Seit 25 Jahren

Alte Molkerei ist Problemlöser für Kinder

Die Alte Molkerei feiert 25-jähriges Bestehen in der Celler Jugendhilfe. Zudem steht der 35. Geburtstag der Sozialpädagogischen Schülerhilfe an.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 25. Juni 2022 | 12:00 Uhr
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Celle.

Was als Projekt in dem ehemaligen Molkerei-Gebäude begann, hat sich zu einem festen Bestandteil der Jugendhilfe in Celle entwickelt. Nach 25 Jahren ist die Einrichtung „Alte Molkerei“ an der Blumlage 64 ein wesentlicher Bestandteil der sozialpädagogischen Landschaft. Akzeptiert über ihren Stadtteil hinaus, mit gemeinschaftsfördernden Angeboten. Die dort praktizierte Gruppenarbeit soll den betreuten Jugendlichen zu einem besseren Sozialverhalten verhelfen.

Der Heilpädagoge Stefan Fleischer ist von Beginn an dabei und leitet heute die Einrichtung, die in einer Kooperation von Stadt und Landkreis Celle sowie der Linerhausstiftung ihre pädagogischen Ziele verfolgt. Wie sein Kollege Oliver Görke, Sozialpädagoge und Teamleiter, blickt er mit gutem Gefühl auf die Jahre und das Erreichte zurück. Beide sehen das Konzept der Einrichtung als sehr gut umgesetzt an.

Aus dem Stadtteilprojekt „Arbeit mit dort wohnenden, verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen“ ist im Laufe der Zeit ein breites Angebot für mehrere Generationen geworden. „Im Vordergrund steht weiterhin die soziale Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen“, betont Fleischer. Aber wie Görke weiß er, dass von einer Mehrgenerationen-Begegnung beide Seiten profitieren. Als eines der Stichworte sei „jugendliche“ Hilfestellung beim Thema Digitalisierung genannt.

Stadtteilgarten als Anlaufstation

Ein anderes Beispiel: In fußläufiger Entfernung liegt der Stadtteilgarten, geöffnet für alle, aber verwaltungstechnisch in Verantwortung der Alten Molkerei. Holger „Hacki“ Kruse, ein älterer Ehrenamtlicher, hat dort ausgemusterte Spielgeräte saniert und aufgestellt. Das Gelände sei „eine wichtige Anlaufstation in einem Stadtteil mit beengten Wohnverhältnissen“, äußert Stefan Fleischer, und das nicht nur mit Blick auf „seine Jugendlichen“. Wie der Tagesablauf in der Praxis aussieht? Die Kinder und Jugendlichen kommt nach der Schule in die Alte Molkerei. Dort wird zu Mittag gegessen, es gibt Hausaufgabenhilfe und Freizeitangebote. Diese Struktur ist ein wesentlicher Faktor sozialer Integration. Für Attraktivität sorgen unter anderem die Kontakte zum Fußballverein SV Altencelle, zum Paddelclub Celle und zur DLRG.

Das Aufsuchen der Schwimmhalle steht bei Alyah (11) und der gleichaltrigen Viktoria hoch im Kurs. Gefragt nach ihrem Lieblingsangebot, antworten sie: „Zum Schwimmen fahren.“ Der 16-jährige Gymnasiast Maximilian war sechs Jahre lang in der „sozialpädagogischen Förderung“. Heute besucht er das Haus und die dortigen offenen Angebote für Jugendliche. Er blickt zurück und sagt: „Es war gut für mich. Meine Eltern konnten mir bei den Schulaufgaben nicht helfen. Außerdem habe ich durch die Gruppenarbeit meinen Horizont erweitert.“

Schülerhilfe feiert 35. Geburtstag

Um pädagogische Prinzipien in den Blickpunkt zu rücken: Die Gestaltung der Tagesabläufe findet im Gespräch mit den Jugendlichen statt. Und: „Selbstverständlich beziehen wir auch die Familien in die Arbeit mit ein“, erklären Stefan Fleischer und Oliver Görke. Nur auf diese Weise ließen sich (Erziehungs-)Probleme erfolgreich lösen.

