Hacke statt Herbizide

Mechanik gegen Unkraut auf Celler Kartoffelacker

Mit Mechanik gegen Unkraut: Thaer-Schüler aus Celle schauen sich am Kartoffelacker die neuesten Entwicklungen an.
  • Von Lothar H. Bluhm
  • 09. Juli 2022 | 11:00 Uhr
  • 09. Juli 2022
  • Von Lothar H. Bluhm
  • 09. Juli 2022 | 11:00 Uhr
  • 09. Juli 2022
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Celle.

Schülerinnen und Schüler verschiedener Berufsschulklassen der Albrecht-Thear-Schule warten am Rande des Kartoffelackers, auf dem vor einigen Wochen 18 verschiedene Kartoffelsorten gesteckt wurden. Sie warten auf eine neue Hackmaschine, mit der der Acker mechanisch von Unkraut befreit werden kann.

Die Sicherungssplinte leuchten silbrig-metallisch in der Sonne, die rote und grüne Lackierung des „Opti-Weeder“ reflektiert im Morgenlicht, als das Gerät kurz geparkt wird. „An der Hackmaschine ist alles neu − die gibt es so eigentlich noch nicht auf dem Markt“, stellt Joachim Timm die Neuentwicklung vor. Der geschäftsführende Gesellschafter ist studierter Landwirt und kennt die Probleme der Beikrautbekämpfung in der alternativen Landwirtschaft. Er betont, dass dieses Bodenbearbeitungsgerät ausschließlich für die Unkrautbekämpfung an Dämmen konzipiert wurde, wie bei Möhren und eben bei Kartoffeln: „Jede einzelne Reihe wird mechanisch durch Federn gefühlt, um Unebenheiten zu erkennen, und jede Reihe wird einzeln abgetastet und ist auch frei lenkbar.“ Durch eine Führungseinheit mit seitlichen Blechen, die sich am Damm langtasten. „Durch dieses Abtasten haben wir immer eine akkurate Führung der Messer und der Sterne, die oben zwischen den Kartoffeln laufen.“

Der wunde Punkt sei die Bekämpfung zwischen den Stängeln der Kulturpflanzen und im oberen Drittel des Dammes: „Da komme ich beim Striegeln nicht ran.“ Hier hilft die neue Hackmaschine: „Da fahren wir seitlich mit dem Messer entlang und die Sterne laufen immer zwischen den Knollen.“ Mit einem patentierten Dammformblech werde der Damm anschließend wieder in Form gebracht.

Es geht Timm, der die Hackmaschinen-Vertriebsrechte für Deutschland, Polen, Rumänien und Ungarn hat, darum, Überfahrten mit Landmaschinen zu reduzieren. Gerade beim Kartoffelanbau gelte die Regel Häufeln-Striegeln-Häufeln-Striegeln, was viele Überfahrten über den Acker bedeutet. „Wir wollen Überfahrten einsparen: Wenig Überfahrten möglichst effektiv.“

Fachschüler Markus Lenz ist überzeugt: „Das ist mit Sicherheit ein System, was in Zukunft häufiger anzutreffen sein wird.“ Aber im Bereich von Speisekartoffeln vermutet er noch Verbesserungsmöglichkeiten, um grüne Kartoffeln zu vermeiden.

Es sei auch eine Frage der Grundvoraussetzungen, findet Mitschüler Wilken Niemann: Wenn per Computer gepflanzt worden wäre, könnte man in dem System fortsetzen. Wo das nicht der Fall ist, sei es schwierig, dammgenau zu arbeiten. „Hier wurde mit einer zweireihigen Maschine gepflanzt und einige Kartoffeln sind nun schon sichtbar.“ Hinzu komme, dass Kraut runtergedrückt wird, was zu Krautfäule führen kann.

Enorme Entwicklung bei der Technik

Die Kartoffel-Spezialberatung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen habe das Gerät bereits empfohlen, weiß Fachlehrer Dennis Gramm. Markus Mücke, Fachberater Öko-Landbau der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, sagte bereits in einem Vortrag zur Unkrautbekämpfung im ökologischen Landbau: „Die Auswahl an mechanischen Unkrautregulierungsverfahren hat deutlich zugenommen.“ Die weitere Entwicklung auf diesem Gebiet sei enorm durch automatisierte Steuerung, autonome Verfahren und Tiefenführung. So sei eine Erhöhung der Flächenleistung möglich. Mücke empfiehlt, man solle mit der Regulierung beginnen, sobald die Unkräuter auflaufen. Der Vorgang sei nach jeder Keimwelle zu wiederholen, alle 8 bis 14 Tage, sobald es die Witterung erlaubt. „In der Regel kann die Kartoffel gut mit mechanischen Verfahren sauber gehalten werden“, so der Fachmann. Auf dem Kartoffeltestgelände der Albrecht-Thaer-Schule bewies der neue „Opti-Weeder“, was möglich ist. Ackerstaub bedeckt nun die rot und grün lackierten Teile – Ackerstaub aus Altenhagen.

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