Celler Theater-Workshop

Schüler entwickeln mit Profis Theaterprojekt

Von Schauspiel über Bühnentechnik bis Öffentlichkeitsarbeit: Schüler entwickeln mit Profis beim "Workshop Theater? Machen!" alles selbst.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 03. Sept. 2022 | 14:00 Uhr
  • 03. Sept. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 03. Sept. 2022 | 14:00 Uhr
  • 03. Sept. 2022
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Celle.

Düster und mit Nebelschwaden verschleiert, in gleißendem Licht – die bewusst gewählte Ergänzung zur Optik der schwarz-weißen Ausstattung. Der thematische Rahmen „Begegnungen in der Warteschlange“ stand fest. Alles, was die Darsteller für ihre Improvisationen auf der Bühne brauchen, stand bereit, die Performance konnte starten: Premiere auf der Bühne von Halle 19. Aber auch wenn hier nun alle Fäden zusammenliefen, die Präsentation war nur der Endpunkt einer gemeinsam erarbeiteten Produktion. Der Fokus stand bei diesem Projekt „Theater? Machen!“ ganz klar am Erarbeiten.

Auch wenn sich die Theatermacher am Ende für Schwarz-Weiß entschieden haben – das gemeinsame Workshop-Theaterprojekt in Kooperation von Kultur Trif(f)t und Celler Schlosstheater setzte sich zusammen aus einer bunten Vielfalt von Aufgaben und dazu angebotenen Workshops. Bei diesem „Kultur-Lern-Event“ ging es um Teilhabe – in allen Bereichen und Gewerken, ohne die eine Theaterproduktion nicht machbar wäre, ein aktives Mitmischen auch hinter den Kulissen. Drei Tage, sechs Workshop-Bereiche unter fundierter Leitung und 30 beteiligte Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 11 und 19 Jahren, die gemeinsam etwas geschafft haben, was sich (auf vielerlei Weise) wirklich sehen lassen kann.

 

Kinder lernen Theaterbetrieb kennen

Schlosstheater-Dramaturgin Ella Elia Anschein kurz vor der Premiere: „Wir sind alle mehr als glücklich darüber, wie toll dieses Projekt in all seinen Facetten gelaufen ist. Dieses Maß an Freude und Engagement, aber auch Disziplin und Interesse aller Teilnehmenden hatten wir – ganz ehrlich – nicht erwartet. Wir hätten uns das alles nicht besser wünschen können.“

Sabine Schöllchen von Kultur Trif(f)t ergänzt: „Alles steht und fällt mit einer guten Zusammenarbeit. Wir hatten Workshops in den Themenbereichen Schauspiel, Bühnentechnik, Ausstattung – also Bühne, Kostüm und Maske – sowie Eventmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Gastronomie/Service angeboten. Auch mit der Möglichkeit, sich in mehreren Bereichen einzubringen.“

Das Projekt sollte aber nicht nur eine Mitmach-Plattform eröffnen, es hatte auch das Ziel, einen Anstoß in Richtung Zukunftsgestaltung und Berufsorientierung in Arbeitsbereichen rund um Kultur zu geben. Und das ist offenbar ebenso gut gelungen: Jessika (18) macht nächstes Jahr Abitur und hat sich schon vorher für den Bereich Event-Management interessiert. In dem Theaterprojekt gehörte sie zum Team, das für Organisation und Öffentlichkeitsarbeit zuständig war. „Wir haben hier sehr viel gelernt und hatten immer die Chance, uns selbst bei allen Schritten mit einzubringen. Es hat sich schnell herausgestellt, wie wichtig eine detaillierte Planung und Struktur für eine so viele Bereiche umfassende Produktion ist. Es hat Spaß gemacht, dafür mitverantwortlich zu sein und zu sehen, wie toll es funktioniert, wenn alle mitmachen. Ich habe heute einen realistischeren Blick auf diesen Aufgabenbereich und kann mir gut vorstellen, daraus mal meinen Beruf zu machen.“

Fast schon enthusiastisches Lob über den so perfekten Zusammenhalt aller Teilnehmer gab es von vielen Seiten. Ella Elia Anschein: „Für mich war es eine wunderbare Erfahrung, zu erleben, wie schnell aus den unterschiedlichsten Menschen und Interessensgebieten so eine harmonische, sich gegenseitig unterstützende und ergänzende Gruppe, ja Einheit wurde. Jeder hatte Mitspracherecht, jeder fand Gehör, keine Animositäten, keine Ausgrenzung. Wir haben alle jeden Tag gemeinsam gegessen – im Übrigen wunderbar verpflegt – und konnten uns über die einzelnen Arbeitsbereiche hinweg austauschen. Eine starke, kreative, selbstbewusste Gemeinschaft mit sozialer Kompetenz – das hat unsere Arbeit und unser Ziel bestätigt und allen so viel Spaß gemacht.“

Unter ihrer Leitung entstanden Ansatzdramaturgie und Darstellung, damit aus dem Thema „Begegnung“ ein aussagekräftiges Improvisations-Theater entstehen konnte. Auch Phillip (14) gehörte diesem Team an: „Ich hab' schon in der Schule bei der Theater-AG mitgemacht. Zu spielen, sich auf diese Weise einzubringen und doch in eine Rolle zu schlüpfen und wer ganz anderer zu sein, finde ich spannend. Impro-Theater kannte ich noch nicht – aber es ist ganz mein Ding. Ich hab' ausreichend Phantasie, eigene Ideen zu entwickeln und auch gleich umzusetzen – nicht an ein festes Konstrukt gebunden zu sein, gefällt mir sehr.“

 

Kontakte zum Theater geknüpft

Auch andere haben ihre Profession innerhalb dieses Mitmach-Angebots gefunden. Dmytro Teslenko aus der Ukraine gehörte zum Technik-Team und begleitete den Kursus mit der Fotokamera. Ein Talent, das die gesamte Gruppe begeisterte. Aus seinen Bildern wurde schließlich auch das Plakatmotiv zur Aufführung gewählt.

Auch der von der Bühnentechnik begeisterte Lennox (13) hat die Mitarbeit im Technikteam genossen. „Ich mache das schon seit einigen Jahren – für die Schule und auch sonst. Habe jede Menge Equipment zu Hause. Die Arbeit hier hat mir nochmal einen Kick gegeben, dass ich das wirklich zu meinem Beruf machen möchte. Hier habe ich Kontakte gefunden und will im Schlosstheater ein Praktikum machen – und vielleicht später sogar eine Ausbildung.“

Margarete (13) wurde zunächst von ihrer Mutter animiert, sich für das Projekt anzumelden. „Vom Theatermachen hatte ich keine Ahnung. Man geht in eine Aufführung, sieht sich das an, findet es toll oder nicht und geht wieder. Wie viele Bereiche da vorab zusammentreffen und wie viele Aufgaben zu erledigen sind, damit etwas auf die Bühne kommen kann, darüber hab' ich mir nie Gedanken gemacht. Ich hab' mich eher unschlüssig für den Bereich Ausstattung – also Bühnenbild und Kostüm eingetragen. Dann war ich auf einmal Teil eines Ganzen – die Motivation der anderen hat mich mitgerissen und angesteckt. Heute kann ich mir gut vorstellen, mal etwas im Bereich Design oder Architektur zu machen – etwas kreativ Bildnerisches eben.“

Am Ende hat die Premiere, um die es eigentlich nicht schwerpunktmäßig ging, Zuschauer und Mitmacher gleichermaßen begeistert. Bester Grund für weitere solcher Projekte.