Mit Problemlösungen befasst sich auch der Diplom-Berufspädagoge Jörg Cloppenburg. Er vertritt mit seinem Büro in der Alten Molkerei die sozialpädagogische Schülerhilfe, die ihr 35-jähriges Bestehen feiert. Das Ziel formuliert er so: „Aufsuchende Arbeit in den Familien, Hilfestellung leisten bei Lernschwierigkeiten, Gespräche mit Lehrkräften führen sowie den Kindern und Jugendlichen Selbstwertgefühl zu vermitteln.“

Vierte im Bunde ist Stadtteilmanagerin Thekla Vogt. Mit Oliver Görke und vielen Ehrenamtlichen organisiert sie wöchentliche Angebote. Unter anderem das Café International oder den Seniorentreff. Das Stadtteilmanagement bietet zudem eine Fahrradwerkstatt, einen Treffpunkt für Selbsthilfegruppen, Beratungen und Hilfestellung an.

Von der Central-Molkerei zur Anlaufstelle für die Blumlage

Was wird aus dem Gebäude der Celleschen Central-Molkerei in der Blumlage? Das war die Frage, die sich viele nach der Schließung des Milchunternehmens im Jahr 1995 stellten. Der damals amtierende Geschäftsführer, Hans Genzel, erklärte gegenüber der CZ: „Es gibt schon einige ernsthafte Interessenten für Grundstück und Gebäude.“ Was auf dem Gelände entstehen könnte oder ob das Gebäude eine Chance habe, erhalten zu bleiben, das wusste Genzel nicht.Zwei Jahre später, 1997, war die Frage geklärt, weil die Stadt Celle und die Linerhausstiftung dort ein Projekt an den Start brachten. An der Adresse Blumlage 64 nahm „Die „Alte Molkerei“, eine Einrichtung für Jugendliche aus dem Stadtteil, die sozialer und schulischer Förderung bedurften, ihre Arbeit auf.

Außerdem eröffnete die Sozialpädagogische Schülerhilfe ein Büro als Anlaufstelle. Sie betreute 1997 bereits zehn Jahre lang Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf aus dem Landkreis. „Hinter der Einrichtung Alte Molkerei steckte ein neuer sozialpädagogischer Ansatz“, erklärt Stefan Fleischer. Er ist seit 1989 für die Linerhausstiftung tätig und war bei der Eröffnung 1997 zugegen. Heute leitet er das Projekt.

Den pädagogischen Ansatz, der praktiziert wurde und wird, den umschreibt Stefan Fleischer so: „Die Jugendlichen wurden nicht mehr aus allen Stadtteilen an einen Ort gekarrt. Sie erlebten die Förderung und die Angebote in ihrem Wohnumfeld und zum Teil gemeinsam mit ihren Freunden.“ Wenn sich der Leiter an die Anfänge erinnert, weiß er durchaus von „einigen Ressentiments der Anwohnerinnen und Anwohner“ zu berichten. „Wie das so ist, wenn eine Jugendeinrichtung in den Stadtteil kommt. Da kann es auch mal laut werden.“ Im Laufe der Zeit, mit Netzwerkarbeit sowie in Gesprächen mit den Nachbarn, sei Akzeptanz erreicht worden.

Im Fokus standen von Beginn an nicht nur die jugendliche Klientel, sondern auch die Familien im Stadtteil. Stefan Fleischer: „Vor allem die vielen Alleinerziehenden. Da gab es Mütter, die waren in ihrem Leben nicht über Celle und Hannover hinausgekommen. Denen habe ich gesagt: ,Dagegen habe ich was.‘ Und habe, zusammen mit zwei Kolleginnen, eine Mutter-Kind-Freizeit auf Jütland organisiert.“

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Von Andreas Stolz