „Da bin ich zur Schule gegangen und habe mich anschließend für ein Berufsgrundbildungsjahr Agrar entschieden, weil ich Natur und Landwirtschaft schon immer gut fand“, sagt der 58-Jährige heute.

Ausbildung zum Landwirt

Für seine erste Ausbildung zum Landwirt in einem Bullenmastbetrieb mit Ackerbau in Spechtshorn verließ er die Stadt am Meer. Danach arbeitete er in einem benachbarten Milchviehbetrieb.

Arbeit als Bühnentechniker

Grün ist das Umfeld des Mannes in Eldingen: Zwischen Büschen und Blumen sitzt Dittmar beim CZ-Gespräch in Khakihemd und mit Rangerhut an einem Tisch aus robusten Holzbohlen, mit dem Teebecher in der Hand: „Die langen Haare hatte ich schon immer. Und zwar nicht aus politischen Gründen, sondern als Style.“ Auch in der Zeit, als Dittmar in seinem ersten Urlaub eher zufällig Kontakt zur Landesbühne Wilhelmshaven hatte und für zwei Jahre als Bühnentechniker arbeitete. „Das war ein guter Job. Da galt es, die Bühnenbilder aufzubauen, die Schauspieler ihre Arbeit machen zu lassen und anschließend wieder alles abzubauen – bis zur nächsten Aufführung.“ Besonders sind ihm die Gastspiele zwischen Weener an der niederländischen Grenze, Norderney, Stade und Wilhelmshaven in guter Erinnerung: „'Sonny Boys' von Neil Simon war mein erstes Stück, an dem ich an der Bühne mitarbeitete.“

Gemeindepfleger im Grünbereich

In Wilhelmshaven hat Dittmar auch Feldhockey gespielt: „Ich war linker Verteidiger und in der Vorrunde zur Vorrunde für die Deutsche Meisterschaft sind wir zwar grandios gescheitert, aber für Willitown war das ein Highlight.“ Aber er wollte wieder weg aus der Stadt am Jadebusen. Raus aufs Land. In Beedenbostel arbeitete er als Gemeindepfleger im Grünbereich, bevor er sich selbstständig machte. „Ich bin doch lieber mein eigener Herr …“

Bahnsteig Wannsee repariert

In Berlin hat er Aufträge angenommen, wenn es um Pflasterarbeiten und Mosaike ging. „Da bekam ich den Auftrag, innerhalb kürzester Zeit am letzten Bahnsteig Wannsee nach Potsdam unter enormem Zeitdruck eine größere Reparatur durchzuführen. Am nächsten Tag zur Eröffnung waren alle sehr zufrieden.“ Durch die „Geiz-ist-geil-Phase“ Ende der 90er Jahre geriet seine Selbstständigkeit ins Wanken, und Dittmar hielt sich mit Flohmärkten und Flaschensammeln über Wasser. „Das war gar nicht so einfach“, beschreibt er heute die schwierige Zeit, in der sein Durchhaltevermögen gefragt war: „Da haben viele Leute alles selbst gemacht, weil alle Angebote, die ich abgab, preislich anscheinend zu hoch waren.“

Zertifizierter Natur- und Landschaftspfleger

So ging das nicht weiter, dachte er 2003, als er sich an die Klaus-Töpfer-Initiative erinnerte, mehr für den Umwelt- und Naturschutz zu tun. „Das kam mir recht, denn da konnte ich die Weiterbildung zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger machen. Von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hab ich das Zertifikat.“

Radtour zum Neubau der B 3 begleitet

Kürzlich begleitete Dittmar die Radtour des BUND zum Neubau der B 3 zwischen Altenhagen, Lachtehausen und Altencelle. Von den Baumaßnahmen ist das Naturschutzgebiet „Obere Allerniederung“ betroffen: „Naturschutzgebiete sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen erforderlich ist“, sagt Dittmar. „Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebietes oder Handlungen, die zu einer nachhaltigen Störung führen können, sind nach Maßgabe näherer Bestimmungen verboten. Es gilt nicht nur ein besonderer Schutz, sondern ein strenger Schutz“, unterstreicht der selbstständige Ranger. Da sollen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen den Naturverlust kompensieren. „Nun geht es darum, und dafür bin ich ausgebildet worden, dass Pflanzen und Tiere sowohl im Sommer als auch im Winter ihre Quartiere haben und darin nicht gestört werden.“ Es gebe sehr viele Theoretiker, aber nur wenige Praktiker, und es werde sehr viel falsch gemacht, meint Dittmar, der Schwächen und Probleme sieht: „Ich bin Praktiker und wünsche mir, dass die Naturschutzbehörden mit mir zusammenarbeiten.“ Aber: „Ich muss auch meine Meinung sagen können …“

Dittmar möchte Augen öffnen

Seine letzte Visitenkarte hat Ranger Oliver Dittmar in der vorletzten Woche an Christian Meyer gegeben, als der frühere niedersächsische Landwirtschaftsminister Eldingen besuchte. „Nur wer gesehen wird, wird wahrgenommen“, hofft Dittmar. „Ich möchte die Augen öffnen! – Es sollte endlich mal Naturschutz umgesetzt werden. Die Tiere ziehen sich zurück und weichen aus.“

Lebenslauf

1964

in Bad Neustadt an der Saale als zweiter von vier Brüdern geboren

1975

Umzug mit der Familie nach Wilhelmshaven

1981 bis 1983

Berufsgrundbildungsjahre Agrar und Bautechnik

1983 bis 1985

Ausbildung zum Landwirt in Spechtshorn, anschließend Tätigkeit in dem Beruf

1986 bis 1988

Bühnentechniker bei der Landesbühne Wilhelmshaven

1989 bis 1991

Umschulung zum Landschaftsgärtner beim Jugenddorf Westercelle, anschließend Greenkeeper beim Golf-Club in Alvern

1992 bis 2003 

selbstständiger Landschaftsgärtner

2003 bis 2005

Weiterbildung zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger

2007 bis 2015

Messebau

Seit 2006

selbstständiger Ranger