Erziehung heute

Wie Bindungen in digitalen Zeiten leiden

Die Digitalisierung kann Einfluss auf die Eltern-Kind-Bindung nehmen - doch nicht nur im negativen Sinne. Anlässlich des Jubiläums der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Landkreises hat Prof. Mathias Berg das Thema aufgegriffen - das kam dabei raus.

  • Von Stefanie Franke
  • 24. Dez. 2022 | 14:00 Uhr
  • 24. Dez. 2022
72 Prozent der Kinder im Alter von null bis sechs nutzen digitale Medien. 
  • Von Stefanie Franke
  • 24. Dez. 2022 | 14:00 Uhr
  • 24. Dez. 2022
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Celle.

Zum Jubiläum der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Landkreises Celle fand die Jahrestagung der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung Niedersachsen im Celler Kreistagssaal statt. Eines der Vortragsthemen: Eltern-Kind-Bindung in Zeiten der Digitalisierung.

Mathias Berg, Professor der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen informierte zu ausgewählten Aspekten der Digitalisierung sowie der Mediennutzung von Eltern und Kindern. Des Weiteren ging er von vielen Medien aufgestellten These nach, ob Eltern ihre Kinder aufgrund ihrer Smartphones vernachlässigen würden.

Im Zeitalter der Digitalisierung sei die Nutzung von Medien alltäglich geworden. Egal ob Online-Shopping, Banking oder die Nutzung von Messengerdiensten und Social Media: Die digitalen Medien beeinflussten laut Berg nicht nur das Selbstbild, sondern veränderten auch den Fokus der Aufmerksamkeit sowie die Kultur der menschlichen Beziehungen. In einer Zeit, in der bereits 72 Prozent der Kleinkinder im Alter von null bis sechs digitale Medien nutzen, habe dies möglicherweise auch Einfluss auf die Bindung zwischen Eltern und Kindern - inwieweit, sei jedoch nicht so einfach feststellbar.

Einen Vergleichspunkt bietet laut Berg das „Still-Face-Experiment“: Eine Kontaktsituation zwischen Mutter und Kind wird dabei für kurze Zeit unterbrochen. Im Anschluss wendet sich die Mutter dem Kind mit ausdruckslosem Gesicht wieder zu. Bereits nach zwei Minuten ohne Reaktion werden so bei dem Kind negative Emotionen und Stress ausgelöst. Dies lässt sich auch auf die Kontaktsituation erweitern, sobald ein Smartphone hinzukommt und die Bezugsperson dadurch für das Kind nicht verfügbar ist.

Digitalisierung bedeute jedoch auch in Verbindung sein und bleiben, so Berg – sei es die Verknüpfung mit Gleichaltrigen, den in der Ferne lebenden Verwandten oder der großen Liebe. Aus Sicht der Erziehungsberatung sei vor allem der Aspekt des Vorlebens von Bedeutung. Je besser die Bindung zwischen Eltern und Kindern, desto achtsamer würde auch der Umgang mit der Mediennutzung thematisiert. Unterstützung dazu biete auch die Initiative „Schau hin“.