Flexattack Regnersystem

Löschen von Moorbränden auf Knopfdruck

Ein Patent aus Celle macht Hoffnung bei der Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden. Beim Moorbrand in Gifhorn war es schon im Einsatz.
  • Von Lothar H. Bluhm
  • 30. Juli 2022 | 15:00 Uhr
  • 30. Juli 2022
  • Von Lothar H. Bluhm
  • 30. Juli 2022 | 15:00 Uhr
  • 30. Juli 2022
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Celle.

Eigentlich ging alles ganz schnell: Nach seinem Angebot, die fünf Vorführmodelle seines Regnersystems auszuleihen, kam innerhalb weniger Minuten die Bestätigung von der Einsatzleitung. Ulrich Persuhn packte also die fünf Geräte in sein Auto und brachte sie direkt zur Wald- und Moorbrandbekämpfung zur Feuerwehr nach Gifhorn.

„Als ich von dem Feuer hörte, habe ich sofort Kontakt zu meinem Handelspartner vor Ort in Gifhorn aufgenommen, und die Bitte um Unterstützung kam wenig später“, fasst Ulrich Persuhn den Ablauf zusammen. Die Beregnungsanlagen stehen heute noch, um die Moorfläche nass zu halten.

Der Moorbrand bei Gifhorn brach vor gut einer Woche aus. Hunderte Einsatzkräfte bekämpften den Brand, der sich unterirdisch ausbreitete. Um den aufwendigen und personalintensiven Einsatz zu unterstützen, bot P-tec Celle ihr neuestes Produkt zur Unterstützung bei der Vegetationsbrandbekämpfung an.

HoHe Löschwirkung bei Minimalem bedarf

Das speziell für Brände in Wäldern und Mooren entwickelte Produkt ist mit einer Reihenschaltung von Bewässerungsregnern zu vergleichen. Das Löschsystem bewässert gleichmäßig und ohne Personaleinsatz im laufenden Betrieb eine vorgegebene Fläche. „Hierdurch kann das Löschwasser gleichmäßig in den Boden eindringen und erzielt so eine hohe Löschwirkung und dies bei einem minimalen Löschwasserbedarf“, beschreibt Persuhn seine Neuheit.

Ulrich Persuhn ist seit 1969 Feuerwehrkamerad, seit zehn Jahren in der Altersabteilung. Er kennt sich gut aus im Löschwesen, weiß, wie es bei Einsätzen läuft. Und er weiß auch, was optimiert werden kann.

Sohn Florian ist Pressewart der Feuerwehr Celle und auch Tochter Nicole Persuhn war lange aktiv bei der Feuerwehr. Mit ihr zusammen betreibt der selbstständige Feinmechanikermeister das Unternehmen P-tec Celle e. K., das sich seit mehreren Jahren mit der Herstellung von Geräten für Feuerwehren und Katastrophenschutz beschäftigt. Patente und Gebrauchsmuster sind beim Patentamt registriert. „Insbesondere sind diese Geräte zur Verlegung von Schläuchen bei der Waldbrandbekämpfung geeignet. Das sind Schlauchtragekörbe und Schlauchkassetten für Schlauchkraftwagen“, skizziert Persuhn sein Patent.

Interesse aus Spanien, Italien und Schweiz

Durch die Brandbekämpfung im Kreis Gifhorn hatte das Familienunternehmen jetzt die Gelegenheit, sein neuestes Produkt, das „flexattack Regnersystem“, im Ernstfall einzusetzen. Das System basiert auf einer C-Leitung mit 52 Millimeter Durchmesser, in die Regner-Grundaufnahmen eingesetzt werden. „Das System ist primär für Einsatzgebiete gedacht, in denen keine permanent große Wassermenge zur Verfügung steht und wo das vorhandene Löschwasser mit möglichst großer Effizienz eingesetzt werden muss."

„Wir legen großen Wert auf möglichst wenig Wasser“, sagt Persuhn und nennt Vergleichszahlen: Jeder Regner verteilt 30 bis 50 Liter Wasser pro Minute, ein herkömmliches Feuerwehr-Strahlrohr 100 bis 200 Liter. „Wir wollen das wenige Wasser optimal ausnutzen.“ So können Schneisen bewässert und Wege und Flächen nass gehalten werden – auch, um ein Wiederaufflammen von Glut zu verhindern. „Gerade wenn Moor brennt, muss lange Zeit bewässert werden, um ein erneutes Feuer zu vermeiden.“

Das System ist aber nicht nur auf den Einsatz bei Vegetationsbränden beschränkt, sondern es ist auch geeignet zur Riegelstellung bei Gebäudebränden und zur Beregnung von größeren Brandstellen wie Lagerhallen und zum Schutz von Nachbargebäuden. Ulrich Persuhn: „Es ist sehr flexibel einsatzbar, leicht zu verstauen und zu transportieren. Und es ist einfach im Aufbau, denn die Regner stehen stabil auf ausklappbaren Abstützungen.“ Hinzu komme, dass sich das Regneroberteil bewegen lässt, um Unebenheiten auf Wegen auszugleichen, und mit einem Baumhalter sei es stufenlos beweglich, um den optimalen Winkel einzustellen.

Bereits auf Fachmesse Interschutz in Hannover präsent

Die von Persuhn optimierten Waldbrandtragekörbe erleichtern Feuerwehrleuten die Arbeit am Einsatzort erheblich: „Damit hat der Feuerwehrkamerad gleich alles zur Hand, was er beim Wald- und Flächenbrand braucht: Schlauch, Verteiler und Strahlrohre.“

Bereits während der Fachmesse Interschutz in Hannover hat Persuhn seine Geräte gezeigt: „Unser Stand war zu unserer Freude sehr stark besucht.“

Kein Wunder, dass er am heimischen Computer Anfragen aus Spanien, Italien, Österreich, Deutschland und der Schweiz notiert. „Das Interesse ist da.“ Großstädte wie Frankfurt und Köln haben schon größere Stückzahlen der patentierten Schlauchtragekörbe von Persuhn im Einsatz.

Toll findet Persuhn, dass die Körbe hier in Celle durch seinen Kooperationspartner Metallbau Anders gefertigt und viele Teile durch die Werkstatt der Lebenshilfe in Nienhagen vorbereitet versendet werden.