Erholung direkt vor der Tür

Aufguss für den Reporter: Besuch in der Sauna in Celle wie ein Kurzurlaub

Gerade im Winter zieht es viele Menschen in die Sauna. Zwar wird derzeit auch im Celler Badeland Energie eingespart, Schwitzen ist aber dennoch möglich. Gerade die Aufgüsse sind bei den Gästen beliebt, wie der CZ-Reporter nach der kalten Dusche notiert hat. Was den Besuch für ihn und die anderen Stammgäste so besonders macht, lesen Sie in der großen Reportage. 

  • Von Christopher Menge
  • 02. Jan. 2023 | 11:00 Uhr
  • 02. Jan. 2023
Mit der Regenkelle gießt Jeffery Müller in der Heidesauna auf. Zur Klangschalen-Zeremonie hat der Saunameister Ingwer-Limette mitgebracht.
  • Von Christopher Menge
  • 02. Jan. 2023 | 11:00 Uhr
  • 02. Jan. 2023
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Celle.

Gefühlvoll schlägt Jeffery Müller die große Klangschale an, die er auf einem Handtuch durch die Eventsauna des Celler Badelands trägt. Die meisten Gäste schließen die Augen und lauschen den Klängen. „Achtet auf euren Körper, ihr werdet bis zu dreimal mehr schwitzen als bei einem normalen Aufguss“, hatte der Saunameister zuvor angekündigt. Der 52-Jährige ist der einzige Mitarbeiter im Celler Badeland, der diesen besonderen, diesen besonders entspannenden Aufguss durchführen darf, Jeffery Müller hat eine spezielle Schulung dafür absolviert. Heute verwöhnt er die Gäste schon am frühen Nachmittag mit seiner Klangschalen-Zeremonie.

Jeffery Müller ist der einzige Saunameister in der Sauna, der den Klangschalen-Aufguss machen darf. Er hat dafür eine spezielle Schulung absolviert.

Klangschalen-Zeremonie in der Eventsauna im Celler Badeland

Dabei gießt er Ingwer-Limette auf den heißen Ofen, zudem wedelt er mit einem Tuch, das nach Orange duftet. Zwischendurch schlägt Jeffery Müller die drei weiteren Klangschalen abwechselnd an. „Dadurch werden Schallwellen erzeugt“, erklärt Jeffery Müller später. Das sorge dafür, dass die Schweißdrüsen überreizt würden. „Wir haben über zwei Millionen auf der Haut“, sagt der Saunameister. „Und darum schwitzen wir beim Klangschalen-Aufguss so.“

Jeffery Müller ist Teamleiter Sauna im Celler Badeland

Seit 2001 arbeitet Jeffery Müller im Celler Badeland, seit 2005 gießt er in der Sauna-Landschaft auf, seit fünf Jahren ist der 52-Jährige Teamleiter für den Bereich. „Es macht einfach Spaß, ich lebe Sauna“, sagt er lächelnd. Sechs bis acht Aufgüsse macht er pro Schicht – von leise bis laut. „Um 20 Uhr wird es bei ACDC laut“, sagt Jeffery Müller. Aber gerade den Klangschalen-Aufguss mache er unheimlich gerne. „Viele Gäste fragen, wann ich den wieder mache“, erzählt der Saunameister. 400 bis 600 Besucher kommen pro Woche, um im Celler Badeland zu schwitzen – darunter sind viele Stammgäste.

Harald Losch ist zum Beispiel einer. Seit einem Jahr kommt der 71-Jährige einmal pro Woche in die Sauna. „Mein Freund Hans hat mich vorgestellt: ‚Das ist Harald‘ – und schon gehörte ich dazu“, erzählt der Garßener. „Das ist wie eine kleine Familie hier.“ Die älteren Herren kommen aber nicht nur zum Schwitzen, das Klönen im Aufenthaltsraum wird genauso wertgeschätzt. „Wir wollen aber auch etwas für die Gesundheit tun“, sagt Hans Pannhorst. „Entspannen und den Alltag abfallen lassen.“ Seit etwa vier Jahren kommt der 73-jährige Garßener regelmäßig in die Celler Saunalandschaft. Die Banja- und Bieraufgüsse schätzt er besonders.

Matthias Gaupp freut sich über viele Stammgäste in der Sauna

„Wir leben von den Stammgästen, einige sind uns schon seit Jahrzehnten treu“, sagt Matthias Gaupp, Betriebsleiter Bäder bei den Stadtwerken Celle. Es gebe auch ein Stammpublikum, das das ganze Jahr komme. Jahreszeit und Witterung sind da ganz egal.

