Typenporträt

Ein Mann in Bewegung

Zu den wichtigsten Quellen seines Lebens zählt Henry Spehlbrink Menschen, Traditionen und Abenteuer.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 03. Dez. 2022 | 14:31 Uhr
  • 03. Dez. 2022
Immer in Bewegung: Als seine Kinder mit dem Skaten anfingen, hat Henry Spehlbrink sich von deren Begeisterung anstecken lassen.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 03. Dez. 2022 | 14:31 Uhr
  • 03. Dez. 2022
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Celle.

Fragt man Henry Spehlbrink nach seiner Lebensmaxime, kommt die Antwort prompt. Es sind die Menschen, die Traditionen und die Abenteuer, die ihm am Herzen liegen. Vielleicht ist die Liebe zur Tradition in der elterlichen Gast- und Landwirtschaft begründet, in die er 1954 hineingeboren wurde. Zusammen mit seiner Schwester ist er im Gasthaus Spehlbrink aufgewachsen, das seit mehr als 200 Jahren im Familienbesitz war. Da die Eltern zusätzlich mit der seit über fünf Jahrhunderten im Familienbesitz befindlichen Landwirtschaft ausgelastet waren, hat der Heranwachsende viele Freiräume genossen und ist tolerant erzogen worden.

„Trotz des Widerstands der Grundschullehrerin konnte ich mit Unterstützung der Eltern auf das Gymnasium in Sulingen wechseln.“

Damals gab es in der Ortschaft Klein Lessen, die südwestlich vom Kernort Sulingen liegt, eine Zwergschule, in der vier Jahrgänge zusammen unterrichtet wurden. „Es waren sechs Mädchen und ich“, erinnert sich Henry Spehlbrink: „Trotz des Widerstands der Grundschullehrerin konnte ich mit Unterstützung der Eltern auf das Gymnasium in Sulingen wechseln.“ Dort hat der Schüler bereits in der 10. Klasse seine Ehefrau Karin kennengelernt. Seit dem Abitur sind die beiden ein Paar: „Wir haben zwölf Jahre in wilder Ehe gelebt und dann 1986 Hochzeit gefeiert, weil Hauke sich ankündigte.“ Knapp drei Jahre später kam Gesche dazu und seit 2022 gibt es zudem die Enkelin Maleen in der Familie.

Nach dem Abitur hat Spehlbrink Mathematik auf Diplom studiert.

Nach dem Abitur und dem Ersatzdienst bei der freiwilligen Feuerwehr in Klein Lessen war Henry Spehlbrink als Hauptlöschmeister tätig und zuletzt als stellvertretender Zugführer im Katastrophenschutz Diepholz seiner Heimat verbunden. Für ihn war es selbstverständlich, noch während des Studiums in Hannover im elterlichen Betrieb auszuhelfen. Eigentlich wollte der Abiturient Lehrer werden. Da er keinen Studienplatz bekam, studierte er Mathematik auf Diplom und die Continentale-Lebensversicherung in München wurde sein erster Arbeitgeber. Das Leben im 30 Kilometer vom Arbeitsort entfernten Ottenhofen gefiel dem Ehepaar nicht gut, in Celle haben sich beide hingegen von Anfang an wohlgefühlt.

Als Mathematiker in Hannover tätig

Ab 1992 war der Mathematiker bei der HDI-Versicherung in Hannover tätig. Er hat dort mit Kollegen eine Anwendung für die Industrie entwickelt und 28 Jahre lang betreut. Zum Ende seines Arbeitslebens hat der Anwendungsentwickler die Daten in ein modernes System integriert.

Sportlich vielfach aktiv

Schon als Kind hat Spehlbrink Fuß- und Volleyball gespielt und in der Gastwirtschaft gekegelt. So war es naheliegend, dass er 1974 als Student der Akademischen Turnverbindung in Hannover beitritt. In der Verbindung hat er Skifahren, Rudern und Tennis gelernt und Freunde gefunden, mit denen er noch immer verbunden ist. Bis heute ist der 67-Jährige für die Verbindung aktiv.

„Das Trainingslager in Westerstede war das Highlight im Jahr.“

1992 in Celle angekommen, hat der Sportbegeisterte Kontakt zum VfL Westercelle aufgenommen. Dort hat er zuerst als Fußballtrainer die Jugend betreut, später dann zusammen mit Klaus Peters die Volleyballsparte gegründet und auch dafür den Trainerschein absolviert. 1992 schuf er die Hobbyliga Celle, die er viele Jahre leitete. Seine Kinder trainierte er in neu geschaffenen Jugendmannschaften. Regelmäßig richtete seine eigene gemischte Mannschaft viele Osterturniere aus. „Das Trainingslager in Westerstede war das Highlight im Jahr“, schmunzelt Spehlbrink.

Mit Leidenschaft Sportler: Schon als Kind hat Henry Spehlbrink Fußball gespielt. In Celle hat war er auch Trainer.

Dank seines großes Talents, die Menschen zu begeistern, hat sich aus der Volleyball-Mannschaft eine Skigruppe entwickelt, die seit über zwei Jahrzehnten verreist. Der sportliche Rentner freut sich darüber, dass einige der inzwischen erwachsenen Kinder der Gruppe bei der einwöchigen Skifreizeit dabei sind und die Tradition an die nächste Generation weitergeben.