Gaupp weiß, dass gerade die Stammgäste besonders kritisch sind. Und auch heute gibt es ein paar Verbesserungsvorschläge von den Sauna-Besuchern. „Es sollte wieder ein bisschen Essen und Trinken angeboten werden“, sagt Hajo Stomporowsky, der seit 20 Jahren in den Saunabereich des Celler Badelandes kommt. Nach der Schließung des Restaurants sei dieses Angebot vernachlässigt worden. „Und die Brücke zur Eventsauna ist eine Fehlkonstruktion“, moniert der 70-Jährige. Im Sommer müssen die Sauna-Gäste über die Brücke, um in die Heidesauna zu gelangen. „Und die Duschen sind dort zu heiß“, merkt ein anderer Stammgast an.

Die große Heidesauna wurde vor zwei Jahren in Betrieb genommen. 

Richtig heiß wird es auf jeden Fall, als Zeki Ekinci, der neben Jeffery Müller an diesem Nachmittag Dienst hat, in der Eventsauna „Alpenkräuter“ aufgießt. Das Eis, das er auf den Ofen legt, hat er zudem mit dem Duft Honigmelone angereichert. „Die Dosierung ist sehr wichtig“, sagt der Aufgießer. Über die Lautsprecher lässt er mit der Panflöte gespielte Weihnachtslieder abspielen.

Während es sich einige Gäste nach dem Aufguss auf den Liegen bequem machen, ruft Jeffery Müller einer Frau, die gerade aus dem Umkleidebereich kommt, „Hallo Sonja“ zu. „Ich möchte die Gäste immer mit Namen ansprechen“, sagt der Saunameister. „Sie sollen reinkommen und sich wohlfühlen. Ein Kurzurlaub.“ Die Gäste kämen aus allen gesellschaftlichen Bereichen und allen Altersschichten. „Nackt sind alle gleich“, sagt Jeffery Müller.

Mit dem Dufttuch wedelt Jeffery Müller den Gästen Orangenduft zu.
Ätherische Öle werden mit Wasser vermengt.

Saunameister sollte bei "Wetten dass ...?" angemeldet werden

Der Familienvater erzählt, dass ihn einige Stammgäste schon bei der TV-Show „Wetten, dass ...?“ anmelden wollten. Schließlich erkenne Jeffery Müller alle Saunagäste an ihren Badelatschen. „Ich hoffe, dass wir 2023 wieder Events anbieten können“, sagt der Teamleiter. Neben der Mitternachtssauna nennt er das Oktoberfest oder die Schatzsuche als Beispiele. Auch die Sauna für Babys und Kleinkinder soll bald wieder angeboten werden. „Das ist herzerfrischend“, sagt Jeffery Müller.

Während der Saunameister einen weiteren Aufguss vorbereitet – aufgegossen wird Wasser, das mit reinätherischen, zertifizierten Ölen vermengt wird –, lobt er seine Kollegen und Kolleginnen. „Wir haben ein tolles Team“, betont der Saunameister. Und dann hängt er das Schild „Bitte nicht stören“ an die Tür. Der nächste Aufguss beginnt.

Sauna-Land im Celler Badeland

Das Thema Energieeinsparung macht auch vor der Sauna im Celler Badeland nicht halt. Seit dem 1. Oktober sind vier Schwitzkabinen geschlossen. Das Angebot der unterschiedlichen Saunaarten ist aber weiterhin gegeben. Geöffnet sind neben der Heidesauna auch eine Heißluft-, eine Feuchttraum- und eine Erdsauna sowie ein Dampfbad. „Die erst zwei Jahre alte Eventsauna im Außenbereich besticht durch ein nachhaltiges Energiekonzept mit Wärmerückgewinnungsanlagen und Solarthermie“, sagt Matthias Gaupp, Betriebsleiter Bäder bei den Stadtwerken Celle. „Durch die Größe der Schwitzkabine können wir auch der Corona-Problematik mit viel Abstand den Besuchern ein gutes Gefühl vermitteln.“

Das Sauna-Land im Celler Badeland ist montags von 9.30 bis 22 Uhr, mittwochs bis freitags von 8 bis 22 Uhr, samstags von 8 bis 19 Uhr und sonntags von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Dienstags wird von 8 bis 22 Uhr eine Damensauna angeboten. Der Einzelchip für Erwachsene kostet 17 Euro, Jugendliche bezahlen 9 Euro.