Begeisterung fürs Skaten entdeckt

Als seine Kinder mit dem Skaten anfingen, hat Henry Spehlbrink sich von deren Begeisterung anstecken lassen. Oft ist er von der Arbeit in Hannover mit den Skates nach Hause gefahren und hat so Ausdauer und Kraft gesteigert. Später hat er ganze Touren unternommen. In fünf Tagen ist er zum Beispiel von Flensburg nach Celle und dann weiter nach Kassel gefahren. Bei der nächsten Tour von Kassel nach Basel hat ihn seine Frau mit Freunden im Wohnmobil begleitet. Nach der dritten Tour von Papenburg nach Dresden motivierte und versorgte ihn auf der vierten Tour von Aachen nach Usedom ein Freund auf dem Fahrrad. Insgesamt hat der Skater 2500 Kilometer zurückgelegt.

Leidenschaft für Doppelkopf

Neben dem Sport ist das Doppelkopfspielen eine seiner Leidenschaften. Auch hier ist es ihm gelungen, einen Stammtisch zu organisieren. Selbst die Pandemie war kein Hindernis, dem Organisationstalent ist es zu verdanken, dass das Spiel online mit mehreren Spieltischen stattfinden konnte.

Für den Seniorenstützpunkt Celle ist Henry Spehlbrink als Rikscha-Fahrer unterwegs.

Auch der familiäre Zusammenhalt ist für den Familienvater wichtig. Da Henry Spehlbrink fit ist, geht es zusammen mit seinen erwachsenen Kindern am Wochenende auch mal zum Fallschirmspringen oder zum Gleitschirmfliegen. Selbst vor „Houserunning“ schreckt er nicht zurück. An einem Seil gesichert, ist er aus 48 Metern Höhe an einer Hochhauswand runtergelaufen oder hat sich im Gigaswing im Tandem mit Sohn Hauke ausprobiert und baumelte sogar per Megazipline am Seil über einer Talsperre.

Ehepaar teilt Sportleidenschaft

Inzwischen ist es zur Tradition geworden, dass das Ehepaar Spehlbrink jedes Jahr mit dem Rad Urlaub macht. Da Karin Spehlbrink die Sportleidenschaft ihres Mannes teilt, fahren die beiden zudem zu den jährlichen Leichtathletikmeisterschaften und kombinieren den Besuch mit einer Städtetour. Seitdem der Rentner den Sportbootführerschein binnen absolviert hat, geht es mit Freunden oder den Kindern gerne auf das Wasser.

Offen für neue Abenteuer

Seit 2020 ist Henry Spehlbrink im Ruhestand, der in seinem Fall eher ein „Unruhestand“ ist. Inzwischen ist er als Rikscha-Fahrer für den Seniorenstützpunkt Celle unterwegs. Es ist für ihn eine Bereicherung, Menschen, die nicht mehr selbst Fahrrad fahren können, zusammen mit Angehörigen oder Freunden in der Rikscha zu fahren: „Die Leute fallen mir um den Hals und sind glücklich. Ich liebe es, zufriedene Menschen um mich zu haben.“ Er hat drei eigene Touren durch das Stadtgebiet entwickelt.

„Mein ältester Fahrgast war 97 Jahre alt, ein 104-jähriger Herr ist in der Warteschleife.“

„Mein ältester Fahrgast war 97 Jahre alt, ein 104-jähriger Herr ist in der Warteschleife“, führt Henry Spehlbrink aus. Zu den Fahrgästen gehören nicht nur Senioren, auch chronisch Kranke, die nicht mehr Rad fahren können, sind willkommen. Da der Seniorenstützpunkt einen Wärmesack angeschafft hat, kann die Fahrt auch in der kälteren Jahreszeit stattfinden – solange das Wetter trocken ist.

Als Helfer mit Sportgala unterwegs

Allerdings wird Henry Spehlbrink Ende Dezember als Rikscha-Fahrer eine Pause einlegen und stattdessen in anderer Sache unterwegs sein. Sportliebhabern ist das Feuerwerk der Turnkunst als größte europäische Sportgala bekannt, die in allen großen Hallen der Republik stattfindet. Als im Programmheft zu lesen war, dass Helfer gesucht werden, zeigte sich Spehlbrink offen für diese neue Herausforderung. Er freut sich darauf, mit der Truppe vier Wochen als Fahrer durch Deutschland zu touren. Langeweile wird bei diesem aktiven Mann also sicher nicht aufkommen, er bleibt in Bewegung.

Lebenslauf

1954

Geburt im Gasthaus Spehlbrink
in Klein Lessen

1986

Hochzeit

1986

Geburt von Sohn Hauke

1988

Umzug nach Ottenhofen,
Anstellung bei der Continentale Versicherung in München

1989

Geburt von Tochter Gesche

1992

Umzug nach Celle und Anstellung bei der HDI-Versicherung in Hannover

2020

Einstieg in das Rentnerleben

Der Seniorenstützpunkt Celle ist für Rikscha-Fahrten zu erreichen unter Telefon (05141) 9013101 oder per
E-Mail an info@senioren-celle.de.

Von Marion Peterson